Mittwoch, 31. Dezember 2014

Vancouver Christmas Market - aus der Sicht von Mr. T.



Es begab sich aber zu der Zeit, …ups… Weihnachten ist ja nun tatsächlich schon vorbei. Nachdem die gute Frau T. den Vancouver Christmas Market – a German Tradition - ja bereits aus ihrer Stickerei-umhüllten Sicht dargestellt hat, fehlt nun noch meine Ergänzung aus der Perspektive des staatlich anerkannten Glühwein-Fachverkäufers.

Es fing schon mal ganz gut an: Nachdem ich mich unter der Sonne Floridas, nach der obligatorischen Phase längeren Aufschiebens, endlich mal dazu aufraffen konnte, per Onlineschulung mein „Serving It Right“-Zertifikat zu erlangen, hätte mir schon dräuen können, dass die ganze Sache am Ende tatsächlich in Arbeit ausarten könnte. Das zitierte Zertifikat benötigt man in Kanada, um im gastronomischen Bereich Alkoholika an Menschen ausschenken zu dürfen und die dorthin führende Schulung lehrt einem umfassend ALLES rund um das Kernthema: Gib keinem „offensichtlich“ alkoholisierten Menschen noch mehr Alkohol und ist dieser sogar schon richtig Hacke, verweise ihn deiner Lokation und stelle zudem sicher, dass er heil nachhause kommt. Ansonsten hast du ein rechtliches Problem und haftest für alle entstehenden Folgeschäden mindestens mit. Das klingt ziemlich drastisch, ist es im Ernstfall auch und deshalb begibt man sich dann doch etwas kleinlaut in die Schulung und kommt (zumindest nicht sofort) auf die Idee, sich den Abschlusstest einfach zu „ermogeln“. Im Endeffekt saß ich geschlagene zweieinhalb Stunden vor dem Bildschirm und nehme daher alles zurück, was ich je über die vermeintlich maximal nervtötenden Datenschutz- bzw. Arbeitssicherheitsschulungen meines alten Arbeitgebers unflätig ausgestoßen habe. Letztendlich konnte ich die Geschichte aber erfolgreich abschließen und durfte quasi zum Dank für das neuerworbene Fachwissen gleich nochmal $35,- an die Provinz British Columbia abdrücken. Thank you!


Die erste Hürde war somit genommen und ich nun fast schon „ready for the market“. Nachdem Frau T. und ich kurz nach unserer Ankunft in Vancouver dann noch ein paar Dokumente im Büro des Marktes abgegeben und auch unseren Vertrag final unterzeichnet hatten, konnte es schon ein paar Tage später losgehen. Montag vor Marktöffnung war für das „Mulled Wine“-Team eine zweistündige Trainingssession angesetzt, dort lernte ich dann meine sieben Kolleginnen kennen (da fühlte ich mich doch gleich in Ausbildungszeiten zurückversetzt) sowie unseren noch sehr jungen „Manager“ P. Die Schulung verlief eher improvisiert, unsere eigentliche Hütte war noch nicht in Funktion und so gab es lediglich einen kurzen Abriss bezüglich unseres Kassensystems, sowie ein halbherzig initiiertes Rollenspiel mit einem angetrunkenen Gast, welches aus allgemeiner Peinlichkeit aber eher im Sande verlief. Naja, so diffizil konnte ja das Aufgabenfeld nicht sein und ich bin ohnehin eher ein Freund des learning by doing. Mittwoch und Donnerstag waren Aufbau- und Dekotage, zudem nahmen P. und ich die Weinlieferung entgegen und verstauten diese mit dem lustigen Weinlieferantenmenschen in der Tiefgarage unter dem Marktgelände. Die Mädels aus dem Team teilten sich halb in englischsprachige und halb deutschsprachige Herkunft auf und die Chemie unter uns war von Anfang an super, Kollegen also schon mal top. Auch P. schien während des Aufbaus noch recht souverän, geriet dann im weiteren Marktverlauf aber zusehends ins Schlingern. Am Eröffnungssamstag war gleich mal sehr schönes Wetter (sollte bis Weihnachten eher eine Ausnahme sein) und so nahm das Geschäft direkt richtig Fahrt auf. Ich hatte meinen Einsatz an diesem Tag in der kleinen Hütte, es gab nämlich deren zwei: eben jene Kleine in einer Ecke des (nicht sehr großen) Marktgeländes, mit nur einem Tresen, sowie die große Hütte die als klassische Biergondel konzipiert war und mitten im Geschehen stand. Unser Angebot umfasste vier Getränke: einen nichtalkoholischen Apple-Cider (also heißer Apfelsaft) sowie unsere drei Glühweine „Traditional“, „Apple“ und „Cherry“. Die Produktpalette war also recht übersichtlich, barg aber zwei, für den durchschnittlichen kanadischen Endkunden, sehr fiese Tücken. Die erste: welche Sorte verbirgt sich hinter „Traditional“?, war noch recht schnell erklärt und konnte schließlich spätestens nach dem 175.000sten Male überzeugend flüssig vorgetragen werden: „It’s hot red wine, spiced up with mainly cinammon and cloves and, unfortunately, a lot of sugar.“ Nach Belieben durfte dann noch erklärt werden, dass man ihn nicht kocht, des Alkohols wegen, man auch gerne weitere Gewürze ergänzen kann und – ganz wichtig – dies das Original ist, der „real stuff“, what ze Germans halt so trinken im Winter. Der zweite Punkt war eine wesentlich gemeinere Falle: nach guter deutscher Sitte wurde Tassenpfand erhoben (4$), im Englischen als „mug-deposit“ bezeichnet. Das war dann einfach zu viel für die Kundschaft. Schon nach wenigen Tagen konnte man während des Bezahlvorgangs an den Blicken der Leute ablesen, dass sie nicht mehr mitkamen. Wieso 10 Dollar? Der Wein kostet doch nur 6! Einen kleinen Teil konnte man schnell damit beruhigen, dass die zusätzlichen 4 Dollar das „mug-deposit“ war, der Großteil gab sich damit aber nicht zufrieden und bedurfte einer ausführlichen Erklärung. Sollten, konnten, mussten oder durften sie die Tasse wieder zurückgeben? Und konnten sie sie auch einfach behalten? Aber was würde das denn dann kosten? Zu aller Kundschaft Überdruss war dann der „mug-return“, also der Ort wo man sich das Pfand wiederholen konnte, auch noch an einer separaten Station und darüber hinaus, aus Sicht der kleinen Glühweinhütte, am komplett entgegengesetzten Ende des Marktes. Oh boy, hier war aus Verkäufersicht viel Geduld und Empathie vonnöten und so manche Kollegin reagierte im Verlaufe des Marktes zunehmend allergisch auf den „mug-deposit“. 



