Freitag, 29. August 2014

Rückblende: Toronto

Wie unsere geneigte Leserschaft weiß, haben wir im Juli und August 6 Wochen in Toronto verbracht. Über die Umstände unserer Unterkunft sowie die Erlebnisse der ersten Wochen hatten wir ja bereits berichtet. Um das Ganze rund zu machen, wollen wir heute nochmal etwas globaler zurückblicken, um euch ein Bild von dieser Stadt zu verschaffen.


Beim Studieren unseres Lonely Planet-Reiseführers bin ich dabei auf ein Zitat gestoßen, welches unsere Eindrücke ziemlich genau wiedergibt: „…Die vielen Immigranten Torontos spielen das jahreszeitliche Spiel mit und bereichern es zusätzlich. Ihre Kultur verwandelt die Stadt in einen hyperaktiven menschlichen Eintopf aus ethnischen, subkulturellen und historischen Bezirken. Von Ghettos weit entfernt, prägt dieses Patchwork aus Stadtvierteln das Leben der Stadt und bringt sie voran. Toronto ist unprätentiös, tolerant und vielschichtig und durchsetzt mit der typischen kanadischen lakonischen Haltung.“
Auf den ersten Blick ist Toronto keine Stadt, die durch hübsche Straßenzüge, pittoreske Stadtviertel oder sonstige offensichtliche Nettigkeiten dem Besucherauge schmeichelt. Downtown bzw. der Businessdistrict gleicht vollständig austauschbar anderen nordamerikanischen Großstädten, die breite Waterfront am Ontariosee ist dank nicht nachvollziehbarer Städteplanung, u.a. durch die mehrspurige Statdtautobahn total verbaut und der Verkehr rund um die Stadt ist frustrierend. Die Reize muss man hier schon entdecken bzw. erleben, weswegen wir im Nachhinein auch sehr froh sind, hier ein bisschen mehr Zeit verbracht zu haben. Toronto hat neben seinen offensichtlichen Sehenswürdigkeiten (CN-Tower, Skydome (heute Rogers Centre), großes Aquarium und riesiger Zoo) vor allem sehr viele sehenswerte „Neighbourhoods“ zu bieten. Diese gruppieren sich jeweils um eine oder mehrere sehr lebendige Hauptstraßen und beziehen sich oft auf die verschiedenen Einwanderergruppen. So gibt es ein Little Italy/Little Portugal, China- und Koreatown, Greektown, usw. Alle diese Viertel haben gemein, dass von den trubeligen Hauptstraßen im Schachbrettmuster gemütliche kleine Avenues abgehen, die reine Wohnstraßen sind, gesäumt von sehr nett anzuschauenden, viktorianisch angehauchten Stadthäusern. Auf diese Weise entsteht für die Bewohner eine sehr hohe Lebensqualität. Um die Ecke zahllose Restaurants, Bars und Läden (der individuelle Einzelhandel ist hier noch eine große Nummer) während man vor der Haustür totale Ruhe hat. Hat uns sehr gefallen.


Freunde der Kultur (wie Frau T. viel und Mr. T. etwas) kommen bei diversen Museen und einer großen Theaterszene voll auf ihre Kosten. Gerade die Museenwelt haben wir auch eifrig beehrt, und der Sport ist wie überall in Nordamerika natürlich auch hier eine große Nummer. Dominieren den Winter über die leider chronisch erfolglosen Maple Leafs (das heilige Eishockey) und die Raptors (Basketball), sind im Sommer die Blue Jays (Baseball) ein Evergreen und der Toronto FC (Fußball) up and coming. Von unserem Besuch beim TFC haben wir ja bereits berichtet und zum Baseball steht ja noch der angedrohte Bericht aus, wir haben drei Spiele der Jays besucht und Mr. T.  noch diverse in der Glotze verfolgt. 

Besonders schön ist in Toronto, dass sich alle Stadien in der Stadt befinden und super angebunden sind. So kann der Städter, für Amerika ganz unüblich, den SUV/Truck/Van daheim stehen lassen, wenn‘s mal zum Spocht geht.

In unserem sechswöchigen Aufenthalt haben wir trotz der WM alle großen Highlights brav absolviert, lediglich den CN-Tower haben wir ausgelassen (was ganz eventuell daran liegen könnte, dass wir beide nicht so scharf auf Höhenerlebnisse sind). Die WM selbst, bzw. die Spiele der Deutschen, haben wir im „Loose Moose“ verfolgt. Eine Sportsbar in Downtown, die vom deutschen Konsulat so ein bisschen zur inoffiziellen Dependance erklärt wurde, und uns so unsere ganz eigenen unvergesslichen Weltmeistermomente beschert hat.
Eine gesonderte Erwähnung verdienen darüber hinaus noch die der Stadt vorgelagerten Toronto Islands, nur per Fähre zu erreichen und quasi ein großer Park, die die verschandelte Waterfront wieder wettmachen. 
Als Fazit bleibt, dass eine kurze Stippvisite in Toronto schwierig sein kann, es sich aber umso besser dort leben lässt. Wer mal hinfährt, kann sich sehr gerne Tipps bei uns abholen.Wir möchten unsere Zeit dort nicht missen und blicken mit Freude darauf zurück!


