Montag, 30. Juni 2014

Ottawa - das Berlin Kanadas....

...nun ja, nicht ganz. Aber dennoch sehr liebenswert!

Während unseres Arbeitseinsatzes in Winchester fahren wir ein paar Mal nach Ottawa. Der erste Trip führt uns zum Bayshore Shopping Centre im Vorort Nepean. Eigentlich ein ganz normales Einkaufszentrum, wenn da nicht das Parkhaus wäre, denn dieses bringt uns ganz schön ins Schwitzen. 
Wie man ja auf den Fotos von unserem wunderschönen Auto sehen kann, ziert eine Box das Dach. Dadurch ist das Auto etwas höher als normale Autos....und Ihr ahnt nun sicher schon was kommt..... Das Navi leitet uns zuverlässig zur Mall und bei der Einfahrt in den Parkbereich sehen wir das Schild, das darauf hinweist, dass nur Autos bis zu einer Höhe von 2,05m zugelassen sind aufgrund niedriger Decken. Hhhmm, wie hoch ist unser Auto nochmal? Es will uns nicht einfallen und außerdem haben wir auch keine Möglichkeit mehr zu wenden, denn die Gegenfahrbahn ist durch eine Mauer von uns getrennt. Wir fahren also langsam und vorsichtig die Rampe zum Dach des Parkhauses hoch und streifen "leicht" das Begrenzungsschild, welches eben in 2,05m Höhe hängt. Okay, parken, wir haben es geschafft. Doch wie kommen wir hier wieder weg? Die Ausfahrt führt mitten durch das Parkhaus mit abgehängten Decken. Und was dann nach dem Shopping folgt, fällt mal wieder unter die Kategorie "Ehepaar T. in seinem Element - ein Bild für die Götter". Mr. T. steuert die Karre, Frau T. läuft neben dem Auto her und warnt einfühlsam und völlig rational vor jeder niedrigen Decke. Ungefähr so: "Uhhh, ahhh, voooooorsichtig! Langsam, langsam, okay, kannst, kannst, kannst, STOOOOOOPP!" Wir schaffen es tatsächlich einigermaßen unbeschadet aus dem Parkhaus raus, von den leichten Kratzern an der Dachbox und an der Parkhausdecke mal abgesehen. Wir wissen immer noch nicht die genaue Höhe unseres Autos, aber es muss höher als 2,05m sein, so viel steht fest.

Nun aber zur Stadt Ottawa. Ottawa ist die Hauptstadt Kanadas und das Parlament bildet auch das Herzstück der Stadt, thront es doch auf dem sogenannten Parliament Hill und ist somit schon von weitem zu erkennen. 


Im Regierungsviertel erinnert Ottawa tatsächlich ein bisschen an Berlin und multikulti ist es, wie alle kanadischen Großstädte, die wir auf unserer Reise besucht haben, auch. Aber es ist im Gegensatz zu unserer Hauptstadt gemütlich klein und übersichtlich. Alles Sehenswerte ist innerhalb weniger Minuten zu Fuß zu erreichen. Im Parlament werden kostenlose Führungen angeboten. Diese Gelegenheit lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Unsere Guide (Führerin klingt irgendwie nicht korrekt) heißt Julie. Sie führt uns extrem kurzweilig und humorvoll durch die heiligen Hallen, zumindest durch die Bereiche, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Besonders eindrucksvoll ist die Bibliothek, die die Parlamentarier nutzen können, um sich auf Ihre Verhandlungen vorzubereiten. Bei einem Brand im Jahre 1916 ist das Parlament abgebrannt, mit Ausnahme der Bibliothek, die erhalten geblieben und wirklich wunderschön ist.



Nach der Führung haben wir die Möglichkeit, in den Glockenturm hinaufzufahren, wo wir eine beeindruckende Sicht über Ottawa, seine Umgebung und sogar bis Quebec (okay, es liegt direkt hinter dem Ottawa River) haben. 



Anschließend laufen wir über den Rideau Canal zur Cathédrale Notre-Dame d'Ottawa, in der es herrlich ruhig ist und die über mehrere Ebenen verfügt. Es gibt schöne Marmorsäulen, eine blau-goldene Sternchendecke und viele kleine liebenswerte Details. 


