Donnerstag, 31. Juli 2014

Laundry Salons in and around Canada - Part 4: Toronto


Abgebildet ist das Wasch- und Trockenequipment hier in unserem Torontoer Appartement. Der Raum ist darüber hinaus auch noch unser Badezimmer, mit WC und Wannendusche, und war während unseres Aufenthaltes dreimal teilgeflutet.

Dies liess sich auf ein verstopftes Abwasserrohr zurückführen, dessen Reparatur uns zu drei Übernachtungen im Wohnbereich (samt Bett) „verhalf“, da die Vestopfung leider unterhalb des Schlafzimmers behoben werden musste. Positiver Nebeneffekt: 100$ Mietminderung.




424 Euclid Avenue - Basement, M6G 2S9 Toronto

Bis zur Abreise schätzungsweise 8-10 Waschmaschinen und ebenso viele Trocknerladungen zum Nullpreis. Wi-Fi vorhanden, im Bad aber sehr schwach.

Montag, 28. Juli 2014

Zu Besuch bei der Major League Soccer

Liebe Leser, nachfolgend möchten wir über unseren Besuch beim Toronto FC berichten, und innovativerweise werden wir diesen mal aus zwei Perspektiven beleuchten. Mr. T wird hier eher den fachlichen Bereich abdecken, während Frau T dann nochmal mit den Augen der modernen Frau berichtet. Wahrscheinlich wird es also ein etwas längeres Lesevergnügen

Mr T’s Sicht der Dinge
Mit großer Vorfreude sahen wir dem Besuch beim Toronto FC am vergangenen Samstag entgegen. Der Toronto FC spielt in der MLS (Major League Soccer), denn wie das im nordamerikanischen Profisport oft der Fall ist, nehmen an dieser eigentlich US-amerikanischen Liga auch kanadische Mannschaften (oder auch „Franchises“) teil.
Der TFC (Rufname) wurde 2006 gegründet und nimmt seit der Saison 2007 am Spielbetrieb der MLS teil. Der Club ist also schon auf einem guten Weg zum Traditionsverein. Seine Heimspiele trägt der TFC im BMO Field (sprich BIMO) aus, das Fassungsvermögen beträgt 22.500 Zuschauer und ist mit alleine 17.000 Dauerkarten immer sehr gut ausgelastet. Es handelt sich um ein reines Fußballstadion, schnell und billig erbaut (Stahlrohrtribünen, kein Dach) hat aber durchaus Charme und eine sehr angenehme, enge Atmosphäre, die auch beim europäischen Puristen durchaus Anklang findet. Da das Stadion in der Stadt liegt, ist die Anbindung super und wir können locker per Pedes hin marschieren. Wir sind eine Dreiviertelstunde vor Anpfiff da, der Einlass ist völlig stressfrei (keine Gitter, keine großen Kontrollen) und wir lassen uns erstmal um die Tribünen treiben, um die Verpflegung abzuchecken und uns ein Bild vom Geschehen zu machen. Es herrscht ein emsiges Gewusel und das Bild ist hier im Vergleich zu Deutschland noch viel stärker von Familien geprägt. Angenehmer Nebeneffekt: keine Volleulen, die es mit 7 Atü gerade noch so von der S-Bahn ins Stadion schaffen. Wobei: ein bisschen mehr Grölen und Pöbeln dürfte für meinen Geschmack dann aber doch sein, gerade später, während des Spiels. Man merkt deutlich, dass Fußball hier ein sehr junger, hipper Sport ist, der vor allem im Jugendbereich sehr stark im Kommen ist, das sind aber sicher keine schlechten Voraussetzungen für die Entwicklung der Sportart. Das Stadioncatering entspricht dem typischen Amerikabild und reicht über Burger, Pizza, Hotdog zu Erdnüssen und Popcorn, das Preisniveau ist sehr saftig. Für ein großes Bier (0,5l) werden um die 10$ fällig. Findet man alles genauso auch beim Baseball, Basketball, usw. wieder. Ein teurer Spaß also und toppt auch nochmal die schon hoch empfundenen Bundesligapreise daheim. Das hält den Kanadier aber natürlich nicht vom kräftigen Konsumieren ab und auch die Fanartikelstände sind schwer umlagert. Generell identifiziert man sich hier stark mit seinen Farben, empfinde ich als sehr sympathisch und breche auch an dieser Stelle mal eine Lanze für die Beef-Hotdogs hier drüben, da kommt echt ein bisschen Rindsworscht-Feeling auf! Wenn nur das Brötchen nicht so ein absoluter Amateur wäre.


