Mittwoch, 10. Februar 2016

Familie T. bekommt Nachwuchs - unser BUCH

Hallo!?

Ist hier noch wer??

Wenn ja: Dranbleiben hat sich gelohnt, denn wir haben große Neuigkeiten zu verkünden. Ganze 9 Monate sind wir nun schon wieder daheim und im März werden wir Mama und Papa. Ja, genau, Du liest richtig. Am 17. März kommt aller Voraussicht nach ein Wunschkind auf die Welt: unser (erstes) selbst geschriebenes Buch!
Tolle Sache und ganz schön aufregend. Doch wie wurden wir eigentlich schwanger? Es war ein hartes Stückchen Arbeit, soviel sei gesagt. Aber Spaß gemacht hat es auch. Wie das halt so ist mit dem Kinder zeugen.
So manch belächelndes Nicken ist uns in den letzten Monaten entgegen gebracht worden, wenn wir von unserem Buchprojekt erzählt haben, so manch einer wähnte uns sicher als kleine Traumtänzer. Es wussten aber ja auch die wenigsten, dass wir schon vor unserer Abreise nach Kanada den Autorenvertrag (quasi die Geburtsurkunde) in der Tasche hatten. Und - ganz ehrlich - DAZU kamen wir wie die Jungfrau zum Kinde.
Noch zuhause in Deutschland grübeln wir, wie wir während unserer Reise möglichst komfortabel den ein oder anderen Taler verdienen können. Im Zuge dieser Überlegungen fält uns unter anderem das vierteljährlich erscheinende Reisemagazin „360 Grad Kanada“ ein - vielleicht können wir dafür ja ein paar Artikel schreiben, wenn wir an berichtenswerten Orten verweilen?! Frau T. macht kurzen Prozess, kontaktiert den Verlag, beschreibt, was wir vorhaben. Postwendend kommt die Antwort: Joah, klar, Artikel wären zwar nett und auch gewünscht, aber wie wäre es denn gleich mit einem Buch? Wir so: Öhhhm, okay! Kurz darauf schon lernen wir unsere zukünftigen Verleger auf der Buchmesse in Frankfurt kennen und der Deal ist mehr oder weniger  besiegelt. Verblüffend einfach. In den darauffolgenden Wochen und Monaten vor der Abreise besprechen wir das Geschäftliche und signieren frohen Mutes den Autorenvertrag.
Wir fliegen also nach Kanada und haben eine schriftstellerische Aufgabe. Doch jetzt wollen wir erst einmal unser Abenteuer leben, alles in uns aufsaugen, höchstens hier und da mal ein bisschen bloggen, quasi das Leben zu zweit nochmal so richtig genießen. Lose vereinbart ist, nach einem halben Jahr einen ersten Entwurf an den Verlag zu schicken. Und dann reisen wir. Und reisen. Und...auf einmal ist es November, aber das Kinderzimmer noch immer nicht eingerichtet, soll heißen - es gibt noch keinerlei Buchentwurf. Wir vertagen die Deadline, unsere Verleger sehen es ganz kanadisch entspannt, und so wird es Februar, bis wir ein wenig zur Ruhe kommen, vom Reisen ohnehin etwas müde, und uns endlich auf unsere vier Buchstaben setzen, um zu schreiben. Wie fängt man das denn eigentlich an, so ein Buch? Brauchen wir gleich eine spannende Story zum Einstieg? Wie gliedern wir die Kapitel? Was soll alles rein, was bleibt lieber draußen? Und - nochmal - wie fangen wir an? Kontrollfreak Frau T. muss erstmal "alles strukturieren" und ein paar Listen erstellen. Wir stimmen recht emotional eine Vorgehensweise ab, teilen auf, wer welchen Reiseabschnitt beschreibt und erstellen einen ungefähren Zeitplan. Was muss bis wann fertig sein? Wieviel Zeit benötigen wir zum Korrektur lesen? Und so weiter. Schließlich raffen wir uns auf und sitzen fleißig (fast) jeden Tag ein paar Stündchen am Tisch, um tatsächlich mal was zu arbeiten, während es in Vancouver kontinuierlich vor sich hin regnet. Es macht Spaß, sogar richtig großen Spaß, sich den Arbeitstag selbst einzuteilen und etwas zu erschaffen. Sagen nicht viele Frauen, die Schwangerschaft sei die schönste Zeit ihres Lebens? Ich möchte hier aber nichts beschönigen, es gibt auch Tage, an denen wir (vor allem Mr. T) keine Lust haben, am Buch zu basteln oder an denen wir vielleicht nur zwei gescheite Sätze zu Papier bringen. Aber dann gibt es bestimmt irgendwas anderes zum Korrektur lesen oder zu klären. Wir haben uns jedenfalls vorgenommen, dass bis zum Ende unserer Kanadazeit das grobe Gerüst stehen soll und wir in den vier Wochen Wien zum Abschluss nur noch die Feinjustierung vornehmen. Korrektur lesen, ausbessern, Korrektur lesen, Korrektur lesen, Schlussworte schreiben, Korrektur lesen und schließlich noch die Fotos auswählen. Der Punkt "Fotos fürs Buch auswählen" fällt auf unseren letzten Tag in Wien und wird nochmal eine Herausforderung. Denn Ehepaar T. muss sich ja einigen, WELCHE Fotos WO mit WELCHER Beschreibung hin sollen. Und wie soll das Kleine überhaupt heißen? Namensfindung...auch ein heikler Punkt. Wir entscheiden uns gegen die gängigen Modenamen und für die schlichte Lösung "Wenig Work, viel Travel" - dabei bleibt's. Von morgens um 8 bis abends um 21 Uhr ackern wir an diesem letzten Tag unserer großen Reise, bis endlich alles fertig ist und wir die Buchdatei an unsere Verleger schicken. Im Flugzeug nachhause lehnen wir uns dann erst einmal zurück und in den ersten Wochen daheim verlieren wir unseren Nachwuchs fast ein bisschen aus den Gedanken, unser Part ist ja nun getan. Immer wieder werden wir aber von den „Eingeweihten“ gefragt, wann denn nun endlich unser Schätzchen das Licht der Welt erblickt, so dass es auch in uns wieder zu kribbeln anfängt. Im Spätsommer 2015 dann jedoch der sanfte Dämpfer - es wird erstmal keine Geburt nach Termin (Buchmesse in Frankfurt), wir werden die Wehen langsam einleiten und dann zur Buchmesse in Leipzig im März 2016 niederkommen. Erst sind wir etwas enttäuscht, wir hatten uns doch schon so auf den kleinen Hosenscheißer gefreut aber im Endeffekt sind wir froh, dass wir noch etwas Zeit haben, das Ganze nochmal zu sichten, denn es wird klar - die Arbeit ist noch lange nicht getan. Gegen Jahresende wird so mit etwas Abstand nochmal in mehreren Runden korrigiert und lektoriert, bis wir (und auch der Verlag) der Meinung sind: "Wir sind bereit!" Nun muss nur noch das Outfit für den Auszug aus dem Krankenhaus, sprich das Titelbild, gefunden werden, dank der zahlreichen Unterstützung vieler emsiger Facebook User eine eindeutige Angelegenheit.
Jetzt fiebern wir also wirklich dem Geburtstermin entgegen. Der Countdownt läuft - am 17. März ist es endlich soweit. So richtig können wir es wohl erst glauben, wenn wir unser eigen Papier und Tinte auch wirklich in den Händen halten. Wie sieht es aus? Sieht es uns ähnlich? Sind wir uns gleich sympathisch? Wird es uns nachts den Schlaf rauben? Wird sich unser komplettes Leben verändern? Spannend.
Sorglos und vernetzt wie wir nun einmal sind, werden wir unseren Nachwuchs nicht aus dem Internet fernhalten. Wenn du unser Baby also auch mal knuddeln und im Arm halten möchtest, kannst Du das unser Buch bereits jetzt schon vorbestellen. Direkt beim Verlag (bis zum Erscheinungstermin zum vergünstigten Subskriptionspreis – siehe nachfolgender Link) oder natürlich auch beim Onlinegiganten Amazon (nach "Wenig Work, viel Travel" suchen).