Nachdem wir auch diesen Programmpunkt abgehakt haben, versorgen wir uns im nahe gelegenen Byward Market mit monströs anmutenden Mohn- und Schokoschnecken und folgen einer Empfehlung meiner Mutter, indem wir eine geführte Rundfahrt auf dem Rideau Canal unternehmen. Der Rideau Canal ist eine künstlich angelegte Wasserstraße, die zum geheimen und somit geschützten Transport aller möglichen Güter genutzt wurde. Wir gleiten auf der idyllischen Wasserstraße entlang, lauschen den bemüht lustigen Kommentaren der Maus am Mikrofon und genießen einfach nur die Zeit.


Zeit für ein bisschen Kultur. Die beeindruckende National Gallery of Canada hat ihren Sitz in Ottawa und bietet Donnerstag abends freien Eintritt in die Sonderausstellung. Wir sind ein Jahr unterwegs und wollen nicht verhungern - irgendwo muss man also sparen, n'est-ce pas? Das Museum ist nicht nur architektonisch sehr ansprechend (es gibt zum Beispiel mehrere begrünte und bewässerte Innenhöfe), sondern bietet auch eine umfangreiche Kunstsammlung mehrerer Epochen. 


Hier kann man sich problemlos stundenlang aufhalten, wenn dann nicht der kleine Hunger um die Ecke kommen würde...

...Zum Glück ist in Ottawa gerade Ribfest und in der touristischen Sparks Street reiht sich ein Grillstand an den nächsten. 



 Mit einem aromatischen Lüftchen im Näschen verabschieden wir uns von Ottawa, um bereit zu sein für neue Abenteuer.

Freitag, 27. Juni 2014

Auswärtsspiel oder WM von woanders

Nicht lange, nachdem der eheliche Rat das „Kanadading“ beschlossen hatte, schoss mir durch den Kopf, dass 2014 ja ein WM-Jahr ist. Dieser Vier-Jahres-Rhythmus hatte bis dato immer immensen Einfluss auf unser Leben, sei es bei profanen Dingen wie der Urlaubsplanung oder auch existenzielleren wie den Zeitpunkt der Eheschließung. Was also nun? In meinem Kopf erspann sich in Kurzfassung ungefähr folgender Monolog: „Ach komm Junge, das findet doch wirklich alle vier Jahre statt. Und wenn es gut läuft, machst du da noch einige Turniere mit. Also kein Drama!“ Zudem war meine Erwartungshaltung in Bezug auf das deutsche Abschneiden irgendwie im Vorfeld sowieso recht bescheiden und das ganze weichgespülte DFB-/Jogi-Löw-Ding ist auch nicht so mein Fall. Und ein paar Monate hin war es ja auch noch. Also doch alles ganz undramatisch.

Bis so ein Turnier dann wirklich vor der Tür steht...

Schon ätzend diese Verletzung von Marco Reus, und sehr unterhaltsam, sich mit dem mexikanischen Host - natürlich Fanatiker - in Quebec auf fachlicher Ebene auszutauschen, und dann diese verlockend funkelnden WM-Sonderhefte in der Ottawaer Buchhandlung. Und meine SPOX-App kannte schnell auch nur noch mehr oder weniger ein Thema.

Ehe ich mich also versah, war ich dann doch wieder voll im Bann des „beautiful game“.

Jetzt gingen die Sorgen aber erst richtig los. Wer mich kennt, der weiß, dass es jetzt bei der Planung etwas pedantisch werden konnte. Wie ist der genaue Spielplan, wann, wer, wo, gegen wen, wieviel Uhr, welcher Tag und vor allem WO wird‘s übertragen, wird es doch, oder…!? Hektisches Googlen, TV-Sender Kanada, blickt keine Sau durch, diese Amis (fast)…
Ah, auf CBC. Jedes Spiel?! Goil. Was, öffentlich-rechtlicher Sender? I wer narrisch! Sensationell. Die absolute Ur-Angst also schon mal genommen. Zusätzlich das Wissen im Back-up, dass ARD und ZDF alles live streamen. Stark, mögen die Spiele also beginnen!

Dann, wie immer im Sport, die Nackenschläge. Waaas, der Livestream funktioniert nicht im Ausland? Are you kidding me?? Wie, der SAT-Receiver in unserem workawayer-Aufenthaltsraum funktioniert nicht? I go totally nuts!!

