Donnerstag, 27. November 2014

Der Urlaub ist zuende!


Nach unserem über dreiwöchigen „Heimaturlaub“ unter der Sonne Floridas, beginnt dann wieder der Ernst des Travellerlebens, welcher uns vom äußersten amerikanischen Südosten in den äußersten amerikanischen Nordwesten führen soll (note to myklugscheißerself: Ok, Alaska zählt jetzt mal nicht). Praktischerweise treten wir diesen Trip mit dem Flugzeug an, denn für ‘nen Roadtrip ist‘s uns einfach nicht weit genug. Unter Berücksichtigung unseres Budgets (oder liegt es einfach nur am Flugplan?) müssen wir die Reise allerdings über Detroit antreten, wo dann die Transitzeit zwischen den Fliegern mit 35 Minuten nur sehr knapp bemessen ist. Dies bereitet Frau T. im Vorhinein zwar ein paar Bauchschmerzen, aber eigentlich nimmt sie es schon ganz schön locker kanadisch. Dennoch planen wir dann wiederum ganz urdeutsch, beim Umstieg keinerlei Zeit zu verlieren und maximal effizient vorzugehen. Der Flug von Orlando nach Detroit ist nicht viel mehr als ein Katzensprung und verläuft ganz sanft, etwas stutzig macht uns nur das Pärchen mit Kleinkind neben uns, da SIE es sich auch während des Landeanflugs mit dem Kleinen ganz kuschlig macht und quer über die Dreierreihe entspannt abhängt. Sobald die Maschine am Gate andockt und die Reihen vor uns den Flieger verlassen, gehen wir auch schon in leichten Trab über, da der Weiterflug ungünstiger Weise vom anderen Ende des Terminals abgeht. Aus leichtem Trab wird moderater Galopp, bis die Lunge brennt und die Beine etwas weich werden. Natürlich haben wir es aber noch “in time“ geschafft und können problemlos boarden. Wir sitzen bereits zehn Minuten und so langsam müssten die Türen schließen, da sehen wir wie die Landeanflugsfamilie locker mit Kind, Kegel und Starbucksbechern den Gang entlanggeschlurft kommt. Uns wird also direkt wieder eine „hang loose“-Lektion erteilt, auch wenn einem das mit dem Lockerbleiben nicht immer so leicht fällt, wie sich im Tagesverlauf noch zeigen wird. Der Flug von Detroit nach Seattle verläuft aber auch wieder reibungslos und wird uns durch die kleine Sophie, 11 Monate, versüßt, die mit ihrer Mama neben uns sitzt und uns mit ihrer Zuckerschnute bespaßt. Oder verläuft es andersrum? Das Gröbste ist nun also geschafft und jetzt heißt es nur noch Koffer schnappen, Auto abholen und auf zum Übernachtungsstopp. Leider hakt es dann aber schon beim ersten Schritt. Das Gepäckband dreht seine Runden, entledigt sich bald all seiner Last und stoppt dann irgendwann. Unsere Koffer hat es aber leider nicht gebracht. Mist, müssen wir wohl bei dem Deltaschalter reklamieren. Nun wäre es der Sache sehr zuträglich, Mr. T. hätte seinen Gepäckschein aufbewahrt. Ist aber leider nicht der Fall, denn wie hätte man(n) auch ahnen können, dass man dieses Ding wirklich mal braucht. Frau T. reagiert very not amused und unsere Größenverhältnisse ändern sich für den Augenblick drastisch. Die Frau am Deltaschalter sieht das aber ganz entspannt und findet unser Gepäck auch so, dass es allerdings vorerst in Detroit geblieben ist, scheint für sie das normalste der Welt zu sein. Mit dem nächsten Flieger sollte es dann aber klappen, ausliefern können Sie das Gepäck bis dorthin wo wir übernachten nicht, wir sollen dann doch einfach ab 19.30 Uhr nochmal vorbeischauen. Wenn‘s weiter nichts ist… Wir machen also aus der Not eine Tugend, müssen ja eh erstmal zu unserem Auto kommen und unsere Reiseroute Richtung Norden führt uns dann glücklicherweise ohnehin wieder am Airport vorbei. Nun folgt der nächste Stolperstein: Die Visitenkarte unseres Shuttleservice (Teil unserer ParkSleepFly-Combo) weist uns an, telefonisch das Shuttle zu ordern und dann vor dem ABFLUGS-Bereich zu warten.  