Mit der ersten Verpflegung (Buffalo Chicken Tenders mit miesen Pommes) unterm Arm nehmen wir wiederum völlig stressfrei unsere Sitzplätze ($35) ein und schauen den Spielern bei den letzten Aufwärmübungen zu. Positiv fällt auf, dass auf jegliche Show verzichtet wird, läuft alles sehr angenehm reduziert ab. Als die Aufstellungen der Teams dann vom Stadionsprecher verlesen werden, fehlen mir dann aber wieder etwas die Emotionen in beide Richtungen. Ach ja, vor dem Spiel appellieren die einzelnen Spieler in kurzen Spots über die Anzeigetafel nochmal an die ethischen Grundsätze der Stadionbesucher: kein Fluchen, Alkohol seriös (?!) genießen, usw. „Nach dem Klogang Händewaschen“ war sicher auch dabei. An das Spielgeschehen dann das sportliche Maßband an zu legen fällt mir etwas schwer, man läuft als Europäer ja schon ein bisschen Gefahr in die Überheblichkeit abzudriften und die MLS per se zu belächeln. Von einem hohen Ross kann man aber ja bekanntlich tief fallen, daher nehme ich das Dargebotene mit Respekt wahr und wir sehen ein durchaus ansehnliches Spielchen. Auf Seiten des TFC agieren unter anderem Michael Bradley und Jermaine Defoe (heute leider gelbgesperrt) beim Gegner (ups, bis jetzt verschwiegen: Sporting Kansas City) laufen Matt Besler und Graham Zusi auf. Der Kenner sollte damit was anfangen können, drei der Herren durfte man auch in Brasilien bewundern. Leider schafft der TFC es nicht, die zahlreichen Chancen zu mehr als einem Tor zu nutzen, was sich im weiteren Spielverlauf noch rächen sollte. In der Halbzeit folgt unsererseits der Verpflegung zweiter Teil (Hot Dog) und während ich ein kleines Geschäft verrichte (selbe Schlangen und selbe Pissoirs wie daheim) hat die gute Frau T nichts Besseres zu tun, als einfach mal einen 100$ Gutschein für ein lokales Sportgeschäft abzugreifen. Well done, babe! Während das einsetzende Abendrot einen ansprechenden Hintergrund liefert, wohnen wir im Flutlicht der zweiten Hälfte bei, der TFC verballert munter weiter und die Kameraden aus Kansas City (übrigens aktueller Tabellenführer) nutzen dies eiskalt zu zwei Kontern. Die Gesetze des Fußballs greifen also auch hier drüben in der gewohnten Art und Weise. So richtig starker Support bleibt das Spiel über aus, wenn sich auf dem Platz was Erregendes entwickelt wird es aber auch mal laut, und gerade in der Schlussphase kribbelt es auch ein bisschen, als der TFC leider erfolglos anrennt. Ein ziemlich großer Teil der Zuschauer bekommt dies aber wenn, dann nur noch peripher mit, da bereits ab Minute 80 ein ziemlicher Exodus einsetzt. Ein bisschen was müssen sie halt noch lernen hier drüben. Die Niederlage wird vom Anhang letzten Endes sachlich genommen und ein Auspfeifen oder Ähnliches bleibt aus, vielleicht auch deshalb weil die Leute durch die Umstände milde gestimmt sind, dass Kansas City wie bereits erwähnt der aktuelle Tabellenführer ist, und der (bislang chronisch erfolglose) TFC auch ganz ordentlich da steht. Wir schnappen uns also Sack und Pack (beim Einlass gab‘s tollerweise aus Promogründen für jeden so ein kleines Turnbeutelchen) und schlendern entspannt nachhause. Ein Bierchen für den Weg wäre (auch wenn ich es gewollt hätte) nicht mehr drin gewesen, der Alkoholausschank schließt mit Spielminute 65. Crazy. Als Fazit bleibt ein sehr entspanntes und angenehmes Stadionerlebnis, ich kann eine klare Empfehlung aussprechen. Mich persönlich würde vor allem noch ein MLS-Besuch in Seattle reizen. Die dort heimischen „Sounders“ spielen regelmäßig vor über 40.000 Zuschauern und auch die Atmosphäre dort soll sehr heißblütig sein. Na, schauen wir mal was sich so im Jahresverlauf noch ergibt! 