Für unseren Schichtplan gab es, quasi Weihnachstmarkt 2.0, eine App. An sich eine super Sache, so hatte ohne große Bürokratie jeder schnell und flexibel Zugriff auf seine Einsatzdaten und die der Kollegen. Leider schaffte es P. trotz dessen nicht, die Schichten halbwegs gleichmäßig zu verteilen, so dass es schon nach den ersten beiden Wochen eine Differenz von fast 40 Stunden zwischen Spitzenreiter und Schlusslicht gab. Da wir ohnehin etwas „overstaffed“ waren und somit jeder nur auf etwas über dreißig Wochenstunden, statt der vertraglich vereinbarten vierzig, kam, ein umso heikleres Thema. Leider bekam er es auch mit erst noch gutem und dann förmlicherem Zureden nicht auf die Reihe, so dass es letzten Endes der Markt selbst regeln musste. Eine Kollegin kündigte ziemlich frühzeitig, das Geschäft nahm an Fahrt auf und somit durfte dann jeder ordentlich ran. Trotzdem ein vermeidbares Problem. Damit verbunden gab es auch einige Unklarheiten mit unserer Zeiterfassung, sowie eine etwas undurchsichtige Gehaltsabrechnung, so dass mir vor Augen geführt wurde, dass auch eine zeitlich befristete Anstellung und vermeintlich übersichtliche Organisation für einigen Verdruss auf Arbeitnehmerseite sorgen kann. An dieser Stelle bin ich umso froher über unser Motto wenig work und VIEL TRAVEL. Manager P. machte sich auch darüber hinaus wenig Freunde in der Belegschaft sowie auf dem Markt generell, aber dazu will ich möglichst wenig Worte verschwenden und lieber bemerken, dass es unseren Zusammenhalt im Team eher noch gestärkt hat.
Einer weiteren Herausforderung sahen wir uns mit unserer Ausstattung und Infrastruktur ausgesetzt. Insbesondere die große Hütte war abenteuerlich verbaut und verkabelt und hätte keinerlei deutschen TÜV-Prüfung standgehalten und die Weinkocher waren durch mehrjährigen Dauergebrauch auch längst über den Zenit. So kam es öfter mal zu kurzen Strom- und damit auch Kassenausfällen, hin- und wieder riss ein Zapfhahn ab und Hütte sowie Mitarbeiter wurden mit Glühwein geflutet und als Höhepunkt brach eines Abends ein kompletter Innentresen mitsamt Weinkocher in sich zusammen. Dass all dies ohne größere Verletzungen von statten ging, war wohl das Glück von uns Tüchtigen. Wenigstens kann ich jetzt jedem versichern: wenn es nicht gerade ein weißes Hemd ist, lässt sich Rotwein spielend und rückstandsfrei aus den Klamotten waschen!