Hier gehts zu unserem Buch!
 

Allen zukünftigen Käufern, wohlwollenden Rezensenten, eifernden Fans und glücklichen Lesern bereits vorab vielen Dank! Uns hat die Reise bis hierher viel Spaß gemacht, schauen wir mal, was noch kommt!

Montag, 4. Mai 2015

Die warmen Worte zum Schluss

Heute vor 50 Wochen sind wir das erste Mal in Kanada aufgewacht. "50 Wochen" - das hört sich ganz schön kurz an und wie sich heraus gestellt hat, ist es das auch. In einer Woche werden wir das erste Mal wieder in unserer Wohnung in Frankfurt aufwachen, wenn wir daran denken, fliegen gemischte Gefühle durch Bauch und Kopf. 

Wir möchten uns an dieser Stelle bei Euch für Euer Interesse an unserer Reise und Euer fleißiges Lesen bedanken! Vielen Dank! Uns hat es sehr viel Spaß gemacht, Euch hier im Blog von unseren Abenteuern zu berichten und deswegen arbeiten wir auch schon - jetzt können wir es ja sagen - seit mehreren Monaten an einem Buch über unser Kanadajahr. Es lohnt sich deshalb, die nächsten Wochen und Monate immer mal wieder hier reinzuschauen, um die Neuigkeiten rund um das Buch zu erfahren. Die letzten Tage in Wien werden wir nun blogfrei verbringen, wir brauchen jetzt endlich mal Urlaub! 

In diesem Sinne!


Freitag, 24. April 2015

Lainzer Tiergarten - eine kleine Wanderung


Kaiserschmarrn, Wiener Schnitzel, Sacher Torte, Melange, Aperol Spritz - in Wien kann man gut leben, sollte die Kalorien ab und an aber auch mal wieder abtrainieren. Nichts wie ab in den Lainzer Tiergarten, das ehemalige kaiserliche Jagdgebiet im Wienerwald. Der Lainzer Tiergarten befindet sich westlich von Wien und umfasst 2.450 Hektar. Hier findet man viel Grün (Bäume, Pflanzen), wilde Tiere (Wildschweine, Damhirsche, Mufflons,...) und die Hermesvilla - "das Schloss der Träume" - die Franzl für seine Sisi seinerzeit bauen ließ, damit die reisesüchtige Alte sich auch mal öfter in Wien blicken lässt. Ähämm, Mr. T., so ne kleine schnuckelige Villa in Frankfurt...vielleicht will ich dann nie wieder in Urlaub? 
Die Straßenbahn, hier auch Tram genannt, bringt uns quasi ohne Umsteigen von Haustür zu Tiergartentor. Wir starten unser kleines Wanderabenteuer beim Nikolai Tor, am nordöstlichen Zipfel des Parks.  Ein Ranger grüßt uns muffig, wir werfen einen flüchtigen Blick auf die Infotafel und sehen schon, welches Getier uns hier erwarten könnte. 900 Wildschweine leben im Lainzer Tiergarten, aber da es keine Warnschilder gibt, so wie in Kanada, bin ich mir auch sicher, dass uns nichts passieren kann. Frohen Mutes stapfen wir also los, den Rucksack mit ausreichend Proviant auf dem Rücken und bewaffnet mit einer Kamera. 