Auch die unmotivierte Dame am Telefon lässt uns in diesem Glauben, in zehn Minuten sei der Fahrer da. Nach einer knappen Stunde und dem mittlerweile dritten Reklamationsanruf stellt sich dann jedoch schon heraus, dass der Pickup im ANKUNFTS-Bereich erfolgt. Haben also wohl schon gefühlt 27 Fahrer umsonst auf uns gewartet, während wir eine Fahrspur oberhalb standen wie die Eisheiligen, der Temperaturunterschied Florida – Washington beträgt läppische 26 Grad. Eigentlich wird es langsam fast amüsant. Glücklicherweise stellt sich dann wenigstens der Taxifahrer als fahrtauglich, ortskundig und englischsprachig heraus, so dass wir es endlich zum Parkplatz unseres guten, alten Reisebegleiters schaffen. Unsere treue Seele von Automobil erweist sich dann auch wieder als verlässliche Konstante unseres so unsteten Daseins und schnurrt nach 4 Wochen Stillstand wie ein Kätzchen. Da wir bis zur Gepäckankunft noch ein wenig Zeit haben, schippern wir erst zur unvermeidlichen Fastfoodbude (wie immer verlaufen Ernährungsbewusstsein und Erschöpfung genau entgegengesetzt), anschließend zum Flughafen, liebkosen unsere Koffer und weiter geht’s nach Arlington eine Stunde nördlich von Seattle, unser Hort für die Nacht. Für einen sehr vernünftigen Preis (Amerika ist einfach so much cheaper als unsere Wahlheimat)  nächtigen wir im Hotel und kaufen uns am nächsten Morgen auf Empfehlung von Rollie aus Nimpo Lake bei Discount Tire zwei neue Schlappen für hinten. Die ganze Transaktion verläuft sensationell günstig, schnell und kundenfreundlich, hat er also echt gut empfohlen, der Rollie. Uns reicht‘s jetzt aber mit der Reiserei schon wieder und so sind wir froh am frühen Nachmittag in Vancouver einzulaufen, unserer Heimat bis zum Jahresende. Die Einreise nach CAN verläuft wieder ganz geschmeidig, wir vergessen zwar zuerst unseren Reifenkauf anzugeben, dem aufmerksamen Grenzbeamten entgeht dies allerdings nicht. Stellt aber keinerlei Problem dar und als wir ihm von unserer Beschäftigung auf dem Weihnachtsmarkt erzählen, wird unser Verhältnis fast schon freundschaftlich. In Vancouver haben wir uns per AirBnB sehr gediegen mitten in der Stadt in Yaletown eingemietet. Das kommt uns zwar überhaupt nicht günstig, unter Abwägung der Pro’s und Kontra’s finden wir aber, dass es die beste Lösung ist. Wir residieren ganz nordamerikanisch-urban in einem Appartementhochhaus mit Zugangscode, Pförtner, Pool und Fitnessraum, haben eine kleine, aber recht feine, Wohnung und das Auto passt auch in die Tiefgarage, ist sogar locker noch 1cm Platz bis zur Decke. Hätten wir ja nochmal aufstocken können… In den nächsten Wochen wird nun wie die geneigte Leserschaft weiß und oben geschrieben so richtig malocht; festangestellt, Vollzeit, mit allem Pipapo auf dem Vancouver Christmas Market nach Art eines Deutschen Weihnachtsmarkts. Mit anderen Worten, wir verdienen Geld! Mehr hierzu dann im nächsten Beitrag, bis dahin erfreuen wir uns sehr an der – wie allseits bekannt - extrem lebenswerten Stadt Vancouver, BC. An dieser Stelle verweise ich gerne nochmal auf unser Weihnachtspostgewinnspiel.