Ein herkömmlicher Arbeitstag in der großen Hütte lief folgendermaßen ab: Eine Person eröffnete morgens um halb elf, die Aufgaben waren hier primär die Hütte „aufzumachen“ und den Wein anzuheizen. Dass Auffüllen hatte im günstigen Fall noch die Abendschicht übernommen, ansonsten war auch das Teil der morgendlichen Routine. Anschließend stiefelte man ins Büro zu den lieben Accountingkollegen (endlich normale Leute!) und holte sich seine Cashfloat ab, also das Wechselgeld um die Kasse zu eröffnen. Das Mittagsgeschäft war i.d.R. durch eine Person händelbar, gegen ein Uhr traf dann an starken Tagen die Verstärkung ein, und eröffnete die zweite Kasse. An schwachen Tagen erst zum "Schichtwechsel" um 15.30 Uhr wobei die erste Person dann blieb. Wenn es richtig „busy“ war, kam dann gegen fünf noch eine dritte Kraft und man wirbelte dann höchst geschmeidig auf engstem Raume durcheinander, übersprang elfenhaft leere Weinkanister und abgestellte Tassentabletts und versuchte der nicht enden wollenden Kundenschlange Herr zu werden. Zwischendrin immer mal wieder mit der herzlichen Erklärung was sich denn hinter dem „Traditional“-Glühwein verbirgt sowie dezenten Hinweisen auf das „mug-deposit“. Um 21.00 Uhr war dann closing, welches an gut besuchten Tagen jedoch in Richtung halb zehn ausgedehnt wurde. Anschließend musste dann Ordnung in das Hüttenchaos gebracht werden, die Tassen- und Weinbestände aufgefüllt und zum Abschluss der Hüttenboden mit ziemlich aggressiver Bleiche geschrubbt werden. Für die beiden Kassenverantwortlichen ging es dann wiederum zurück ins Accounting, wo im günstigsten (und selteneren Fall) die Kasse genau aufging oder man um den Betrag x „over“ oder auch „under“ war, was einem dann doofe Blicke des Managements eintrug, einen aufgrund der chaotischen Zustände in der Hütte aber überhaupt nicht verwunderte. Zuhause im Bett spürte man dann definitiv, das man was getan hatte und durfte sich mit dem vielleicht größten Vorzug des Jobs trösten: dem Trinkgeld. Ein weiterer Vorzug des Glühweinverkaufs war, dass man über ein wertvolles Gut in Bezug auf den Tausch mit anderen Ausstellern verfügte. Gerade angesichts der astronomischen Marktpreise (Bratwurst 9$, Crepes 10$) war dies ein Mittel, um dem Hungertod zu entkommen ohne sich in die Armut zu stürzen. An dieser Stelle nochmal ganz herzliche Grüße an die Nachbarn vom Waffelhaus, sowie deren famose Idee eine Waffel mit Bacon und Sour Cream anzubieten.
Trotz aller aufgeführten Widrigkeiten kann ich festhalten, dass die ganze Sache eine zwar ziemlich schlauchende, aber dennoch recht große Gaudi war. Die Kunden waren ganz im Gegensatz zur deutschen Heimat trotz „mug-deposit“ überwiegend völlig entspannt und immer für einen lustigen Spruch zu haben, was mir natürlich seeeehr leicht gefallen ist, und die Kolleginnen waren alle so gut drauf, dass man schon nach kurzer Zeit quasi mit Freunden gearbeitet hat. Ein netter Nebeneffekt war zudem, dass für weihnachtliches Heimweh überhaupt kein Platz blieb, da für uns die Adventszeit gerade nochmal doppelt so schnell vorbeigerauscht ist, wie es eigentlich daheim sowieso schon der Fall ist. Der Kollegenkreis brachte uns außerdem einen kleinen Besuch an Heiligabend sowie einen großen Besuch am ersten Feiertag ein. Bezogen auf Vancouver sind wir allerdings sehr froh, dass wir im Februar nochmal ein paar Wochen herkommen dürfen, denn für Sehenswürdigkeiten, Ausflüge oder Restaurantbesuche blieb so gut wie keinerlei Zeit.

Montag, 29. Dezember 2014

And the winner is...

Das Warten hat ein Ende - Ja, das Christkind in Form unserer lieben österreichischen Weihnachtsmarktkollegin M. war da und hat den glücklichen (und, wie wir finden, total verdienten) Gewinner bzw. die Gewinnerin per Los ermittelt. Es ist.......TROMMELWIRBEL.....eine liebe Exkollegin von Mr. T. namens B.L., die uns mit einem Paket voller Weihnachtsgoodies überrascht hat. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! Das kanadische Überraschungspaket wird in den nächsten Wochen auf den Weg nach Deutschland geschickt!
An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei allen Brieftäubchen ganz herzlich bedanken! Wir haben uns riesig über all die liebe Post und die vielen aufwändigen Überraschungen gefreut!