Dienstag, 26. August 2014

Unsere Reise durch das England der neuen Welt: Teil 3 (der letzte!)

Tag 4
Winter Island State Park vs. Amelia Payson House – Salem, Massachussetts



Nach einem leckeren Lunchstopp (das ist eine Lobster Roll, es geht dieses Jahr schließlich darum, so verwegen wie möglich neue Dinge zu probieren) in Portsmouth, New Hampshire landen wir am späten Nachmittag in der Hexenstadt Salem, Massachusetts. Wir erhalten unsere Platzinformation am Eingang zum Campingplatz und suchen unsere „Site“. Und suchen…..und suchen….Wie sich dann doch relativ fix herausstellt, ist diese direkt hinter dem Strand, was zunächst zu toll, um wahr zu sein, klingt. Doch dann kommt das große Erwachen. Wir können nicht mit dem Auto an den Platz fahren, gut, darin haben wir ja schon Erfahrung, aber unser Auto müssten wir auf einem großen öffentlichen Parkplatz abstellen, wo ein ständiges Kommen und Gehen herrscht (noch einmal zur Erinnerung – wir schlafen im Auto) und unsere Feuerstelle bzw. unser eigentlicher Platz ist von den anderen überhaupt nicht getrennt. Jeder Hansel, der vom Strand kommt, läuft über unser kleines Plätzchen Rasen, die Gestalten sind ohnehin etwas komisch und Duschen gibt es auch nicht. Es liest sich jetzt nicht so dramatisch, aber wir sind uns sofort einig (Telepathie), dass wir hier keine weitere Minute bleiben wollen. Life‘s too short for bad campgrounds – das Lebbe is zu korz für schlääschte Kämpingplätz! In Nullkommanichts sitzen wir wieder im Auto und durchforsten unseren treuen Weggefährten Lonely Planet nach Bed & Breakfasts in Salem. Bei der dritten Adresse, die wir anfahren, haben wir Glück und bekommen zu einem vernünftigen Preis kurzfristig ein kuschelig-kitschiges Zimmer mit riesigem Bad und Wlan. Wir schweben im siebten Himmel. Campen ist ja schön, aber das hier? Das ist El Paradiso!


Wir belohnen uns an diesem Abend im „Bella Verona“ mit leckerer italienischer Cucina inklusive Vino und schlafen in der Nacht wie Romeo und Julia oder wahlweise Murmeltiere. Am nächsten Morgen finden wir uns mit den anderen Gästen (ein junges Pärchen aus New York, ein Bestagerpaar aus Indiana) am großen Esstisch zum Frühstück ein und bekommen von den Gastgebern Ada und Donald frisch gebackene Waffeln mit Obst serviert auf cool-kitschigem Blümchengeschirr – lockerer Smalltalk inklusive! Zum gefühlt 123. Mal erzählen wir von unserer Reise, wo wir schon überall waren und wo wir noch sein werden, werden zum Glück aber sofort ehrfürchtig auf „unseren“ Weltmeistertitel angesprochen, so dass wir gerne Rede und Antwort stehen. Der folgende Stadtrundgang durch Salem ist eher ernüchternd, was aber auch an dem gemütlichen Dauerregen liegen könnte. Festzuhalten bleibt, dass die Stadt sich bös‘ damit brüstet, vor vielen Jahren rothaarige Frauen, die wem auch immer nicht in den Kram gepasst haben, auf den Scheiterhaufen geworfen zu haben (natürlich etwas überspitzt formuliert). Eigentlich eher unschön, aber political (in-)correctness hat hier nichts zu suchen. Fahren wir also weiter…..

Tag 5 und 6
Sippewissett Campground – Falmouth, Cape Cod
Als nächstes machen wir auf Cape Cod Station. 


Nach einem Zwischenstopp in New Bedford, ehemaliges Walfangmekka der Vereinigten Staaten, und dortigem Lunch sowie Besuch des Walfangmuseums erreichen wir bei unfreundlichem Wetter unseren Campingplatz, der sich nach dem Flop am Vortag glücklicherweise nun wieder als nutzbar erweist. Unser Lagerplätzchen stellt uns voll zufrieden und auch die sanitären Einrichtungen sowie die Umgebung finden Gefallen.