Freitag, 21. November 2014

18.10.-18.11: der sechste Monat

Alle Monate wieder - ja, bald kommt das Christkind. Aber heute ist es erst einmal wieder Zeit für eine kleine Zusammenfassung. Die letzten Wochen waren wirklich besonders. Wir haben ein paar Flugmeilen hinter uns gebracht, waren in 4 verschiedenen US-Staaten, haben eine kleine Reunion mit einem Teil der Frau T.-Familie gefeiert, hatten Halbzeit und sind seit sechs Monaten unterwegs. Und die letzten beiden Events waren nicht am gleichen Tag - denkt mal drauf rum.
Nun sind wir an unserem Wintereinstiegs-Weihnachts-Stopp angekommen und fühlen uns in Vancouver pudelwohl. 

Mr. T. hat ein wenig an unserer Reiseübersicht herumgeschraubt, was nur zu ganz wenig Diskussionen im Hause T. geführt hat, und dabei haben wir festgestellt, dass sich seit dem ersten Monat Fehler in unsere Statistik eingeschlichen haben, die wir sukzessive mitgeschleppt haben. Pfui! Hier kommt nun alles ganz sauber und richtig, wir wollen uns ja nix vorwerfen lassen, gell!?

Et voilà - die Halbjahresstatistik

Übernachtungen
AirBnB: 59
workaway: 47
Ferienhaus: 13
Camping/Auto: 9
B&B: 8
Schiff: 7
Hotel: 7
Cabin: 6
Motel: 2
Couchsurfing: 1
Family&Friends: 25

Anderer Kram
Tankfüllungen (ohne die der Mietwagen in NY und Florida): 37
Gefahrene Kilometer (ebenso ohne die der...ihr wisst schon): 16.389
Im Flugzeug zurückgelegte Kilometer (ohne den Hinflug nach Kanada): 11.301
Starbuck (Iced) Chai Tea Lattes: zu viele
Burger: geht eigentlich - vor allem leckere selbstgemachte in Florida
Der Ausruf von Frau T., dass sie Vancouver liebt und hier für den Rest des Reisejahres (oder ihr ganzes Leben) bleiben will: weiß Mr. T. nicht mehr - er stellt auf Durchzug.

Und so sieht das dann auf der Karte aus:


Wir wissen ja, dass sich einige von Euch Gedanken machen, ob wir auch ausreichend für den kanadischen Winter gewappnet sind. Wir können mit stolz geschwellter Brust und vollem Bauch sagen: Ja, sind wir! Bildbeweis anbei.


Und das ist gleichzeitig der Beweis dafür, dass wir Post erhalten können. Also, denkt an unser Gewinnspiel und füllt unsere Postbox! Und beeilt Euch - die Post braucht mitunter ganz schön lange bis an die Westcoast.

Montag, 17. November 2014

Auf magischem Selbstfindungstrip


An was denkt Ihr, wenn Ihr Florida hört? An Sonne, Palmen, Strand, Cocktails, Spring Break, (CSI) Miami (Vice), Shopping? Denkt Ihr vielleicht auch ein klitzekleines magisches bisschen an Disneyworld und Mickey Mouse? Dann seid Ihr hier genau richtig. Denn heute entdecken wir unsere Disneyseite. Glaubt man der Werbung, die im amerikanischen Fernsehen läuft, dann hat jeder von uns eine Disneyseite, man muss sie nur entdecken. Und wo könnte man das besser als im Magic Kingdom, dem Zuhause von Mickey, Goofy und Co? Nirgendwo, und deswegen schnappt sich Frau T. Mama P. und Schwester L. (Schwester S musste zuhause in Rödelheim bleiben) und verbringt einen Tag mit großen Kinderaugen. Im Vorfeld bereitet sich Schwester L. (aufgrund immenser Vorfreude?) akribisch auf diesen Tag vor und recherchiert, an welchen Tagen mit dem geringsten Besucheraufkommen, ergo mit der kürzesten Anstehzeit, zu rechnen ist und welche Laufroute strategisch am verkehrsberuhigtesten ist. Frau T. will davon nix wissen. "Ich lauf doch net kreuz und quer durch den Park, nee nee, wir laufen schön im Kreis." Aber erstens kommt es ja bekanntlich anders und zweitens als man...ihr wisst schon.