Freitag, 19. Dezember 2014

18.11.-18.12.: der siebte Monat

Sieben ganze Monate (+1 Tag) tingeln wir nun schon durch die Weltgeschichte (aka Kanada + USA). Wir haben Berge erklommen, Grizzlies bezwungen, Heimweh bekämpft, Sturm und Wind getrotzt...und ganz viel Spaß gehabt. 
Das Jahresende lädt ja gern zum emotionsgeladenen Rückblick ein - wir können einfach nur sagen: Auch nach 7 Monaten sind wir immer noch extremst glücklich mit der Entscheidung, mal 12 Monate lang alles hinter sich zu lassen. 
Total verrückt klang unsere Idee (insbesondere für Mr. T.) vor eineinhalb Jahren noch. Doch bereits jetzt können wir sagen: "Verrückt wäre es gewesen, es nicht zu machen!" Klingt nach komischem Deutsch - ist es auch.
Doch bevor Ihr nun ob dieses Pathos' Eure Taschentücher zückt - hier kommt unser nüchterner Monatsrückblick:

Übernachtungen
AirBnB: 89 (Wann bekommen wir da endlich mal Rabatt?)
workaway: 47
Ferienhaus: 13
Camping/Auto: 9
B&B: 8
Schiff: 7
Hotel: 7
Cabin: 6
Motel: 2
Couchsurfing: 1
Family&Friends: 25
Anderer Kram
Tankfüllungen: immer noch 37 - das Auto hält Winterschlaf und wird nur zum wöchentlichen Großeinkauf in den Großstadtdschungel ausgeführt. Ab dem 31.12. wird es aber noch auf eine 5-wöchige Belastungsprobe gestellt - es darf wieder gereist werden!

Gefahrene Kilometer: 16.389 + die km, die wir jeden Sonntag zum Einkaufen fahren (siehe oben)

Im Flugzeug zurückgelegte Kilometer (ohne den Hinflug nach Kanada): 11.301 (in dieser Sparte gibt es erst ab Februar wieder News - uiuiui - spannend)

Burger: erst kürzlich zuhause einen um 22:30 Uhr nach dem Arbeiten. Es geht nichts über eine ausgewogene Ernährung!

Glühwein auf die Schuhe gekippt: täglich mehrmals
Gefragt worden, ob die netten Stickwaren selbstgemacht, gehäkelt, Schiffchenarbeit, etc. sind: ICH KANN'S NICHT MEHR HÖREN!
Schlechte Chöre und Solisten gehört, die so etwas ähnliches wie Weihnachtslieder singen: ebenso täglich!

Auf unserer Landkarte hat sich nichts getan. Daher ersparen wir Euch diese und verwöhnen Eure Sinne mit einem typisch kanadischen Herbstbild.






Samstag, 13. Dezember 2014

Vancouver Christmas Market - aus der Sicht von Frau T.