Okay, Ruhe bewahren, runteratmen. Jetzt heißt es erstmal dem Arbeitgeber klar zu machen, was so ein World Cup für einen Deutschen überhaupt bedeutet. Verständnisvolle Blicke der Chefin „Oh, the one in Brazil?“ – Rischtiiiisch! Aber hat sie es wirklich geschnackelt?

Ab jetzt gilts jedenfalls. Erstens, die Arbeitszeiten an den Spielplan anzupassen, was glücklicherweise hervorragend passt (Lunchbreak 12.00 Uhr Spiel – Feierabend 15.00 Uhr Spiel – Richtung Abendessen 18:00 Uhr Spiel) und zweitens, die schwierigere Übung, passend dazu jeweils den Familienfernseher zu okkupieren. Mittags kein Problem, dann im Tagesverlauf schwieriger werdend (sorry Kids, it’s the Germans and it’s World-Cup).

Wir grooven uns hier also ganz gut ein und wirklich JEDES Spiel muss dann auch nicht geguckt werden, man wird halt mit dem Alter einfach auch souverän. An unseren freien Tagen finden einige Knaller statt, so schauen wir das Eröffnungsspiel in einer Sportsbar im von Brasilianern schier „verseuchten“ Ottawa (leider mit dem falschen Ende für meine kroatischen Freunde), Italien vs. England in einem Pub in Kingston (Luft, Sicht und Wartezeit auf die Nachos nur ausreichend bis mangelhaft) sowie Deutschland vs. Ghana wieder in unserer Stammbar in Ottawa (diesma anne Theke). Das Ding ist also hier echt präsent. Im Verlaufe der Vorrunde bestellt dann unsere Chefin sogar ‘nen neuen SAT-Receiver, und meine liebe Frau T. telefoniert dann sogar mit Peter von Bell in Indien (Vodafone, ick hör dir trapsen), um das Ding freischalten zu lassen.

Was die Übertragungen des kanadischen Fernsehens angeht, muss ich festhalten, dass diese allesamt mit der angemessenen Ernsthaftigkeit und Fachkompetenz von statten gehen, und dass das British-English des Kommentators einfach der überragende Begleiter für ein Fußballspiel ist. Absolut angenehmer Nebeneffekt: mir bleiben während der 90 Minuten sämtliche belarethyschen Peinlichkeiten und nebensächlichen Lach- und Sachgeschichten über die Protagonisten erspart und es wird einfach klassisch pur das Geschehen auf dem Platz kommentiert (Spielernachnamen bei Ballkontakt – großartig), garniert mit dem typischen, augenzwinkernden Humor. Very nice, Gentlemen.

Die Vorrunde ist nun abgeschlossen und passend zu unserem Reiseverlauf absolvieren wir die KO-Runde komplett in Toronto, wo wir dann ab Samstag daheim sind.

Was mich diesbezüglich umtreibt, ihr ahnt es sicher schon: Sind wir pünktlich da? Hat unsre Bude wirklich ‘nen Fernseher? Geht der auch? Wo gibt’s Public Viewing? And so on. Wär ja auch langweilig sonst.

Als kleines Bonmot zum Abschluss präsentiere ich noch die heutige Aufstellung der Deutschen im Spiel gegen die USA, in der Lautschrift des Kommentators:

Noia – Boateng, Möörtesecker, Hammels, Höwidis – Lahm, Swainstaigör (76. Gottzi), Osill (89. Schurrli), Kruoos, Podolski (46. Klosse) - Muller

Donnerstag, 26. Juni 2014

Von Kingston und den Tausend Inseln

An einem (selbstverständlich hart verdienten) freien Tag fahren wir ins ca. 160 km entfernte Kingston. Kingston war einst die Hauptstadt Kanadas, dies wusste Königin Viktoria jedoch zu ändern, da sie aufgrund der Nähe  zur amerikanischen Grenze Verteidigungsschwierigkeiten befürchtete. So, Geschichtsstunde beendet. Heute ist Kingston eine charmante Studentenstadt, durch deren zwei Hauptstraßen (Princess Street und Brock Street) man schnell durchgebummelt ist. 


Wir decken uns bei der Bäckerei Pan Chanco mit Chicken Salad Sandwiches (das war vor der Geburt der kleinen Küken) und Zimtschnecke ein und bewegen uns zum Hafen, wo wir zu einer 3-stündigen Kreuzfahrt in Richtung Thousand Islands aufbrechen. Die 1000 Inseln liegen im St.-Lorenz-Strom und sind teilweise schnuckelig klein. So klein, das meist nur ein Haus oder sogar nur ein Baum (ohne Haus) darauf steht. Um zu den Thousand Inseln dazugehören zu dürfen, muss die Insel mindestens einen Baum haben und das ganze Jahr über von Wasser umgeben sein.