Noch finden wir sie niedlich

Erste Etappe: Nikolaitor - Hirschgstemm (5,6 km)
Wir starten auf einem Naturlehrpfad, dessen Verlauf durch ein kleines Wildschein (wie süß!) gekennzeichnet ist. Wir lernen, dass eine Fledermaus nachts mindestens 2.000 Insekten verschlingen muss, damit sie einigermaßen gesättigt ist, lauschen den Klängen eines Spechts und riechen den scheinbar allgegenwärtigen Bärlauch. In der Ferne sehen wir ein Tierchen, das gerade frisst. Ist es ein Pferd? Hmm, nein, die Beine sind so kurz. Ist es ein Pony? Hmm, könnte sein, aber doch irgendwie nicht. IST DAS EIN WILDSCHWEIN? Wir haben noch nie eines in freier Wildbahn gesehen, das ist doch nicht sooo groß! Oder etwa doch? Es ist zu weit weg, auch der Kamerazoom bringt keine 100%ige Gewissheit. Nur einen Kilometer weiter dann jedoch die Bestätigung: Es wimmelt nur so von Wildsäuen um uns herum. Wir sind umzingelt! Hilfe! Nur wenige Meter von uns entfernt stapfen zwei Exemplare durch den Wald, um dann zu einem Schweinsgalopp über den Wanderweg anzusetzen. Klick! Im richtigen Moment abgedrückt. Großer Respekt macht sich in uns breit. Denen scheint es hier ja gut zu gehen, wenn das solche Oschis sind. Man möchte ihnen lieber nicht alleine bei Nacht begegnen. Oder überhaupt. Wir setzen unsere Wanderung fort und driften in Kindheitserinnerungen ab. Damals, als man noch eine Isostarflasche hatte für Wanderungen. Graue Flasche, blauer Schriftzug, gelber Deckel. Ich sehe sie bildlich vor mir. 

Jetzt sieht es schon anders aus

Zweite Etappe: Hirschgstemm - Hubertuswarte (1,4 km)
Beim Hirschgstemm gibt es ein Ausflugslokal mit Bierzeltgarnitur. Es riecht nach fettigen Fritteusenfritten (quell' Alliteration!) und Almdudler. Aber wir haben ja unseren Proviant auf dem Rücken und wollen auch noch ein paar Meter weiter latschen, auch wenn unsere Mägen schon fast unter den Wanderschuhsohlen hängen.  Endlich! Die Hubertuswarte! Ein Turm - 220 Stufen bis zur Spitze. Die müssen wir noch absolvieren, bevor wir uns eine Pause gönnen. Frau T. zählt jede Stufe, stimmt, es sind 220. Von dort oben eine diesige Sicht auf Wien und den Wienerwald. Ganz nett, aber immer noch hungrig. Also hüpfen wir die Stufen beschwingt wieder hinab. Wir haben von oben nämlich eine weibliche Wanderersgruppe erspäht, nicht, dass die uns den Picknicktisch wegnehmen. Wir haben aber noch einmal Glück gehabt, die Damen bleiben ein Stück weiter vorne und machen es sich dort gemütlich, so dass wir nun endlich unsere Salz-Kümmel-Stangerl, die Puszta- und Teufelswürste und unsere Paradeiser auspacken und verspeisen können. Hach, jetzt sieht die Welt doch schon wieder ganz anders aus. 

Hubertuswarte

Dritte Etappe: Hubertuswarte - Rohrhaus (1,4 km)
Der Rucksack wird geschultert, die Beine geraten wieder in Bewegung. Wir laufen an der Frauengruppe vorbei und bitten sie freundlich, wie es so Sitte ist, Gott zu grüßen. Eigentlich sind wir fast schon an ihnen vorbei, da fällt unser Blick auf ein kleines Detail. Eine der Damen trinkt aus einer Isostarflasche. Und aus was für einem 1,5l-Prachtexemplar! Dass es die überhaupt noch gibt...

Bärlauch, soweit das Auge bzw. die Nase reicht

Vierte Etappe: Rohrhaus - Hermesvilla (2,2 km)
Irgendwie lässt der Drive nach. Ein bisschen drängt die Zeit, da wir unsere Vermieterin gegen 16 Uhr zuhause erwarten. Sollen wir ihr eine SMS schicken, dass es später wird? Sollen wir früher aus dem Tiergarten aussteigen? Erstmal zur Hermesvilla, auf Toilette könnte man ja auch wieder mal. Oh nein, die Hermesvilla, die eigentlich so ein süßes kleines Schlösschen ist, hat einen Baugerüstmantel an. Frau T. ist ganz betrübt, sie war vor ein paar Jahren schon mal mit Mama P. hier und da war alles so schön, das sollte Mr. T. doch auch sehen. Er beteuert aber, dass er es auch so ganz entzückend findet. Einen Besuch im Museum sparen wir uns allerdings. Den Klobesuch auch, wir finden nämlich gar keines.

Hermespark

Fünfte Etappe: Hermesvilla - Lainzer Tor (1,1 km)
Wir lustwandeln durch den Hermespark, in dem extra alle Maulwurfhügel beseitigt wurden, damit die gute Sisi bedenkenlos reiten gehen kann. Hach, der Franz Joseph war schon ein guter Typ! Mr. T. reicht es nun aber mit Romantik, er möchte zu den Wildgehegen, in denen wir Damhirsche, Mufflons und Auerochsen besichtigen können. Zwei Platzhirsche gehen gerade mit ihren Geweihen aufeinander los, die Mufflons grasen unbeirrt weiter. Aber wo sind die Auerochsen? Vielleicht da vorne? Ja, gaaaanz weit weg, kann man einen buckligen Fellhaufen erahnen. So, das muss jetzt aber auch an Tieren für heute reichen, denkt sich Frau T. und stolpert fast über ein starres kleines Ding. Eine tote Maus? Nein, ein Maulwurf, wie sie vom Bernhard Grzimek an ihrer Seite aufgeklärt wird. Ob der wohl damals zu Tode kam, als der Franzl hier alles hat plattmachen lassen? Ich werde es wohl nie erfahren.