Die liebe Adventszeit...ein Jeder hetzt von Weihnachtsfeier zu Weihnachtsfeier, schiebt sich in der Innenstadt durch die weihnachtsshoppenden Menschenmassen und viele stürzen sich gar in einen regelrechten Weihnachtsmarktmarathon, um bei einem (oder zwei oder...) Becherchen Glühwein respektive Feuerzangenbowle und wahlweise Currywurst/Backfisch/Raclettebrot/Saure Nierchen/Crepe/Waffeltüte (oder allem zusammen) von der stressigen Adventszeit zu entspannen. Das ist für uns Deutsche ganz normal, denn an jeder Ecke wartet auf uns ein Weihnachtsmarkt, über dessen Weihnachtsbaum es herzuziehen gilt. Was aber, wenn es gar keinen Weihnachtsmarkt gibt, über dessen überteuerte Maroni man sich aufregen kann? Genau aus diesem Grund (da bin ich mir ziemlich sicher) wurde vor 5 Jahren der Vancouver Christmas Market ins Leben gerufen, ein Weihnachtsmarkt nach deutschem Vorbild. Es gibt Kunsthandwerk zu erwerben und kulinarisch locken Kartoffelpuffer, Brezel, Haxe und Glühwein. Klar, dass Familie T. da mitmischen muss. Nach dem wir eine Absage für unseren Traumjob (Weihnachtsbaumschmücken im Fairmont Banff Springs Hotel) erhalten haben, war für uns also klar, dass wir uns in den Weihnachtsmarkt in Vancouver einzecken müssen. Gesagt, getan. Initiativbewerbung geschrieben, Skypeinterview geführt, Vertrag unterschrieben. Lief wie geschnitten Brot. Und jeder macht das, was er/sie am besten kann. Mr. T. schenkt Glühwein aus, Frau T. verkauft Plauener Spitze. In der Woche vor der Markteröffnung geht es zum Aufbau. Bereits dieser gibt einen Vorgeschmack auf das, was folgen wird. Doch die anfängliche Euphorie verbietet es einem, vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Zusammen mit ihrer neuen Kollegin J., ihres Zeichens britischer Abstammung, versucht Frau T. nach bestem Wissen und Gewissen das Hüttchen einzurichten. Aus Deutschland wurde per E-Mail eine Anleitung geschickt vom Hersteller der Deckchen (Frau T. wurde vom Weihnachtsmarktbüro angestellt, nicht vom Anbieter selbst, dieser schickt nur seine Ware nach Kanada zum Verkauf und das Orgabüro vom Markt regelt alles weitere...oder so ähnlich), doch uns wird schnell klar, dass wir hier ordentlich improvisieren müssen, denn viele der Utensilien, die in der Anleitung genannt werden, sind einfach nicht vorhanden. Auch das Organsiationsteam des Marktes kann uns unsere Fragen nur selten beantworten und so gehen wir nach dem Gutdünken-Prinzip vor. Nach drei Tagen haben wir es geschafft: unser Stand ist eingerichtet, die Tischdecken sind drapiert, Fensterbilder aufgehängt. Eigentlich sind wir ganz schön stolz auf uns und sicher, dass die Kasse (die wir uns samt Kreditkartengerät noch selbst irgendwie beibringen müssen) bald klingeln wird.


Meine Kollegin werde ich nicht mehr oft bzw. lange wiedersehen, denn zu zweit teilen wir uns die Schichten auf dem Markt, jeweils eine einen halben Tag, einen Tag pro Woche frei, da muss dann die andere halt mal 11 Stunden ausharren. Auf meine Frage hin, ob man denn auch mal eine Pause machen könne (frau hat ja eventuell mal ein Geschäft zu verrichten oder hat Hunger), wird lapidar geantwortet "ja, da müssen wir dann halt mal sehen, dass dich jemand kurz vertritt". Wie nett, natürlich werde ich auf dieses großzügige Angebot nicht mehr zurückkommen (wie soll ich jemandem sagen, dass ich mal muss, wenn ich die Hütte nicht verlassen kann und es gleichzeitig jedem egal ist, was wir in unserer Hütte treiben?). Glücklicherweise freundet sich Frau T. schnell mit der Italo-Kanadierin Rosanna vom Stand gegenüber an, die ab und zu mal ein Auge auf den bestickten Kram wirft. Nichts desto trotz "läuft" nicht alles so, wie es soll und dies beschert Frau T. gleich mal ihren ersten kanadischen Arztbesuch aufgrund einer akuten "urinate tract infection". Muss man ja auch mal erlebt haben, wie das so im Ausland abläuft. Aber ich schweife ab. Ja, der Weihnachtsmarkt. Schön, so ein bisschen Heimatgefühl zu haben. Hier zahlt man zwar stolze 7$ Eintritt und auch das Essen ist horrend teuer (da sind wir wieder beim typisch deutschen "über alles aufregen"), aber den ganzen Tag dudelt die Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern und mehr oder wenige gute Live-Acts tragen ihr übriges zur musikalischen Untermalung bei. Und nach drei Wochen hat man auch schon einen kleinen Weihnachtsmusikoverkill. Die Arbeit macht Spaß - Frau T. befindet sich in ihrem Flohmarktelement und freut sich über jedes Stückchen Tand, das den Weg in die Tasche der Kunden findet (natürlich nur nach vorheriger Bezahlung). Doch regnet es in Vancouver auch viel und an den Regentagen ist dann mittel bis gar nichts los, aber es ist ja auch kuschelig, sich das Heizöfchen anzustellen, das mitgebrachte Pausenbrot zu knabbern und in einem Buch zu blättern...und dafür noch bezahlt zu werden - großes Kino. Die Bezahlung liegt minimal über dem Mindestlohn in British Columbia, der sich auf $10.25 beläuft. Reich wird man damit aber nicht, doch zumindest ein bisschen Cash fließt wieder in die Reisekasse, mit der wir in den nächsten Monaten noch einiges vorhaben. Und Urlaubsgeld gibt es auch noch, das ist doch genau das richtige für uns! Gearbeitet werden ganz spießige 39,5 Stunden. Bereits nach wenigen Tagen könnte Frau T. auch zusätzlich noch als Hellseherin arbeiten, denn die Kunden sagen zu 90% immer das Selbe, wenn sie am Stand stehen: "Oh, how delicate!", "Did you make these all yourself?" (Klar, ich stehe auf einen Stundenlohn von 0,02 Cent), "Are these tatted?" (Keine Ahnung, was das heißt, aber äh, ich glaube net), "My Oma used to make these!" Überhaupt hat hier irgendwie jeder deutsche Vorfahren oder aber zumindest eine German "Oma". Verrückt, da stellt man sich vor, wie vor zig Jahren ganze Schiffe nur mit deutschen, stickenden Frauen hier angelegt haben, die alle das Land geflutet haben, um Kinder auf kanadischen Boden zu setzen, deren Kinder sich dann wiederum zig Jahre später auf dem Vancouver Christmas Market treffen, um festzustellen, dass alle ihre Omas früher das Gleiche gemacht haben. Was unsere Enkelkinder in 60 Jahren wohl über uns erzählen?