Das Wetter ist leider an diesem Tag nicht bilderbuchreif, aber wir genießen die Bootsfahrt und unseren Snack und beobachten unsere Mitreisenden. Es dauert nicht lange, da hören wir unsere Muttersprache hinter uns, angewandt von drei deutschen Mädels, ca. Mitte 20. Wie es dem optimistischen und stets zufriedenen deutschen Naturell entspricht (Achtung! Ironie!), beschweren sie sich, dass man so wenige kleine Inseln sieht, dass sie ohnehin dachten, die Inseln seien viel kleiner und dass das Wetter ja wohl auch besser sein könnte. Wir geben uns nicht als Landsleute zu erkennen, kuscheln uns aneinander, um nicht zu frieren und hören kurz darauf: "Manno, ich will auch so einen Typ, an den ich mich ankuscheln kann!" Nach ca. 1,5-stündiger Fahrt tauchen dann ENDLICH die kleinen Inselchen auf und die deutschen Damen (Frau T. eingeschlossen) fangen eifrig an zu knipsen und sind zufrieden gestellt.





Hier steht schon so die ein oder andere nette Hütte, aber ganz ehrlich, es wäre mir etwas zu anstrengend, erstmal zum Festland hinüberzurudern, um mir schnell abends ein Eis zu holen.

Zurück in Kingston suchen wir einen Pub auf - schließlich ist ja WM! Das wahre Schauspiel spielt sich jedoch im Pub selbst ab. Zwei Tische weiter haben sich zwei reifere Damen fest gesessen (oder sollte ich besser sagen "fest getrunken"?). Die Damen sehen, mit Verlaub, nicht sehr lecker aus. Eine hat eine Schiene am Bein und scheut sich nicht, diese(s) offen zur Schau zu stellen und einen weiteren Stuhl damit zu belegen. Die Damen zittern bei jedem Griff zum Glas, sie sind nicht mehr ganz Herr ihrer motorischen Fähigkeiten. Sie bestellen im Akkord immer wieder dasselbe Getränk: Rum-Cola. Bezahlt wird nach jeder Runde. Das geht so lange weiter, bis der Barkeeper einschreitet und erklärt, dass er ihnen an diesem Tag keine weitere alkoholischen Getränke ausschenken wird. Es geht noch ein bisschen verbal hin und her, da sich die Jüngere der beiden Gedanken macht, sie dürfe nun nie wieder dieses Etablissement aufsuchen. Doch der Barkeeper beschwichtigt sie, ruft ein Taxi und schwuppdiwupp verfolgen wir wieder das Fußballspiel und unser freier Tag neigt sich dem Ende zu.


Dienstag, 24. Juni 2014

Laundry Salons in and around Canada - Part 3: Winchester

Ja, das ist das Wäschereinigungs- und -trockenequipment, das wir 3 Wochen hier mitnutzen dürfen. Gleichzeitig befindet sich in diesem Raum auch noch unsere Dusche, aber das ist eine komplett andere Geschichte.





Winchelsea Events / Familie F.-W., Winchester

Bis zur Abreise ca. 3-4 Waschmaschinen- und ebenso viele Trocknerladungen zum Nullpreis. Wi-Fi vorhanden, sowie ein Bett im Nebenzimmer, auf dem man es sich mit dem Laptop in der Zwischenzeit gemütlich machen kann.

Sonntag, 22. Juni 2014

Workaway - die zweite Woche

Schwuppdiwupp ist nun auch schon die zweite Woche an uns vorbeigezogen, in der wir hart geschuftet haben. Letzten Sonntag wurde in "unserer" Eventscheune ein Vatertagsdinner (der war tatsächlich auch an diesem Tag hier in Kanada) ausgerichtet und Familie T. durfte fleißig in der Küche mitmischen. Wir haben angerichtet und Geschirr gewaschen und dafür gab es dann abends sogar unseren Anteil am Trinkgeld - vom Tellerwäscher zum Millionär. Das geht also auch in Kanada ganz einfach. An den darauffolgenden Tagen stand wieder unsere geliebte Gartenarbeit auf dem Programm, die uns mittlerweile schmerzende Rücken beschert hat. Naja, wir sind halt auch nicht mehr die Jüngsten, ne! 