Da rennt das Vieh

Sechste Etappe: Lainzer Tor - Nikolai Tor (7,1 km)
Nochmal 7,1 km? Und auch noch mit Steigung? Nee nee, Du! Heute nicht mehr. Wir haben ja noch ein Vermieterdate und ein bisschen müde sind wir auch. Wir verlassen den Lainzer Tiergarten also am Lainzer Tor und fahren mit 3x umsteigen nach Hause, was aufgrund des perfekt organisierten ÖPNV in Wien aber reibungslos läuft. Was für ein schöner kleiner Ausflug an der frischen Luft. Und jetzt ist auch wieder Platz für ne Käsekrainer.

Samstag, 18. April 2015

Radtour nach Schönbrunn


Wer an Wien denkt, denkt an Sisi. Wer an die Kaiserin Elisabeth denkt, denkt an das Schloss Schönnbrunn. Nicht? Na, jetzt schon! Auch in Wien wollen wir unserem Grundsatz "auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten" so gut es geht treu bleiben und so schwingen wir eines schönen und warmen Frühlingstages unsere Hinterteile auf die City Bikes. Also, würden wir zumindest gerne. Aber an der City Bike Station nahe unserer Wohnung ist kein einziges Fahrrad vorhanden.

Chillometer im Nashorngehege

In Wien gibt es ein ziemlich geniales System des Fahrradverleihs. An über 120 Terminals in der Stadt kann man anhand einer Kreditkarte und einem selbst gewählten Passwort eines der dort vorrätigen Fahrräder bis zu einer Stunde kostenlos ausleihen. Die Rückgabe kann an einer frei wählbaren Station erfolgen. Ziemlich easy und die Räder sind echt gut in Schuss...wenn sie denn da sind. Hier gibts also schon mal kein Fahrrad, Frau T. hat "ja gleich gesagt, dass wir zu einer anderen Station gehen sollen". Die Stimmung ist also mal wieder Bombe. Einmal in die Hände gespuckt und schon ziehen wir weiter, man kennt sich ja schließlich aus in der Stadt.

Kuckuck, ei, was is denn da?

Nach nur wenigen Minuten Gehzeit erreichen wir die nächste City Bike Station und, dem Himmel sei Dank, hier gibt es auch ein paar Drahtesel. Zwei reichen ja schon. Mit Kennerblick trifft jeder seine Wahl. Mr. T. beachtet hierbei folgende Faktoren: hat das Rad eine Gangschaltung, sind die Reifen aufgepumpt, welche Griffe sind am Lenker? Frau T. entscheidet sich, wie ungewohnt für sie, blitzschnell. Das Fahrrad mit dem niedrigsten Sattel wird es. So spart man sich Arbeit und die Hände werden auch nicht schmutzig. Nur 10 Sekunden auf dem Sattel und schon bewegt sich die Stimmung femininerseits gefährlich nahe am Gefrierpunkt. Auf dem Sattel rutscht man doof nach vorne, das Rad verfügt weder über Handbremse noch Gangschaltung und die Griffe tun voll doll an den Handinnenflächen weh. Es ist aber auch wie verflixt heute. Mr. T. versucht es mit stillschweigendem Verständnis und irgendwie groovt sich das Nervenbündel dann auch ein, fast schon zu schnell geht die Fahrt vorbei und wir parken unsere fahrbaren Untersätze vor den Toren von Sisis Sommerresidenz.

Brave, kleine Miezekatze!

Unser Ziel ist nicht das Schloss selbst, auch wenn dieses natürlich fein anzuschauen ist, nein, heute wollen wir in den Tiergarten Schönbrunn, der sich im Schlosspark befindet. Der Wiener Zoo ist sehr schön und weitläufig angelegt, es gibt viele unterschiedliche Tiere, die entweder chillen oder fressen. Die Elefanten knabbern Äste, die sie sich vorher in ihren Rüsseln gestapelt und bereit gelegt haben, die Totenkopfaffen klauen sich gegenseitig die Kartoffelstückchen aus den Griffeln, einzig die Eisbären sorgen für Stimmung und bespaßen sich mit einem Plastikeimer.

Paaarty!

Auch der fröhlichste Zoobesuch hat einmal ein Ende und so lustwandeln wir noch ein wenig durch den Schlosspark hinauf zur Gloriette, von der aus man einen famosen Blick auf das Schloss und auf Teile Wiens hat. Nach einem ausführlichen Picknick- und Foto-Stopp (ist ja nicht so, als wären wir schon zigmal dort oben gewesen, aber Frau T. muss unbedingt ihre neue Kamera ausprobieren), machen wir uns an den Abstieg. Zurück an der Fahrradstation begeht Frau T. dieses Mal keine Fehler bei der Auswahl und so gleitet die Heimfahrt dahin wie ein Messer durch angeschmolzene Butter. Butter - perfektes Stichwort! Denn am Abend werden wir uns ein ethisch völlig inkorrektes Wiener Schnitzel schmecken lassen! Servus!