Am Ende einer jeden Schicht werden die Einnahmen in das Orgabüro, in der Speisekammer einer ehemaligen Großküche untergebracht, getragen. Dort findet der sogenannte "Cash-Out" statt. Ganz professionell, wird hier der Kassenbestand auf kleinen Papierzetteln (so wurde damals bei meiner Oma auch Buch geführt...) festgehalten. Natürlich kommt es hier nach einem langen Arbeitstag immer mal wieder zu Flüchtigkeitsfehlern und man sieht sich aufgrund einer 25$ hohen Kassendifferenz vor ein streng blickendes Tribunal gestellt, bis man dem "Accounting-Team" erklärt, dass die wieder mitgebrachte Münzrolle nicht mitgezählt wurde. Uff, noch mal Glück gehabt und ich muss keine Tassen spülen.
Der Weihnachtsmarkt lebt aber nicht nur von den Kunden mit ihrem Omas und dem Orgateam, nein, er lebt natürlich durch und mit den anderen Anbietern, hier nur "Vendors" genannt. Gleich am Anfang mache ich die Bekanntschaft des "Woodmans". Der Woodman, der sich selbst so nennt (verkauft Holzhandwerk aus Eigenproduktion), heißt bürgerlich eigentlich Manfred (sprich: Männfrett) und ist ein Vancouver Christmas Market - Urgestein. Ihn kennt hier jeder und jeder mag ihn auf seine eigene Art und Weise. Der Woodman sagt nämlich auch mal Bescheid, wenn ihm was nicht passt. Er ist kaum 2 Minuten auf dem Weihnachtsmarktgelände, da bestellt er schon jemanden an seinen Stand, der gefälligst den wackligen Tresen reparieren soll. Da er aber der Woodman ist, kennt sich selbstverständlich keiner besser mit Holzarbeiten aus als er und so kann man es ihm nur schwer recht machen. Der Woodman ist ein treuer Kunde bei allen Essensanbietern, insbesondere der Glühweinstand wird mehrmals am Tag von ihm frequentiert - er muss ja schließlich einen Qualitätscheck durchführen, wie er selbst so gerne sagt. Der Woodman stammt ursprünglich aus Hamburg und verkörpert den Alt-68er-St.Pauli-Fan. Er ist der Meinung, man müsse seine eigenen Regeln erstellen und so raucht er auch gerne mal ein Kippchen in seinem Holzbrettchenbüdchen, obwohl das Rauchen auf dem Marktgelände streng verboten ist. Aber keiner traut sich so richtig was zu sagen, er ist doch der Woodman.


Und so vergeht ein Weihnachtsmarkttag nach dem Anderen. Der letzte Öffnungstag ist der 24.12., an dem Frau T. auf jeden Fall bis 18:30 Uhr buckeln darf (Mr. T.'s Schichtplanung ist etwas kurzfristiger ausgerichtet, nix genaues weiß man net), bevor sie sich zuhause über das Raclettegerät hermacht. Der Weihnachtstag ist dann frei, ab dem 26.12. geht es wieder zur Sache und die Stickdeckchen werden eines nach dem anderen in große Kisten verstaut, damit sich nächstes Jahr eine neue wenig work, VIEL TRAVEL-lerin fragen lassen darf: "Did you make all these?". In diesem Sinne: weihnachtsmarktliche Grüße von Frau T. Mr. T's Eindrücke vom Weihnachtsmarktalltag folgen in Kürze.

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Gewinnspiel-Update Nr. 2

Advent, Advent, zwei Lichtlein brennen schon und heute ist der 10. Dezember. Aber wir wollen mal nicht so sein (eigentlich wäre heute Einsendeschluss für unser Gewinnspiel) und alle Postsendungen, die bis einschließlich Heiligabend bei uns ankommen, qualifizieren sich für unser Gewinnspiel. Also hop hop ein Kärtchen geschrieben, läppische 75 Cent draufgeklatscht und ab in den Briefkasten. Wir freuen uns!