Frau T. hat ihren grünen Daumen bewiesen und Blümchen gepflanzt (die nun schon böse die Köpfe hängen lassen, weil sie keiner gießt), außerdem haben wir die Lagerhalle, die wir in der ersten Woche ausgemistet hatten, aufgeräumt und neu organisiert. Vom Bestecke polieren haben wir Blasen an den Fingern und sehr spannend fanden wir den Besuch im asiatischen Supermarkt. 
Absolutes Highlight war jedoch unser Einsatz letzten Mittwoch bei einem Lunchevent in Ottawa, welches wir becatert haben. Der Tag könnte ungefähr so ausgesehen haben:
Die Cateringfirma verfügt über einen riesigen Grill, den man als Anhänger ans Auto hängen kann und mit dem sollten wir zum französischen School Board in Ottawa. Dort wurde für die Mittagspause ein Sommerfest organisiert. Die Leute haben sich ihre Gartenstühle mitgebracht und die dann auf dem Parkplatz aufgestellt und wir haben das Essen für diese Veranstaltung gestellt. Klingt alles erst mal nicht so spektakulär, aber es kam wie folgt: Beide eingesetzten Autos waren jeweils voll beladen mit Cole Slaw (Krautsalat), Potato Salad (also das übersetze ich jetzt nicht), Zutaten für Caesar Salad, Brötchen, Tischen, Warmhalteplatten, usw. Kurz nach Abfahrt mussten schon umkehren, um ein Verlängerungskabel einzuladen. Zurück on the road hat unsere Chefin dann einen falschen Weg eingeschlagen und wir mussten wieder wenden, um auf die richtige Straße zu kommen. Nur wenige Minuten später fährt das Auto, an dem der Grill hängt durch ein Schlagloch und die Achse bricht. Lauras Mann Tim, der selbst gerade auf dem Weg zur Arbeit ist, wird zur Hilfe gerufen und gemeinsam mit dem mexikanischen Koch versucht er, den Reifen zu wechseln (zu diesem Zeitpunkt geht man nur von einem kaputten Reifen aus). Vergeblich! Der Grill bewegt sich nicht mehr vom Fleck. Was tun? Irgendjemand kommt auf die glorreiche (und gleichermaßen wahnwitzige) Idee, das Hähnchen am Straßenrand zu grillen. Sensationell! Der Koch bleibt also beim Grill und brutzelt das Hähnchen, der Mann von Laura treibt einen Ersatzgrill auf, der showmäßig beim Event aufgestellt werden kann und auf dem das Fleisch noch einmal aufgewärmt wird und alle anderen (wir plus Laura und die Angestellte Rebecca) fahren nach Ottawa und bauen schon mal das Buffet auf. Der Koch hat aber nur noch den Grill und kein Auto mehr, also muss die Küchenhilfe ihre Arbeit unterbrechen und ihn dort abholen und nach Ottawa fahren. Irgendwie schafft sie es, ihre Autoschlüssel im Auto einzuschließen, was die ganze Aktion noch einmal alles andere als beschleunigt. Um 11:30 Uhr sollte der Lunch losgehen. Um 11:45  war der Koch samt Hähnchen da, sowie Tim mit einem Ersatzgrill. Glücklicherweise hat die hungrige Meute von all dem Hin und Her nichts mitbekommen. 

Am Donnerstag war in der Eventscheune "Tag der offenen Tür", welchen wir mit vorbereitet haben. Am Event selbst durften wir dann aber als Gäste teilnehmen und haben uns unter anderem folgende Köstlichkeiten schmecken lassen (man beachte den großzügigen Obstanteil!):



Und dann durften wir noch Beobachter von mehreren Kükengeburten sein. Soll heißen: wir haben tatsächlich vor den Eiern gesessen, die in einem Brutkasten verwahrt waren und haben gesehen, wie sich die kleinen fluffigen Piepmätze ihren Weg ins Leben erschlüpft haben. Das war wirklich sehr beeindruckend zu sehen, wie ein kleiner Knacks in der Eierschale immer größer wurde und letztendlich ein Lebewesen hinausgekrabbelt kam. Die 15 (!) Küken verbringen derzeit noch ihre ersten Tage unter einer Rotlichtlampe im Zimmer der 11-jährigen Tochter Ashley....ich weiß nicht, ob das normal ist, aber wieso frage ich mich das hier überhaupt noch?