Samstag, 11. April 2015

Die kanadischen Tage sind gezählt

Ich kann es nicht oft genug sagen, so abgedroschen es auch klingen mag, aber es ist einfach verrückt, wie sehr die Zeit rennt. Nur zu gut kann ich mich noch an letztes Jahr April um diese Zeit erinnern. Mr. T. hatte bereits seinen letzten Arbeitstag, meiner war auch absehbar, wir haben Probe gepackt, letzte Besorgungen gemacht, unsere Abschiedsparty geplant und ganz viele Schmetterlinge im Bauch. Nun haben wir wieder April, ein Jahr später. Wir sind gereist, gefahren, geflogen, gelaufen. Haben jeden Tag etwas anderes erlebt und gesehen, waren euphorisch, aber auch müde. Und hatten die wohl tollsten 11 Monate unseres Lebens. Nun werden wir Kanada vorerst den Rücken kehren, die Heimat ruft, es muss wieder Geld verdient und der Alltag gelebt werden. Und noch ist unser Reisejahr auch nicht vorbei. 4 Wochen bleiben uns. In der wunderschönsten Stadt der Welt.

In unserer letzten Woche in Vancouver waren wir damit beschäftigt, ganz viel leckeres Essen zu verspeisen, zum erneuten Male unser Reisegepäck auszumisten (da sammelt sich ganz schön was an), Koffer zu packen, und in der Stadt herumzulaufen. Unsere letzten Wege führten uns ins Musical "The Book of Mormon", zum Fußballheimspiel der Jungs vom Whitecaps FC und am letzten Abend, welch wunderbare Überleitung, in den Kinofilm "Amadeus", der uns bereits auf Wien einstimmen sollte (als ob das bei Frau T. nötig wäre).

Heute begeben wir uns auf unseren letzten kanadisch-amerikanischen Roadtrip. Per Mietwagen fahren wir nach Seattle, um von dort via Frankfurt nach Wien zu jetten. Den nächsten Blogbeitrag präsentieren wir daher mit ganz viel Wiener Schmäh! Bye-bye Kanada, Servus Wien!

Freitag, 10. April 2015

Ein Sonntag in Vancouver

Chinatown
Unser letzter Sonntag in Vancouver und dazu noch Ostern - das muss gebührend gefeiert werden. Mit einem bunten Ausflugs- und Kulinarikprogramm. Das Wetter zeigt sich mal wieder von seiner prächtigsten Seite und wir nehmen an einem Stadtspaziergang zum Thema Chinatown teil. Dieser wird von der Firma Tour Guys kostenfrei angeboten, am Ende der Tour gibt man dann, je nachdem wie es einem gefallen hat, Trinkgeld. Ein gutes Konzept und in Chinatown waren wir eh noch nicht größer, daher machen wir uns auf zum Treffpunkt an der Art Gallery.

Chinesische Leckerlis Part 1

Chinesische Leckerlis Part 2

Dort treffen wir zunächst auf unsere Guide Alex (weiblich, Führerin klingt blöd) und auf einen jungen Mann, der sich uns als Johnny vorstellt. Schnell wird klar, dass Johnny auch aus Deutschland kommt und Work&Traveller ist und zunächst versucht er noch Englisch mit uns zu sprechen, denn, wie er vor wenigen Tagen mit einem anderen deutschen Traveller festgestellt hat, ist seine deutsche Grammatik so gut wie nicht mehr existent, weil er so viel Englisch spricht. Selbst mit seinem Bruder, mit dem er in sein Work & Travel Jahr gestartet ist, hat er ausschließlich Englisch gesprochen und ist verwundert, dass wir als Ehepaar miteinander Deutsch sprechen. Ich liebe diese Begegnungen mit lustigen Menschen, die eine verquere Selbstwahrnehmung haben. Denn meinem Empfinden nach ist seine deutsche Grammatik wesentlich ausgereifter als die englische.

Dr. Sun Yat-Sen Garden
Nun ja, besinnen wir uns auf die Tour. Mittlerweile sind noch ein paar Menschen mehr eingetrudelt und Alex führt uns recht kurzweilig und mit einigen Anekdötchen durch die Innenstadt nach Chinatown, wo wir erfahren, wie es hier vor vielen Jahren einmal aussah, wer die einflussreichsten chinesischen Immigranten waren und wieso diese es nicht immer leicht hatten. Insgesamt eine ganz "nette" Führung, insbesondere in Chinatown hätten wir uns aber noch ein bisschen mehr Input erwartet, wenn die Tour schon so heißt, aber wir haben heute ja noch mehr vor, stärken uns, zurück in Downtown, erstmal mit ein paar Sushirollen und ziehen dann weiter zum Roedde House im West End.

Roedde House
Die Roeddes waren eine deutsche Buchbinder-Immigrantenfamilie, deren Haus im viktorianischen Stil nun als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Hier ist es, als würde man in eine andere, längst vergangene Zeit, abtauchen.

Wer findet was Deutsches?

Sonntags wird wahlweise zur Führung Tee aus feinstem Porzellan gereicht und ergraute Ehrenamtliche zeigen einem die Räumlichkeiten, die man anschließend auch noch auf eigene Faust besichtigen kann. Beseelt von so viel Kultur und ungemein reich an neuem Erfahrungsschatz treten wir den Rückweg durch das frühlingshafte Vancouver in Richtung Wohnung an, nicht ohne uns noch mit einem Heißgetränk bei Tim Hortons einzudecken - wer weiß, wann wir je wieder in den Genuss kommen?!

Frau Roeddes Knopfsammlung?

Herr Roeddes Zahnbürste?

Sonntag, 5. April 2015

Farewell, Ford Explorer, Farewell!

Wir lieben unser Auto heiß und innig! Unser fleißiger weißer Ford Explorer aus dem Millemniumjahr! Der uns so zuverlässig durch die Weiten Kanadas und die Tiefen des Hinterlandes kutschiert hat. Der uns nicht nur Beförderungsmittel, sondern auch Schlafzimmer und Lagerstätte war. Ruhe in Frieden! Oder bereite zumindest deinen neuen Besitzern so viel Freude wie uns!