Samstag, 6. Dezember 2014

Gewinnspiel-Update

Ein wunderschönes 2. Adventswochenende, Ihr Lieben!
Wir möchten die Gelegenheit ergreifen und uns bei Euch für die bereits eingegangen Postsendungen bedanken! Wir sind überwältigt und freuen uns jeden Tag aufs Neue, wenn was in der Postbox liegt. Vielen Dank also an Alle, die bereits am Gewinnspiel teilgenommen haben und für Alle, die es bisher aufgeschoben haben - husch husch - am Mittwoch, den 10. Dezember ist Einsendeschluss.



Hier zu Eurer Erinnerung noch einmal unsere Adresse:
Mr. T. und Frau T.
939 Homer Street
Suite 706
Vancouver, BC V6B 2W6
Canada

Ebenso berührt es uns, dass vielen von Euch unser etwas ernsterer Blogbeitrag so nahe gegangen ist. Wir können Euch aber versichern, dass wir uns pudelwohl fühlen und (fürs Erste) jeglicher Reiseblues abgeschüttelt wurde. Wir bzw. Frau T. planen schon wieder emsig die noch verbleibenden Reisemonate. Ihr müsst Euch keine Sorgen machen, wir sind nicht depressiv, wir wollten einfach auch mal die andere Seite der Medaille (die Bestandteil des Lebens ist) porträtieren.

Donnerstag, 27. November 2014

Der Urlaub ist zuende!