Die ältere Generation Hühner, die im Garten gehalten wird, musste gestern Abend von Herrn T. und mir in ihr Hüttchen eingesperrt und heute morgen wieder rausgelassen werden, da unsere Gastfamilie für eine Nacht campen war (und dies somit nicht selbst machen konnten). Das war natürlich auch ein Abenteuer. Man stelle sich zwei Städter vor, die versuchen, ohne Berührung ca. 9 Hühner + 1 Hahn in ein Käfighüttchen zu bewegen. Ein Bild für die Götter! Herr T. hat sich einmal getraut und ein Huhn am Schwanz haltend eingefangen und in den Holzkasten "geworfen". Anschließend kamen wir dann auf die geniale Idee, das Essen und das Wasser einfach auch in den Kasten zu stellen et voilà - nach und nach sind die "dummen Hühner" reingewandert. Klappe zu, Huhn hoffentlich am nächsten Morgen nicht tot.

An die Unordnung und den Dreck hier habe ich mich leider noch nicht gewöhnt und immer wieder kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln, wie man sich in so einem Chaos wohlfühlen kann. Hier wird nichts in die Spülmaschine geräumt (geschweige denn, diese ausgeräumt), Gekleckertes wird nicht aufgewischt, Klamotten werden einfach an beliebigen Plätzen fallen gelassen, der Hund wird nur unregelmäßig gefüttert, alles ist voller (Hunde-)Haare.... Nun ja, das Leben ist kein Ponyhof (das fände ich persönlich sogar noch schlimmer) und wir sind schon gespannt, was die letzte Arbeitswoche in Winchester für uns bereit hält.

Mittwoch, 18. Juni 2014

18.5.-18.6.: der erste Monat

Seit einem Monat gondeln wir nun in der Weltgeschichte herum. Zeit für eine kleine statistische Übersicht, die wir monatlich zu ergänzen versuchen werden.

Museumsbesuche: 3
Gewanderte Trails: 3
deren Gesamtlänge: 17 km
Tankfüllungen: 5
Waschmaschinen: 4
Verspeiste Burger: 7
Verschickte Postkarten: 4
Im Auto zurückgelegte Kilometer: 1.879

Verbrachte Nächte:
Hotel: 1
Ferienhaus: 13
Couchsurfing: 1
Air BnB: 6
Workaway: 10

Und so sieht die bisherige Reise auf der Landkarte aus:


Montag, 16. Juni 2014

Workaway - die erste Woche

Es ist geschafft. 1 Woche arbeiten wir schon ganz fleißig und davon soll heute berichtet werden.