 
Durch Frau T’s Sonnenbrille
Es ist soweit. Der Moment, den Mr. T schon lange herbeigesehnt hat, ist gekommen – Wir gehen in Kanada zu einem Fußballspiel. Fitnessorientiert wie eh und je laufen wir ins Stadion. Als wir an einer Ampel stehen, fällt mir ein Tropfen auf die Schulter. Regen? Nein, ein Produkt der Defäkation aus dem Magen-Darm-Trakt eines Vögelchens, das vergnügt auf der Ampel sitzt. Noch nicht gepeilt? Dann nochmal etwas deutlicher: Vogelschiss. Iiiiihhhhhh, mein Gesicht nimmt eine grünlich-braune Farbe an, ähnlich dem Etwas, das nun auf meiner Schulter lebt. Angeekelt und nicht in der Lage, einen vollständigen Satz zu formulieren, angle ich hektisch in meiner Handtasche nach einem Taschentuch und versuche, das Unheil weitgehend ungeschehen zu machen. Der Abend kann nur besser werden! Nach Ankunft im Stadion decken wir uns erst einmal mit einem Snack und einem kühlen Drink ein. Der Deckel der Colaflasche muss von der Kassenfrau entfernt werden. Ich frage mich wieso? Könnte ich den Schraubverschluss als Wurfgeschoss nutzen? Und wenn ja, wieso wird mir dann nicht auch noch die Flasche abgenommen, die kann ich doch auch schmeißen? Könnte ich die Flasche Cola teurer (was kaum möglich ist in Anbetracht der horrenden Summen, die hier aufgerufen werden) weiterverkaufen? Könnte ich mich an dem Deckel verschlucken? Ich zermartere mir das Hirn und komm einfach nicht drauf, steck mir einen Strohhalm in die Flasche und laufe mit Mr. T zu unserem Platz. Erstmal abchecken, wie das alles hier aussieht. Wir sitzen auf einer unbedachten Tribüne. Ich würde mal sagen, Gegentribüne, denn gegenüber von uns die höhere Tribüne, wo auch die Presseleute sitzen und wo die Bänke der Mannschaften stehen. Unten, direkt hinter der Bande gibt es runde Tische, wo man gemütlich im Sitzen dem Spiel beiwohnen kann und bei einem Einwurf auch mal ein paar Takte mit den Spielern wechseln kann….obwohl das, wie beobachtet, eher eine einseitige Unterhaltung ist. Apropos Einwurf. Die Balljungen werden hier durch Ballmädchen ersetzt, die sich durch ihre geglätteten, glänzenden Haare und ihre anregende Unterhaltung miteinander bemerkbar machen, nicht unbedingt durch ihr Interesse am Fußball. 