Nach unserem über dreiwöchigen „Heimaturlaub“ unter der Sonne Floridas, beginnt dann wieder der Ernst des Travellerlebens, welcher uns vom äußersten amerikanischen Südosten in den äußersten amerikanischen Nordwesten führen soll (note to myklugscheißerself: Ok, Alaska zählt jetzt mal nicht). Praktischerweise treten wir diesen Trip mit dem Flugzeug an, denn für ‘nen Roadtrip ist‘s uns einfach nicht weit genug. Unter Berücksichtigung unseres Budgets (oder liegt es einfach nur am Flugplan?) müssen wir die Reise allerdings über Detroit antreten, wo dann die Transitzeit zwischen den Fliegern mit 35 Minuten nur sehr knapp bemessen ist. Dies bereitet Frau T. im Vorhinein zwar ein paar Bauchschmerzen, aber eigentlich nimmt sie es schon ganz schön locker kanadisch. Dennoch planen wir dann wiederum ganz urdeutsch, beim Umstieg keinerlei Zeit zu verlieren und maximal effizient vorzugehen. Der Flug von Orlando nach Detroit ist nicht viel mehr als ein Katzensprung und verläuft ganz sanft, etwas stutzig macht uns nur das Pärchen mit Kleinkind neben uns, da SIE es sich auch während des Landeanflugs mit dem Kleinen ganz kuschlig macht und quer über die Dreierreihe entspannt abhängt. Sobald die Maschine am Gate andockt und die Reihen vor uns den Flieger verlassen, gehen wir auch schon in leichten Trab über, da der Weiterflug ungünstiger Weise vom anderen Ende des Terminals abgeht. Aus leichtem Trab wird moderater Galopp, bis die Lunge brennt und die Beine etwas weich werden. Natürlich haben wir es aber noch “in time“ geschafft und können problemlos boarden. Wir sitzen bereits zehn Minuten und so langsam müssten die Türen schließen, da sehen wir wie die Landeanflugsfamilie locker mit Kind, Kegel und Starbucksbechern den Gang entlanggeschlurft kommt. Uns wird also direkt wieder eine „hang loose“-Lektion erteilt, auch wenn einem das mit dem Lockerbleiben nicht immer so leicht fällt, wie sich im Tagesverlauf noch zeigen wird. Der Flug von Detroit nach Seattle verläuft aber auch wieder reibungslos und wird uns durch die kleine Sophie, 11 Monate, versüßt, die mit ihrer Mama neben uns sitzt und uns mit ihrer Zuckerschnute bespaßt. Oder verläuft es andersrum? Das Gröbste ist nun also geschafft und jetzt heißt es nur noch Koffer schnappen, Auto abholen und auf zum Übernachtungsstopp. Leider hakt es dann aber schon beim ersten Schritt. Das Gepäckband dreht seine Runden, entledigt sich bald all seiner Last und stoppt dann irgendwann. Unsere Koffer hat es aber leider nicht gebracht. Mist, müssen wir wohl bei dem Deltaschalter reklamieren. Nun wäre es der Sache sehr zuträglich, Mr. T. hätte seinen Gepäckschein aufbewahrt. Ist aber leider nicht der Fall, denn wie hätte man(n) auch ahnen können, dass man dieses Ding wirklich mal braucht. Frau T. reagiert very not amused und unsere Größenverhältnisse ändern sich für den Augenblick drastisch. Die Frau am Deltaschalter sieht das aber ganz entspannt und findet unser Gepäck auch so, dass es allerdings vorerst in Detroit geblieben ist, scheint für sie das normalste der Welt zu sein. Mit dem nächsten Flieger sollte es dann aber klappen, ausliefern können Sie das Gepäck bis dorthin wo wir übernachten nicht, wir sollen dann doch einfach ab 19.30 Uhr nochmal vorbeischauen. Wenn‘s weiter nichts ist… Wir machen also aus der Not eine Tugend, müssen ja eh erstmal zu unserem Auto kommen und unsere Reiseroute Richtung Norden führt uns dann glücklicherweise ohnehin wieder am Airport vorbei. Nun folgt der nächste Stolperstein: Die Visitenkarte unseres Shuttleservice (Teil unserer ParkSleepFly-Combo) weist uns an, telefonisch das Shuttle zu ordern und dann vor dem ABFLUGS-Bereich zu warten.  Auch die unmotivierte Dame am Telefon lässt uns in diesem Glauben, in zehn Minuten sei der Fahrer da. Nach einer knappen Stunde und dem mittlerweile dritten Reklamationsanruf stellt sich dann jedoch schon heraus, dass der Pickup im ANKUNFTS-Bereich erfolgt. Haben also wohl schon gefühlt 27 Fahrer umsonst auf uns gewartet, während wir eine Fahrspur oberhalb standen wie die Eisheiligen, der Temperaturunterschied Florida – Washington beträgt läppische 26 Grad. Eigentlich wird es langsam fast amüsant. Glücklicherweise stellt sich dann wenigstens der Taxifahrer als fahrtauglich, ortskundig und englischsprachig heraus, so dass wir es endlich zum Parkplatz unseres guten, alten Reisebegleiters schaffen. Unsere treue Seele von Automobil erweist sich dann auch wieder als verlässliche Konstante unseres so unsteten Daseins und schnurrt nach 4 Wochen Stillstand wie ein Kätzchen. Da wir bis zur Gepäckankunft noch ein wenig Zeit haben, schippern wir erst zur unvermeidlichen Fastfoodbude (wie immer verlaufen Ernährungsbewusstsein und Erschöpfung genau entgegengesetzt), anschließend zum Flughafen, liebkosen unsere Koffer und weiter geht’s nach Arlington eine Stunde nördlich von Seattle, unser Hort für die Nacht. Für einen sehr vernünftigen Preis (Amerika ist einfach so much cheaper als unsere Wahlheimat)  nächtigen wir im Hotel und kaufen uns am nächsten Morgen auf Empfehlung von Rollie aus Nimpo Lake bei Discount Tire zwei neue Schlappen für hinten. Die ganze Transaktion verläuft sensationell günstig, schnell und kundenfreundlich, hat er also echt gut empfohlen, der Rollie. Uns reicht‘s jetzt aber mit der Reiserei schon wieder und so sind wir froh am frühen Nachmittag in Vancouver einzulaufen, unserer Heimat bis zum Jahresende. Die Einreise nach CAN verläuft wieder ganz geschmeidig, wir vergessen zwar zuerst unseren Reifenkauf anzugeben, dem aufmerksamen Grenzbeamten entgeht dies allerdings nicht. Stellt aber keinerlei Problem dar und als wir ihm von unserer Beschäftigung auf dem Weihnachtsmarkt erzählen, wird unser Verhältnis fast schon freundschaftlich. In Vancouver haben wir uns per AirBnB sehr gediegen mitten in der Stadt in Yaletown eingemietet. Das kommt uns zwar überhaupt nicht günstig, unter Abwägung der Pro’s und Kontra’s finden wir aber, dass es die beste Lösung ist. Wir residieren ganz nordamerikanisch-urban in einem Appartementhochhaus mit Zugangscode, Pförtner, Pool und Fitnessraum, haben eine kleine, aber recht feine, Wohnung und das Auto passt auch in die Tiefgarage, ist sogar locker noch 1cm Platz bis zur Decke. Hätten wir ja nochmal aufstocken können… In den nächsten Wochen wird nun wie die geneigte Leserschaft weiß und oben geschrieben so richtig malocht; festangestellt, Vollzeit, mit allem Pipapo auf dem Vancouver Christmas Market nach Art eines Deutschen Weihnachtsmarkts. Mit anderen Worten, wir verdienen Geld! Mehr hierzu dann im nächsten Beitrag, bis dahin erfreuen wir uns sehr an der – wie allseits bekannt - extrem lebenswerten Stadt Vancouver, BC. An dieser Stelle verweise ich gerne nochmal auf unser Weihnachtspostgewinnspiel.