Wir befinden uns derzeit in dem kleinen Örtchen Winchester, vor den Toren der kanadischen Hauptstadt Ottawa, und arbeiten gegen Kost und Logis in einem Cateringunternehmen. Gefunden haben wir diese Stelle über die Plattform Workaway - eine weltweite Internetbörse, auf der Hosts (also die Leute, die Hilfe benötigen) nach Volunteers (abgebrannte Reisende wie wir, die sich ein paar Wochen wo einnisten wollen) suchen können, oder umgekehrt. Unsere Gastgeberin Laura hat so viele gute Bewertungen (insbesondere für das zur Verfügung gestellte Essen) erhalten, dass wir es mal versuchen wollten. Also sind wir hier letzte Woche Sonntag mit unserem weißen Flitzer auf den Hof gefahren mit ein paar Raupen im Bauch, wie die Zeit hier werden wird usw. 
Es könnte hier ungefähr so sein (Ähnlichkeit mit lebenden Personen selbstverständlich ausgeschlossen!):
Wir wohnen im Haus der Familie, die aus Mama, Papa und drei entzückenden (Achtung! Ironie!) Kindern besteht. In diesem Haus ist immer etwas los und vor allem liegt immer etwas rum oder ist immer irgendwas verschmutzt. Der Familienhund Charlie trägt das Seine zur Sauberkeit der Bude bei und so mussten wir erst einmal kurz schlucken, als wir hier ankamen. Laura (die Mama und Inhaberin des Cateringunternehmens) nimmt regelmäßig "Workawayer" (so heißen wir, insbesondere für die Kinder. Warum sich auch ständig neue Namen merken?) auf. Für diese gibt es sogar ein eigenes Zimmer mit Stockbett und solch feinen Sachen. In besagtem Zimmer lebt dauerhaft der mexikanische Koch und derzeit ist auch noch eine sehr diskutierfreudige junge Dame aus den deutschen neuen Bundesländern als Workawayer hier. Wir haben den Bonus der Verheirateten und schlafen in einem privaten kleinen Zimmer - feini! Hier müssen wir nach Ankunft aber erst einmal die Bettwäsche wechseln und durchwischen.....ich mag mein Bett gerne ohne Hundehaare und Flecken.
Der Deal ist wie folgt: 5 Tage je 5 Stunden arbeiten und dafür umsonst wohnen und essen. Und beim Essen kommt man hier wirklich nicht zu kurz, denn von den diversen Cateringevents bleiben immer Reste übrig, die wir vertilgen "müssen". Das ist halt Teil des Deals....wir bemühen uns redlich!
Die von uns zu verrichtenden Tätigkeiten könnten unterschiedlicher nicht sein. Immer morgens erhalten wir ein kurzes Briefing, was ansteht. So durften wir in der ersten Woche schon intensiv Gartenarbeit betreiben (Unkraut? Was ist Unkraut?), die "Garage" (eine Lagerhalle, so groß wie ein halbes Fußballfeld) ausmisten, Tische und Stühle schleppen und aufstellen, Tische eindecken, Speisen anrichten, spülen, Deko im Dachboden verstauen und und und und. Es macht meistens tatsächlich Spaß und man weiß seine freien Tage wieder richtig zu schätzen. Nach Arbeitsende (meistens gegen 15 Uhr, wenn abends nicht noch ein Event ansteht) ruhen wir uns dann aus, schauen WM oder waren auch schon mal im Ort Winchester (und nach 10 Minuten wieder zuhause, ob der überwältigenden Größe). Fotos gibt es von unserer kleinen Farm leider noch keine, wir sind halt immer so im Stress....Fortsetzung folgt!

Dienstag, 10. Juni 2014

Laundry Salons in and around Canada - Part 2: Montreal

Buanderie Plateau, Montreal

1 Waschmaschine à 2,50$
1 Trockner à 1,75 $

WiFi wohl vorhanden, Personal aber nicht eindeutig identifizierbar, um Passwort zu erfragen.


 

Sonntag, 8. Juni 2014

Montreal



Montreal, oh Montreal. Wie haben wir dich in den letzten Tagen in unser Herz geschlossen.

Unsere Bleibe in dieser wunderschönen Stadt war ein Zen Center im Neighbourhood „Plateau“. Das Plateau ist ein up and coming Viertel mit vielen verschiedenen Kulturen, jungen Familien, leckersten Speiselokalen und dem Hausberg der Stadt, Mont Royal, direkt vor der Nase. Im Zen Center werden frühmorgens und abends Meditationen abgehalten, ansonsten ist es dort sehr ruhig und außer den Gästen des anderen Zimmers (zunächst eine lebenslustige Australierin, dann ein verschlossener Brite) und der Leiterin Myokyo hält sich dort in der Regel niemand auf. Dennoch gibt es einige Regeln zu befolgen. So darf man zum Beispiel während der Meditationen nicht das Haus verlassen oder betreten (weil man dafür mitten durch den Meditationsraum laufen muss), es darf kein Fleisch oder Fisch mit ins Haus genommen werden (vielleicht können sich dann die Zen-Schwingungen nicht frei entfalten) und die Küche darf lediglich dazu genutzt werden, um ein „leichtes“ Frühstück zuzubereiten (hmmm, ob da ein Croissant als „leicht“ durchgeht?). Aber all das wussten wir schon im Vorfeld, insofern stellt es für uns kein Problem dar. Außerdem hat das Plateau ein nicht zu verachtendes Essensangebot, das muss ja schließlich getestet werden.
Am ersten Abend probieren wir daher sofort unser Glück im vegetarischen Restaurant „Aux Vivre“. Mr T. ist mal wieder der experimentierfreudige Traveller und wagt sich an eine Dragon Bowl – eine Rohkostzusammenstellung auf Reis mit kurioser, nach Obazda schmeckender, Dragonsauce. Bei Frau T. wird es immerhin ein Portobello Mushroom Burger, der umgehend in unsere Burgerstatistik aufgenommen wird. Anschließend spazieren wir noch etwas durch die Gegend und gelangen in den Park am Fuße des Mont Royals, wo wir zum ersten, und nicht zum letzten Mal, feststellen, wie sportlich die Montrealer sind und wie sehr sie scheinbar das Sporteln im Freien genießen nach dem langen Winter. Hier tummeln sich nämlich zahlreiche Menschengrüppchen, um sich beim gemeinsamen Baseball-, Tennis-, Football- oder Fußballspielen den Feierabend zu vertreiben. Andere wiederum gehen einfach nur laufen oder haben sich zu einem lockeren Zirkeltraining oder Massensalsaaerobic verabredet. Uns gefällt, was wir sehen, die Stadt ist auch abends noch lebendig und was uns vor allem auch noch in den nächsten Tagen positiv auffällt: Französisch und Englisch wird wie selbstverständlich von jedem gesprochen und von einer Sekunde auf die andere umgeswitcht. Kein Augenrollen oder Unverständnis, weil man kein Französisch spricht. Nein, die beiden Sprachen sind hier gleichberechtigt.