Ein prächtiger Bursche
Es ist unaufhaltsam - unser Reisejahr neigt sich dem Ende zu und bereits mit den Rockies im Januar haben wir unseren letzten großen Roadtrip beendet und somit keine sinnvolle weitere Verwendung für unseren kleinen großen Freund. Yukon, Florida und Hawaii bereisen wir per Flugzeug und Schiff und in der Stadt braucht man nicht zwingend einen fahrbaren Untersatz. Zu den Ausflugszielen vor den Toren Vancouvers gelangt man auch einigermaßen gescheit per öffentlichem Nahverkehr. Es steht also fest: So weh es tut, die Karre muss weg! Bereits im Januar fangen wir langsam an, den Verkauf vorzubereiten. Gekauft war es ja relativ schnell, der Verkaufsprozess zeichnet sich nicht ganz so butterzart ab. Wie schon öfter hier im Blog angemerkt, kocht jede Provinz ihr eigenes Süppchen. Man kann also nicht einfach mit einem in Nova Scotia gemeldeten Fahrzeug hier in BC ankommen und es verkaufen, nein, dafür muss das Auto erst einmal einen Out-of-Province-Check bestehen und für diesen gilt: Alles, was vorhanden ist, muss auch funktionieren! Unabhängig davon, ob es sicherheitsrelevant ist oder nicht. An sich sehr löblich von den britischen Kolumbiern, doof nur, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird. In der Provinz bereits gemeldete Autos können beliebig weiterverkauft und umgemeldet werden, da interessiert es nicht, ob sie vor lauter Rost schon beinahe auseinanderbrechen. Und dann kommt unser gepflegtes Autochen und muss noch solche Strapazen erleiden. Hilft ja alles nichts. Um den potentiellen Käufern die Kaufentscheidung leichter zu machen, entscheiden wir uns daher, während unserer Zeit auf Vancouver Island den notwendigen Check durchführen lassen und fahren mit dem Explorer an einer Werkstatt vor. Die Nachricht, die wir dort ein paar Stunden später erhalten, ist zunächst recht niederschmetternd, denn es müsste einiges getan werden, bevor der Check als "bestanden" anzusehen ist. Die Kosten sind nicht abzusehen, insbesondere die Tatsache, dass das Airbaglicht leuchtet (wir hatten es bei zwei Werkstattaufenthalten jeweils fixen lassen, es kam aber immer wieder nach wenigen Tagen zurück), hält uns davon ab, die notwendigen Reparaturen und Verbesserungen an Ort und Stelle vornehmen zu lassen. Bringt ja nix, wenn der erwartete Verkaufspreis unter den etwaigen Werkstattkosten liegt. Again, hilft alles nichts, dann müssen wir den Käufern halt mit dem Kaufpreis entgegenkommen. Es stellt sich nun also die nächste Frage: Über welchen Kanal wollen wir unser Auto verkaufen? Ehemalige Weihnachtsmarktkollegen zeigen Interesse, gleichzeitig inserieren wir aber auch in den Work & Traveller Gruppen auf Facebook, hierüber hatten wir auch seinerzeit den Kauf angebahnt. Desweiteren informiert sich Frau T. in einem schier endlosen E-Mailaustausch sowohl bei der Zulassungsstelle in Nova Scotia, als auch in British Columbia, über die weitere Vorgehensweise. Wir wollen ja schließlich auf alles vorbereitet sein und nicht noch großen Hickhack beim Verkauf haben. Wenn wir schon die Last des Out-of-Province Checks auf die Käufer abwälzen, so wollen wir ihnen wenigstens die Bürokratie erleichtern. Denn natürlich ist auch hier alles wieder anders. Mussten wir in Nova Scotia noch zwischen Zulassungsstelle und Versicherungspüro hin- und hergondeln, so kann in Vancouver alles zentral bei einem Versicherungsbüro gemacht werden, das eine Zulassung zur Zulassung hat. Autoplan Broker schimpft sich das dann.

Platzwunder
Schnell melden sich die ersten Interessenten und wir vereinbaren Probefahrten, die Anfang Februar in Vancouver stattfinden. Selbstverständlich ist den meisten diese ganze Geschichte zu unsicher. Klar, unser Preis ist superfair, aber wenn man hier keinen Mechaniker kennt, der da mit dem Check was drehen kann, dann kann das ja alles viel zu teuer werden und überhaupt ist das natürlich zu aufwändig. Ganz ehrlich - kann ich verstehen. Aber trotzdem wollen wir die Karre loswerden, als Ziel haben wir uns dafür Mitte Februar gesetzt, damit das Auto zu unserem Florida"urlaub" schon neue Besitzer hat. Wie es das Schicksal dann aber so will, werden uns F. und C. geschickt. Ebenfalls ein Work&Travel-Pärchen aus Deutschland, ebenfalls "ein bisschen älter", und ebenfalls froh, schnell ein Auto zu finden. Die Probefahrt läuft gut, das anschließende Gespräch auch und schon am gleichen Tag geben die beiden uns grünes Licht - sie wollen das Auto kaufen. Feuerwerk! Konfetti! Fanfaren! Wir verabreden uns für 3 Tage später vor einem Versicherungsbüro, welches sich die beiden herausgeguckt haben, um das Geschäft dingfest zu machen. Obwohl wir ja, wie wir denken, alles bis ins kleinste Detail vorbereitet haben, sind wir, insbesondere Frau T., doch ein bisschen aufgeregt, ob alles gut läuft. Wir möchten natürlich, dass F. und C. das Auto erst kaufen und DANN zur Werkstatt fahren. Damit möchten wir nun wirklich nichts mehr zu tun haben, und laut Vince, Frau T.'s best Buddy bei ICBC (die Zulassungsstelle von British Columbia), ist das auch möglich. Auf dem Weg zum Versicherungsbüro (einen Tag vor unserem Flug nach Florida) gibt Frau T. ihrem Götter-Mr. T. natürlich noch wichtige Instruktionen wie: "Wenn die uns das Geld noch vorm Versicherungsbüro geben wollen, dann sagen wir nicht "nein, nein, hat doch Zeit", sondern wir nehmen es, ist das klar?". Keine Antwort, er weiß es nach 11 Jahren einfach besser, als jetzt darauf einzugehen. Wir fahren am Treffpunkt vor, F. und C. stehen bereits da, wir steigen aus, begrüßen uns und das erste, was F. sagt, ist: "Ich geb' Euch dann erstmal das Geld, ne?" Frau T. hält den Atem an, Mr. T. agiert aber nach Drehbuch und nimmt den Zaster dankend entgegen.