Es gibt geschätzt ca. 200 Stehplätze, die alle auf einer Ebene sind und durch Bistrotische komplettiert werden. Vorm Anpfiff werden erstmal die amerikanische und die kanadische Hymne geschmettert und dann geht es los. Ja, auch das Spiel geht los. Aber ebenso geht es nun los mit der nicht enden wollenden Unruhe der Nordamerikaner. Ich dachte immer, dass sei ein Baseballphänomen (wo ein Spiel 3 Stunden dauert), dass die Leute während des ganzen Spiels mehrmals ihre Plätze verlassen und rumlaufen, sich was zu essen und zu trinken holen und einfach nicht still sitzen können. Aber scheinbar ist das auch bei 2x 45 Minuten nicht möglich. Ständig steht jemand auf der Treppe, so dass der Blick zum Spielfeld blockiert ist, viele Leute nehmen ihre Plätze erst 20 Minuten nach Anpfiff ein, laufen dann 10x die Treppen hoch und runter und verlassen das Stadion letztendlich in der 75. Minute. Was läuft denn hier falsch? Hat das frühe Abhauen etwas damit zu tun, dass ab der 65. Minute kein Alkohol ausgeschenkt wird? Auch hier bin ich wieder ratlos. Als auch wir in die Halbzeit verschwinden, um uns bei einem Hot Dog zu stärken, höre ich eine Lautsprecherdurchsage, dass es jetzt ein ganz tolles Halbzeitspiel gäbe, bei dem man Gutscheine im Wert von 100$ für Sportchek (große Sportladenkette) gewinnen könne. All you need to do is zum Block 104 (waaaas? Unser Block!!!) kommen, zur Booth (damn, welche Booth?) gehen und laut „SPORTCHEK“ schreien (kriege ich hin). Aufgeregt schaue ich hin und her, aber ich weiß nicht welche Booth gemeint ist und hier steht auch nichts von Sportchek. Oh well, gewinne ich halt nichts. Mr. T muss sich mal kurz verdrücken und ich warte auf ihn brav vor der Herrentoilette, als ich auf einmal ein paar Männer sehe, die am Visitor Information Stand sind und von einer kleinen zierlichen jungen Dame etwas in die Hand gedrückt bekommen. Ist das das Gewinnspiel? Ich nähere mich und ohne zu überlegen, stelle ich mich vor das Mädel und rufe ganz laut „SPOOOOOOORTCHEEEEEEEK“. Sie lächelt, öffnet den Umschlag und holt den letzten Einkaufsgutschein heraus. Krass, hab ich jetzt schon gewonnen? Freudestrahlend empfange ich Mr. T zurück, der von seinem/unserem Glück noch nichts ahnt. Jetzt geht aber das Rätselraten los, da kein Betrag auf dem Gutschein vermerkt ist: Wie viel Geld ist da drauf? Hatten alle Gutscheine zusammen, die ausgegeben wurden, einen Wert von 100$? Hat mein Gutschein einen Wert von 100$? Ist es ein Überraschungsei und es können bis zu 100$ drauf sein? Egal wie, auf jeden Fall ist es eine coole Sache.
Wir widmen uns der zweiten Halbzeit und das Stadionerlebnis bietet uns Alles, was wir uns nur wünschen können. Viele gelbe Karten, eine rot-gelbe für die gegnerische Mannschaft, ein randalierender Fan, der von der Polizei sanft aus dem Stadion eskortiert wird und ein Picture-Perfekt-Sonnenuntergang. Was will man mehr? Gerne begleite ich Mr. T noch einmal zum Fußball, wenn er gerne möchte.


Wer gespielt hat? Toronto FC gegen Sporting Kansas City.
Wie das Ergebnis war? 2:1 für die gegnerische Mannschaft….glaube ich…..

Nach der Ankunft in unserem Domizil prüfen wir online erstmal den gegenwärtigen Gutscheinwert (verrückte Sache, dieses Internet). Et voilà: 100$ !!! Der nächste Shoppingausflug ist also gesichert. Mr. T darf sich natürlich auch eine Kleinigkeit aussuchen.