Am ersten Morgen in der Stadt testen wir die von Myokyo empfohlenen „besten Croissants der Stadt“, die zwar gut sind, jedoch auch vor Butter triefen. Definitiv kein Frühstück für jeden Tag, obwohl wir hier gut per pedes unterwegs sind. 


Heute geht es downtown zum Shoppen und für einen Bummel durch die Altstadt, die uns enttäuscht, wie schon vor 5 Jahren, als wir schon mal hier waren. Das Shoppen ist jedoch erfolgreich und endlich endlich finden wir auch ein Prepaidhandy samt SIM-Card zu einem absoluten Schnäppchenpreis. Unsere potentiellen kanadischen Arbeitgeber können sich nun telefonisch bei uns melden. An diesem Tag sind wir lockere 8-10 km gelaufen und belohnen uns abends mit einem Besuch bei Schwartz’s – DIE Adresse für Rauchfleisch in der Stadt. Der Laden ist so begehrt, dass die Menschen gerne auch mal davor Schlange stehen. Wir finden einen schlauchartigen Raum mit Achtertischen vor, an denen die Leute zusammengewürfelt werden. Es ist laut, halogenbestrahlt und die Fleischportionen saftig. Leider versteht die Französin hinter uns in der Schlange nicht das „wait to be seated“-Prinzip und rennt zu einem Tisch, der gerade frei wird, was ihr einen bösen Blick, gepaart mit einem empörten Kopfschütteln, von mir einbringt. Natürlich sitzt sie dann auch noch bei uns am Tisch und klaut Mr. T. die Ketchupflasche. Böse Frau! Eine Speisekarte gibt es nicht wirklich, das wird uns klar, als der Kellner, ein Original, an unseren Tisch herantritt und uns fragt, was wir essen wollen. Nachdem wir ihm  zu verstehen geben, dass wir das erste Mal da sind, rät er uns zu einem Smoked Meat Sandwich  mit Pommes. Wir ergänzen das Ganze um Gurke und Coleslaw. Mr. T. möchte dazu noch ein kühles Bierchen genießen, worauf er die Auskunft erhält: „Beer’s only for the staff“ – ich sag doch, ein Original dieser Typ. Aber es gibt tatsächlich kein Alkohol, die Cola Zero schmeckt ja auch ganz gut. Die Sandwiches sind üppig belegt und saulecker. Punkt. 



Am nächsten Tag steht eine Wanderung auf den Mont Royal auf dem Programm. Der ist nicht wirklich hoch, aber der Spazierweg ist weit geschwungen, so dass daraus schon eine Halbtagestour wird. Oben angekommen wird man mit einer weiten Sicht über die Stadt belohnt.



An unserem letzten Tag in Montreal sind wir in Picknickstimmung. Zunächst machen wir einen ausgedehnten Spaziergang zum Marché Jean Talon. Ein bunter und vor allem großer Markt nördlich von Little Italy. Hier kann man ein perfektes verspätetes Frühstück einnehmen. 



Und abends zieht es uns nochmal in den Park zu einem Grillhähnchenpicknick und um die letzten Sonnenstrahlen für heute einzufangen.
Das war Montreal. Nun blicken wir voller Spannung Richtung Ottawa, wo unser erster Arbeitseinsatz auf uns wartet!