Gesammelte Werke
Wir betreten das Büro, Auftritt der Versicherungsangestellten Bernadette, weit über 60, Haare total verzaust. Frau T. trägt unser aller Anliegen vor und erklärt gleich, dass das Auto aus Nova Scotia ist, dass sie das aber schon abgeklärt hätte, die Käufer könnten es schon kaufen und versichern vor dem Out-of-Province Check, müssten dann nach "bestandener Prüfung" nur noch einmal zurückkommen, um das Vehikel auf sie anzumelden. Bernadette nickt, scheint wohl alles kein großer Akt zu sein und wir nehmen zu viert an ihrem Schreibtisch Platz. Wir haben alle notwendigen Unterlagen vorbei, sind ja schließlich anscheinend auf jede Eventualität vorbereitet, und schieben sie ihr zu. Doch schon nach wenigen Sekunden stutzt Bernadette, denn sie weiß nicht, wo unsere Führerscheinnummer auf dem entsprechenden Dokument zu finden ist. Wir sind ihr gerne behilflich, da entdeckt sie, dass wir deutsche Staatsbürger sind. Was? Deutsche? Sie selbst sei ja ursprünglich aus der französischen Schweiz...so was aber auch. Aber das hätte sie ja wirklich nicht gedacht. Von unserem Akzent her war sie sich so sicher, wir seien Isländer!? Nun gut, dann sind wir heute mal in Schwefelquellen badende Vulkanbesteiger. Wir lächeln freundlich und lassen sie weiter ihres Amtes walten. Sie breitet ein großes Formular aus, für das sie unsere Daten und die der Käufer benötigt und stutzt dann erneut, als sie den Kaufpreis hört. Dieser erscheint ihr viel zu niedrig. Frau T. erklärt, dass es sich schließlich um ein sehr altes Auto handelt und dass die Käufer ja die Kosten für den Check zu tragen hätten. Ja, das findet sie eh komisch. Das ist eigentlich nicht Usus. Normalerweise macht das der Besitzer, bevor er den Wagen veräußert. Bei uns isses aber anders, das teile ich ihr mit und sie fragt dann, ob die Käufer das wüssten und sich dessen bewusst seien, dass da zusätzliche Kosten auf sie zukommen? Jetzt bring die Neulinge doch nicht auf falsche Gedanken, Bernadette. Jaja, die wissen das.

Ford Explorer im Einsatz
Gerade erst besänftigt, treten nun jedoch Computerprobleme auf. Bernadette weiß nicht mehr, was sie machen soll und ruft etwa fünfmal bei ICBC an. Wir bedienen uns derweil mal am Lolliglas, das kann ein langer Vormittag werden. Es geht hin und her, immer wieder gibt sie die gleichen Daten ins System ein und immer wieder bekommt sie die selbe Fehlermeldung. Kollegen werden eingespannt, so dass parallel gearbeitet werden kann, aber irgendwie bringt das alles nicht. Sie lässt uns aber nicht an der Wurzel ihres Problems teilhaben, erst als sie vor sich hinstammelt, dass sie ständig die Meldung bekommt, das Auto sei schon in BC registriert, wird Frau T. hellhörig. Na klar, wir haben das ja damals von Leuten gekauft, die es in BC angemeldet hatten. Ja, ach, wenn sie das doch nur vorher gewusst hätte, das hätte ihr so viel weitergeholfen und Arbeit erspart. Dann hätte sie doch kein neues Profil anlegen müssen. Mittlerweile sind 75 Minuten vergangen und alles geht noch einmal auf Anfang. Bernadette hackt weiter auf ihrer Tastatur herum, aber dann stimmt schon wieder etwas nicht, denn das Auto war doch noch gar nicht beim Out-of-Province-Check! Verzweifelt versucht Frau T. ihr verständlich zu machen, dass sie ihr doch genau dies am Anfang schon mitgeteilt hat. Echt? Bernadette schüttelt die wirren Haare. Und wieder ruft sie bei ICBC an und bespricht sich mit den Kollegen. Uns wird in der Zwischenzeit zum dritten Mal Kaffee und Wasser angeboten. Dann legt sie den Hörer auf, dreht sich zu uns und sagt, dass das alles nicht so geht, wie wir das wollen. Frau T. hätte doch behauptet, dass die Käufer das Auto schon versichern könnten, das ist aber nicht möglich. Was? Frau T. fällt aus allen Wolken und beteuert Bernadette, dass sie wochenlang mit Vince (der hat sie doch wohl nicht belogen und betrogen?) im E-Mailverkehr stand und der ihr das Prozedere genau so bestätigt hat. Das möchte Bernadette nicht glauben. Wir tragen aber den E-Mailverkehr auf dem Handy mit uns herum, sollen wir ihr den zeigen? Nein, wir sollen ihr die Mail weiterleiten. Können wir dann bitte das Wlanpasswort erfahren oder einen der Computer nutzen, um uns ins Web.de-Postfach einzuloggen? Wir haben hier in Kanada kein Datenpaket fürs Handy. Nein, das ginge nicht, sie könnten keine privaten Mails öffnen im Büro..., als ob in Kanada web.de gesperrt sei. Mr. T. kommt dann auf die glorreiche Idee, wir könnten einfach einen McDonalds oder Starbucks in der Nähe aufsuchen, die haben doch immer kostenfreies Wlan. Ja, das wäre eine Möglichkeit, Bernadette zeigt quer über die Straße auf ein goldenes M. Frau T. nimmt Beine und Handy in die Hand und hechtet rüber...aber das Internet funzt net. Schnell wieder raus, kurz mal nach links und rechts geschaut, gibt es hier vielleicht noch Starbucks, Tim Hortons, Burger King, anything? Fehlanzeige. Frau T. eilt zurück ins Versicherungsbüro, mittlerweile schon leicht verzweifelt. DAS AUTO MUSS HEUTE WEG UND DIE KÄUFER SOLLEN NICHT ABSPRINGEN! Bernadette verweist doch noch auf einen nahen Starbucks, Frau T. rennt wieder raus und findet den Laden. Internet klappt, E-Mail wird verschickt, Frau T. ist Sekunden später zurück. Die E-Mail liegt schon ausgedruckt da, aber so wie wir es erzählt haben, würde es trotzdem nicht stimmen.