Montag, 21. Juli 2014

18.6. - 18.7.: der zweite Monat

Kinners, die Zeit fliegt. So sehr sogar, dass wir unser zweimonatiges am Freitag übergangen haben. Hier also unsere Reisestatistik:

Museumsbesuche: 5
Gewanderte Trails: 6
deren Gesamtlänge: 41 km
Tankfüllungen: 10
Waschmaschinen: 11
Verspeiste Burger: 9
Verschickte Postkarten: 14
Im Auto zurückgelegte Kilometer: 4.467

Verbrachte Nächte:
Hotel: 1
Ferienhaus: 13
Couchsurfing: 1
Air BnB: 24
Workaway: 20
Cabin: 2

Und so sieht die bisherige Reise auf der Landkarte aus (die gestrichelten Linien stellen jeweils Abstecher von unseren jeweiligen Standorten dar):

Sonntag, 20. Juli 2014

Das kanadische Dschungelcamp oder Geschichten von 1001 Moskitostichen

Ein großes, sehnlich herbeigewünschtes, Highlight unseres Reisejahres ist der Ausflug in den Algonquin Provincial Park, der sich 3,5 Stunden Fahrtzeit in nordwestliche Richtung von Toronto entfernt befindet. Hier haben wir eine dreitägige "Log Cabin Adventure" - Tour gebucht und freuen uns auf die kanadische Wildnis nach 2 Wochen in der Großstadt. Frohen Mutes steigen wir am frühen Morgen in unser Auto und geben die Adresse vom Büro des Veranstalters, gleichzeitig Startpunkt unserer Tour, in das Navi ein. Die Fahrt ist unspektakulär, nach guten 3 Stunden fahren wir in den Ort South River ein und erreichen das vermeintliche Ziel. Eine Postfiliale..... klaro, in der Wildnis lässt man sich die Briefe ins nächste Post Office schicken, da radelt der Briefträger nicht an den Elchen und Bären vorbei bis ins tiefste Dickicht.....okay, glücklicherweise hatten wir schon vor der letzten Kreuzung ein Wegweiserschild unseres Anbieters gesehen und fahren einfach mal auf gut Glück in die hoffentlich richtige Richtung. Nach weiteren 30 Minuten Schotterpiste erreichen wir tatsächlich unser Ziel. Nur noch schnell eine SMS an die besorgten Mütter schreiben, die schon beunruhigt waren, dass es kein Wlan gibt. Ähm ja, okay, Handyempfang gibt es auch nicht. Dann also auf ins Abenteuer. Wir lernen alsbald unseren Guide Kevin kennen. Ein Kanadier, wie man ihn im Bilderbuch nicht besser malen könnte: Cowboyhut, sonnengegerbte Haut und einfach nur total relaxt. Da wir ein bisschen zu früh sind, stellt er uns erstmal ein Kanu bereit, damit wir paddelnderweise ein erstes Ründchen auf dem See drehen können. Als wir zurückkehren, trudeln so langsam auch unsere Mitreisenden ein, die wir, natürlich völlig unauffällig, erstmal von oben bis unten abchecken. Oh nein! Kinder! An dieser Stelle ein Hinweis an all unsere Leser mit Kindern: EURE sind natürlich zuckersüß! Aber als Pärchen ohne Kinder wünscht man sich eher andere Paare statt kleiner Quengelgeister. Zumal wir auch befürchten, dass mit Kindern das ganze Aktivprogramm eher lahm wird. Nun gut, jetzt müssen wir halt mit dem Material arbeiten, das uns zur Verfügung gestellt wird. Eine junge kanadische Familie mit zwei Jungs (7, 10), Vater und Tochter (zwischen 12 und 18, wir sind uns da nicht so einig) von der Kanalinsel Guernsey, ein Best-Ager Ehepaar aus Nordengland. Macht mit uns 10 Personen. Da fehlt doch noch wer....ah ja, richtig. Mit zwanzigminütiger Verspätung rollt ein großer Mietgeländewagen an, aus dem 1, 2, 3, 4, 5 Menschen herauspurzeln. Zwei Erwachsene, 3 Jugendliche (noch mehr Kinder!) und dazu auch noch, Ihr ahnt es schon, Deutsche. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber als Deutscher im Ausland sind einem andere Deutsche oft peinlich. Vadder Deutschland trägt (bescheiden geschätzt) stattliche 140 Kilonen mit sich herum (das wird später noch ein interessanter Faktor). Ausstattungsmäßig wusste Familie Deutschland wohl nicht so richtig, was sie erwartet. Zur Eingangswanderung erscheinen sie in Chucks und Jeans. Die empfohlenen Wasserflaschen sind nicht mit an Bord, dafür professionelle Kamerataschen (eine pro weiblichen Teenie, und davon gibt es zwei - könnt Ihr mir noch folgen?) und natürlich ein Smartphone pro Familienmitglied, welches jeweils über die ganzen drei Tage nicht aus der Hosentasche genommen wird (Ihr erinnert euch - es gibt keinerlei Empfang für nichts). Unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte erreichen wir per Wanderung (hier die erste Parallele zum Dschungelcamp) und Kanufahrt. Los gehts erst einmal per Pedes. Über Stock und Stein, knöcheltief durch den Sumpf, bergauf und bergab wandern wir drei Stunden durch die kanadische Einöde. Dabei lernen wir allerhand interessante Sachen, wie zum Beispiel Spuren lesen. Unsere Bedenken, dass auf Kinder oder übergewichtige Reiseteilnehmer Rücksicht genommen wird, stellen sich als völlig unbegründet heraus.  Schnell wird klar, dass Papa Deutschland nicht mit dem Tempo der Gruppe mithalten kann und immer öfter hallen Rufe durch den Wald, damit er den Anschluss wieder findet (wir laufen nämlich nicht über ersichtliche Wanderwege). Guide Kevin zeigt sich davon lediglich peripher interessiert. Nachdem wir (und vor allem Familie Deutschland) schon völlig dehydriert (von unseren Füßen mal ganz abgesehen - die sind gut gewässert) an der Stelle anlagen, an der drei Kanus auf uns warten, damit wir in ihnen das letzte Stückchen bis zur Cabin zurücklegen, kommt es zum dramaturgischen Höhepunkt unserer selbst gelebten Reality Soap. Es gibt ein 12-Mann-Kanu und zwei 2-Mann-Kanus. Kevin hat schon früh spitz bekommen, dass wir Pro's sind und so bekommen wir, ebenso wie Vater und Tochter von der Insel, jeweils ein Zweierkanu zugeordnet. Der Mob marschiert also ins Großraumkanu und nach und nach müssen alle an Bord, um ihre Plätze einzunehmen. Als alle sitzen und Kevin das Kanu zu Wasser lassen will, passiert das Unvermeidliche. Die Sitzbank auf der Vaddi Deutschland inklusive seiner zwei zarten Töchterlein sitzt, gibt der Schwerkraft nach und die Passagiere landen unsanft mit ihren Hinterteilen auf dem Boden des Schiffes. Sehr amüsant von außen anzusehen, kann ich nicht anders sagen. Alle Mann also wieder raus, einer nach dem anderen, das wackelt ja auch alles so schrecklich doll. Kevin ist ein Mann der Tat, beherzt greift er nach einem Seil, fummelt ein bisschen an der eingestürzten Sitzbank rum, knotet mal hier und da und schon darf einer nach dem anderen wieder einsteigen. Aber es ist wie verhext! Erneut gibt das Brett nach und es wird klar, dass wir so nie an der Cabin ankommen. Kevin lässt sich seine Nervosität verbal nicht anmerken, steckt sich aber just in diesem Moment eine Zigarette an und verkündet uns, dass er weitere Kanus organisieren muss, das könne jedoch 40 Minuten dauern. Zur Unterstützung nimmt er sich Mr. T. mit. Wer aufmerksam unseren Blog verfolgt, hat vielleicht schon mitbekommen, dass wir seit Wochen aneinanderkleben. Wir werden also zum ersten Mal seit 8 Wochen getrennt. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich in künstlerische Fotografien zu flüchten.