Ein Waschraum ist auch vorhanden und erweist uns vor der Abreise wertvolle Dienste. Vorher will aber noch ein ganzer Tag auf dem urwüchsigen und strotzend grünen Kap genutzt werden und da uns die Fähren nach Martha’s Vineyard und Nantucket zu teuer sind und auch zu viel Zeit fürs Fahren „drauf“ ginge, entscheiden wir uns ganz sportlich für eine gediegene Radtour auf einem ehemaligen Gleisbett im Norden der Halbinsel. Aus gediegen wird bei hochsommerlichen Bedingungen ziemlich schnell schweißtreibend. Auch ein kurzer Abstecher an den Strand kann nicht wirklich für Abkühlung sorgen, obwohl Mr. T. durch zu mutiges an-der-Brandung-Niederlassen kräftig durchgespült wird. Da die männliche Coolness kein schnelles Aufspringen zulässt, kann nur Frau T. der brodelnden Gischt hektisch den Rucksack inklusive Laptop entreißen und die Gemüter und Textilien müssen anschließend erstmal kurz in der Sonne „trocknen“.


Nach dem Rückradeln sind wir ganz schön platt, machen auf der Heimfahrt noch ein paar Besorgungen und verköstigen uns mit Barbecuehähnchen vom Grill. Hört sich lecker an, nach der Campingwoche muss man aber feststellen, dass nix über die Grillauswahl bei deutschen Metzgern geht. Wir begeben uns wieder zeitig in Morpheus‘ starke Arme und rüsten uns am nächsten Morgen für das Hochzeitswochenende in Boston, der Wiege der amerikanischen Unabhängigkeit.

Montag, 25. August 2014

Unsere Reise durch das England der neuen Welt: Teil 2

Tag 3
Salty Acres Campground – Kennebunkport, Maine
Weiter geht unsere kleine Rundreise. Heute verlassen wir Vermont und durchqueren New Hampshire, um nach Maine zu gelangen. Nach einem Zwischenstopp in Maines größter Stadt Portland (recht unspektakulär, aber endlich Clam Chowder für Mr. T.) übernachten wir auf einem Campingplatz in Kennebunkport. Hier haben wir scheinbar bei der Buchung alles richtig gemacht. Wir können mit unserem Auto/Bett direkt auf unseren Platz fahren, haben einen Stromanschluss und vor allem steht unser Auto heute Nacht gerade und nicht in Hanglage. 


Zum Abendessen gibt es vom Grill eine fantastische Schweinelende mit Tsatziki – wir schweben im siebten Camperhimmel.



Die sanitären Einrichtungen sind okay, kommen aber bei weitem nicht an das Niveau unseres ersten Campingplatzes heran. Allerdings gibt es hier nun auch ein großes Spülbecken, wir freuen uns ja auch schon über kleine Dinge. Mittlerweile sind wir im Aus-/Ein- und Umpacken unseres Autos fast schon alte Hasen und können die gewonnene Zeit nutzen, um im Auto ein Rommé „zu kloppen“ (ich sag‘ ja, wir lernen, uns über kleine Dinge zu freuen). Am nächsten Morgen freue ich mich auf einen Bacon-Käse-Toast vom Grill und einen leckeren Tee mit Wasser aus dem Wasserkocher. Doch Mr. T. kann diesen beim besten Willen nicht in der Dachbox finden?!
Rückblende: Am Tag zuvor werden wir auf dem Highway von einem anderen Autofahrer durch wilde Gestikulation darauf aufmerksam gemacht, dass mit unserer Dachbox irgendetwas nicht stimmt. Bei der nächsten Gelegenheit fahren wir vom Highway ab und stellen fest, dass die Dachbox nicht richtig verschlossen war und zum Teil offen stand. Stimmungstechnisch nur semioptimal. Aber wenn etwas rausgeflogen wäre, dann hätten wir das doch mitbekommen…, oder?
Wie es nun also scheint, ist der Wasserkocher hops gegangen. Oh Gott, wenn den jemand anderes auf die Windschutzscheibe bekommen hat? Wieso haben wir nicht bemerkt, dass etwas rausgeflogen ist? Im Laufe der nächsten Tage bzw. Wochen stellen wir noch weitere Verluste fest, wie zum Beispiel Frau T.‘s Skihose, Mr. T’s Skiunterhose, Schal, iPod sowie Pulsuhr inklusive Brustgurt (bei Letzterem habe ich ohnehin nicht verstanden, wieso das mit nach Kanada musste!).  Sehr ärgerlich, letztendlich aber dann doch nur „Dinge“. Hoffentlich ist nun jemand im Besitz dieser Gegenstände, der sich darüber freut und sie mehr zu schätzen weiß und auch seine Dachbox immer richtig verschließt. Das Thema Dachbox bleibt übrigens ein Running Gag, denn einige Tage nach dem Neuenglandtrip werden wir abermals auf dem Highway darauf aufmerksam gemacht, dass sie nicht richtig verschlossen ist. Ich wage die Behauptung, dass sich Männer und Lerneffekt irgendwie nicht miteinander vereinbaren lassen, aber das führt nun definitiv zu weit. Es gibt also KEINEN Tee und durstig verlassen wir den Campingplatz und besichtigen das kleine, aber feine, Hafenstädtchen Kennebunkport, in dem es sich neben diversen Ostküstenmagnaten auch die Cowboys George W. Bush und Vaddern gutgehen lassen, wie man an deren bescheidenen Hüttchen (erstes Bild) sehen kann.