5*-Suite
Bernadettes Vorgesetzter winkt Frau T. zu seinem Arbeitsplatz und erklärt, dass das alles nicht so geht, denn F. und C. könnten das Auto noch nicht registrieren (HAB ICH DOCH NIE BEHAUPTET, DU BLÖDMANN!) und versichern auch nicht. Man könnte lediglich eine temporäre Versicherung für die Tage ausstellen, die das Auto in der Werkstatt ist (GENAU DAS WOLLEN WIR DOCH!) und wenn den Käufern dann die Reparaturkosten zu hoch sind und sie das Auto doch nicht mehr wollen, dass es dann trotzdem weiterhin auf uns läuft (NICHT SO LAUT, DU IDIOT!). Jajaja, ist alles klar. Bitte bitte, können wir jetzt gehen? Frau T. hat ja nach diversen amerikanischen Grenzüberfahrten gelernt, einfach mal die Klappe zu halten und bemüht sich auch jetzt um Contenance. Bernadette bereitet bereits alles für die TEMPORÄRE Versicherung vor, kassiert unser Nummernschild ein und händigt den Neubesitzern vorübergehende Kennzeichen aus. Geht doch! Wieso nicht gleich so? Wir verlassen das Büro, shaken noch mal hands, wünschen allzeit gute Fahrt und C. versichert, dass sie sich noch mal melden, wenn alles erledigt ist. Sie fahren jetzt umgehend zur Werkstatt. Ein letzter wehmütiger Blick auf unseren guten Freund, der am Horizont immer kleiner wird und Familie T. steigt in den Bus. Mr. T. feiert, wir sind um ein paarhundert Euro reicher. Frau T. steht die Angst ins Gesicht geschrieben. Was, wenn die Reparaturen wirklich zu umfangreich sein sollten? Das Auto fährt einwandfrei, aber was, wenn die Airbagsache ins Uferlose ausartet? Was, wenn F. und C. dann sagen, sie wollen das Auto doch nicht? Rein rechtlich würde es dann immer noch uns gehören und wir müssten uns drum kümmern! Wird schon alles gut gehen, besänftigt Mr. T. Wir kümmern uns erstmal um unsere Pflichten, schicken das Abmeldeformular an die Nova Scotia Zulassungsstelle und informieren unsere Versicherung, dass das Auto nicht länger auf uns läuft und bitten um eine Rückerstattung der nicht in Anspruch genommenen Versicherungsmonate. Wir fliegen nach Florida und relaxen, naja, bis auf Frau T., die sich immer noch Gedanken macht. Es vergeht Tag um Tag und keine Nachricht von den Käufern. So langsam müsste die Mühle doch fertig sein. Endlich, nach 7 schier endlosen Tagen erreicht uns die Meldung, dass das Auto nun komplett auf F. und C. läuft, dass alles okay sei, bis auf die Tatsache, dass ihre Rucksäcke auf dem Werkstattparkplatz aus dem Auto geklaut worden sind. Das tut uns zwar aufrichtig leid, schmälert jedoch keineswegs unsere, insbesondere Frau T.'s, Erleichterung. Juchhu, Mission Autoverkauf accomplished! Unsere Freude steigt ins Unermessliche, als wir zurück nach Vancouver kommen und in unserem Briefschlitz ein Schreiben inklusive Scheck unserer Autoversicherung finden. Bekommt man in Deutschland lediglich die nicht genutzten und bereits gezahlten Versicherungsmonate erstattet, so berechnet sich hier die Erstattung wohl zusätzlich noch aus der Tatsache, ob man die Versicherung überhaupt in Anspruch genommen hat (nein, haben wir nicht), denn die Rückzahlung ist saftig und wir träumen bereits von einem Leben in Champagner und Kaviar. Doch wir sind halt auch nach 11 Monaten im wilden Kanada noch Reisende mit deutschen Tugenden und so lässt es sich Frau T. nicht nehmen, kurz noch mal bei der Versicherung nachzuhaken, ob das alles so seine Richtigkeit hat. You can take us out of Germany, but you can't take Germany out of us!

TransCanada Highway - starke Leistung!


Der Scheck, dessen Höhe im Übrigen und selbstverständlich völlig gerechtfertigt war, ist schon längst eingezahlt und wir werden demnächst mal auf F. und C., Vince und Bernadette anstoßen - und natürlich auf unser geliebtes Auto!