Als die Jungs (einschließlich Köchin und Küchenhilfe und weiterer auf den Kanus transportierten Kanus) zurück kehren, läuft erst einmal alles glatt und wir erreichen unser neues Zuhause. Gemütlich und rustikal sieht sie aus, die Log Cabin. Ein großer einladender Wohnbereich mit einem noch größeren Kamin und einem noch noch größeren langen Esstisch. Im oberen Geschoss befinden sich die Schlafräume, in die jeweils gerade so zwei Einzelbetten passen. Dunkel ist es nur irgendwie, ach ja, Strom gibt es ja auch nicht. Das Wasser in der Küche muss erpumpt werden und die Klospülung ist auch total exotisch für uns Städter. Mit einem Hebel neben der Toilettenschüssel kann man mit einer Aufwärtsbewegung Wasser in die Schüssel lassen, mit einer Abwärtsbewegung wird der Inhalt dann weggespült. Uns wird aber sofort eingeschärft, dass wir den Hebel dann unbedingt wieder in die Ausgangsposition zurückversetzen müssen, da ansonsten das Wasser munter weiterläuft und irgendwann unten in der Küche landet. Alle 15 Personen teilen sich zwei Toiletten. Strategisch (un-)günstig sichern wir uns gleich eines der Zimmer neben dem Bad. Wo ist jedoch die Dusche? Wie wir erfahren, befindet sich diese im Saunahäuschen 100m vom Haus entfernt. Und in der Sauna ist es übrigens "zappeduster", denn, genau, es gibt keinen Strom. 


Der erste Abend neigt sich in Harmonie dem Ende zu. Alle sind müde und erschöpft. Wir versuchen auf dem Sonnendeck am See noch einen Blick auf den Sonnenuntergang zu erhaschen, aber es ist fast schon einen Ticken zu spät und außerdem auch zu bewölkt.




Die Nacht ist sehr unruhig und nicht von all zu viel Schlaf geprägt. Die Entscheidung, sich das Schlafzimmer neben der Toilette zu schnappen, stellt sich als großer Flop heraus. Denn nicht nur, dass man jeden Schritt auf dem Holzboden hört, den die Mitbewohner machen, nein, jeder Zweite von ihnen scheint auch eine schwache Blase zu haben, so dass in der Nacht mehr los ist als am Frankfurter Hauptbahnhof. Nach dem Frühstück starten wir zu unserer nächsten Wanderung. Die Schuhe, die über Nacht vorm Kamin trocknen sollten, sind leider noch etwas klamm.



Bei der heutigen Wanderung steht das Thema "essbare Pflanzen" im Vordergrund. Wir sind mutig und probieren alle uns dargebotenen Köstlichkeiten, nicht ohne uns dabei wie in einer Dschungelprüfung zu fühlen. Als wir mithilfe von Baumstämmen und Seil über den Fluss balancieren müssen, halten wir schon den Atem an, ob Papa Deutschland uns wieder eine Show liefert. Diese bleibt leider aus. Doch man sieht dem armen Mann die Erschöpfung regelrecht an, nachdem wir mehrere steile Hänge (der Trampelpfad an den Niagara Fällen war für Grundschulkinder!) unter Zuhilfenahme von Seilen erklimmen und hinabsteigen. Am Nachmittag lernen wir, wie man mit Birkenrinde ein Kanu bastelt (uns kann absolut nichts mehr in der Wildnis passieren, okay, unser Kanu ist jedoch nur so groß wie eine Nussschale), trinken Tee aus Zedernnadeln, unternehmen eine abenteuerliche Paddeltour und sitzen in der schwarzen Sauna und warten geduldig, bis endlich alle Teenager fertig geduscht haben. 


Den gesunden Obstnachtisch (aufgeschlitzte Banane wird mit Chocolate Chips, Marshmallows und Ahornsirup versehen, in Alufolie eingewickelt und ins Feuer geschmissen) lassen wir heute mal aus und machen uns statt dessen todesmutig zu Zweit zu einer Dämmerungswanderung auf. Die Idee dazu kommt von mir, nachdem ich mir am Abend zuvor von Mr. T. vorwerfen lassen muste, ich würde ihm "das ganze Kanada vermiesen", weil ich immer so ängstlich sei und zum Beispiel kein gesteigertes Interesse daran habe, im Stockfinstern vom See durch den Wald zur Cabin zurück zu laufen. Wo war ich stehen geblieben? Genau, todesmutig machen wir uns also auf den Weg. Sobald wir die Einfahrt zur Cabin hinter uns gelassen haben, springt ein Etwas mit großem Getöse aus dem Gebüsch auf Mr. T. zu. Dieser erschreckt, worauf hin auch ich mich erschrecke (und mich haut ja so schnell nichts um), zumal das Etwas nicht davon ablässt, sich geifernd per Veitstanz auf uns zu zu bewegen. Das muss wohl diese Silly Grouse bzw. Spruce Grouse sein, von der unser Guide Kevin gesprochen hat?! Ein sogenanntes Tannenhuhn, das sich ganz schön aufplustern kann und Rabatz macht. Nach ein paar Sekunden sind wir dem Vieh wohl zu langweilig und es hüpft auf der anderen Seite der Straße wieder ins Gebüsch. Dies wird für diesen Tag (leider) auch unsere einzige Wildlifesichtung bleiben. Das Sumpfgebiet, zu dem wir laufen, bietet leider nur eine herrlich friedliche Stille und nicht die erhofften Elche.


Für den nächsten Morgen hat Kevin angedroht, uns um 4:45 Uhr zu wecken, damit wir dem Sonnenaufgang entgegenpaddeln können. Wir verbringen wieder eine furchtbar entspannte Nacht und sind bereits um 4 Uhr hellwach. Bevor das fiese Fußvolk in die Badezimmer stürmt, machen wir uns daher schon frisch und sind pünktlich zur Abfahrt bereit. Auch bei diesem Programmpunkt machen uns die Wolken leider einen Strich durch die Rechnung, auch ist es etwas windig...dennoch ist es eine tolle Erfahrung so früh morgens auf dem See unterwegs zu sein und wir paddeln auch fleißige zwei Stunden, bevor wir zum Frühstück in die Cabin zurückkehren. Im Anschluss unternehmen wir zu zweit eine kleine Wanderung auf dem von Kevin empfohlenen Moose Mountain Trail. Moose (sprich: Mus, wie in Apfelmus) sind im Übrigen Elche, und nicht, wie man vermuten möchte, Elks. Das sind Wapitihirsche. Und dann gibts noch Deer - das ist die englische Bezeichnung für Rotwild. Somit hätten wir das auch geklärt und können uns wieder unserer Wanderung zuwenden, die gewohnt entspannt abläuft, weil Frau T. aufgrund ihrer Angst, aufgefressen zu werden, den Trail fast schon entlangjoggt, während Mr. T. eher gemütlich unterwegs ist und jetzt verdammt noch mal endlich einen Bären oder Elch sehen möchte. Dieser Wunsch wird ihm leider nicht erfüllt. Immerhin sehen wir riesengroße Elchspuren. Nach dem Mittagessen ist dann das Dschungelprogramm beendet und wir machen uns mit vielen schönen Erinnerungen und einem Piffikanu im Gepäck sowie mit 1001 Moskitostichen auf der Haut in Richtung Toronto. Und dann kommt die Belohnung für UNSERE Bestrebungen der letzten Tage, wilde Tiere zu entdecken: ein Wolf überquert vor uns die Fahrbahn. Ein zufriedenstellenderes Ende könnten wir uns nicht vorstellen und daher endet diese Geschichte nun. 

ENDE 



P.S. Und alle, die bis hier heruntergescrollt haben, dürfen nun auch noch erfahren, dass in der ersten Nacht ein Mäuschen durch unser Zimmer gehuscht ist. Das hat Mr. T. mir wohlweislich aber erst am Abreisetag verraten. Wir sind immer noch verheiratet und glücklich!