An einem warmen Dienstagmorgen geht es dann los. Die Männer überlassen wir sich selbst (Golf spielen, an der Strandbar sitzen, zuhause Linsensuppe essen) und nach einem frühen Frühstück sitzen wir im Auto. Eine Stunde später (10 Minuten vor Parköffnung) reihen wir uns in die Autoschlange am Parktickethäuschen ein. Wieso ist denn hier schon so viel los? Der nette Mann, der uns das Parkticket überreicht, wünscht uns einen "magical day". Das fängt doch schon mal nett an. Am eigentlichen Tickethäuschen übt die Verkäuferin dann ihre noch rudimentär vorhandenen Deutschkenntnisse aus, denn sie hat mal in "Staaaadaaaa - close to Hamburg" gewohnt. Ihre freundliche Frage "möchten Sie mit mir einkaufen gehen?" muss ich heute leider verneinen, ich hab ja wichtigeres vor. Selbstfindung - wo ist meine Disneyseite? Bevor man in den Park an sich kommt, muss man vom Tickethäuschen aus noch mit einer tollen Monorailbahn fahren. Fand ich als Kind immer total cool und scary, so weit über der Erde zu fahren. Jetzt will ich einfach nur schnell in den Park, denn laut Schwester L. ist an der "7-Zwerge-Bahn", eine Art Holzachterbahn, immer am meisten los, weil sie neu ist. Wir wollen also schnurstracks dorthin eilen. Als wir endlich am Haupteingang des Parks ankommen (mittlerweile 15 Minuten nach Öffnung), sind da noch ganz viele andere Menschen und wir müssen noch durch einen Handtaschencheck. Als diese Hürde auch überwunden ist, finden wir uns auf der Main Street wieder. Die Main Street  ist voller Souvenirgeschäfte und führt zum Cinderella-Schloss, das Ludwigs Neuschwanstein, optisch nachempfunden wurde und wohl das am meisten fotografierte Objekt des Vergnügungsparks darstellt. Denn hier werden schließlich Träume wahr, wie wir später am Tag bei einer Show vorm Schloss noch feststellen werden, als die Romantiker Mickey und Minnie Donald davon überzeugen, dass Träume wahr werden, wenn man nur ganz ganz fest daran glaubt. Mama P. ist total fasziniert - wieviele tolle Fotomotive es gibt. Verträumten Blickes bleibt sie stehen, knipst mal hier hin und mal da hin. Schwester L. und Frau T. werden schon ungeduldig, wir wollen doch zu den Sieben Zwergen und versprechen Mama P., dass wir später nochmal wiederkommen und sie dann soviel fotografieren darf, wie sie nur will (die Kinderlein werden dafür bei oben genannter Show geparkt). Auf jetzt zu den Sieben Zwergen. Wir hasten durch das Cinderellaschloss und überholen schon den ein oder anderen Buggy - Platz da! Leicht außer Atem kommen wir am "Ride" an und eine beachtliche Schlange hat sich bereits davor gebildet. 90 Minuten Wartezeit....what the *#$% !? Nö, also dafür ist uns unser magical day zu schade. Heute sollen doch gar keine so lange Schlangen sein und wenn man zuerst zu diesem Ride geht, dann ist doch noch nicht so viel los. Mir dünkt, es haben noch andere Parkbesucher die Statistiken durchgeackert. Jaja, traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Aber es gibt ja noch so viel zu entdecken (ist ja nicht so, als wären wir schon zigmal im Park gewesen) und so trollen wir uns zum FastPass-Automaten. Hier kann man sich für drei Attraktionen einen sogenannten FastPass ziehen, der einem das Schlangestehen ersparen soll, indem man zu einer vorgegebenen Zeit zur Attraktion geht. Schnell merke ich, dass mein Vorhaben nicht ständig hin und her zu laufen, gerade im Sande verläuft. Man tut halt, was man tun muss. Wir wollen ja auch so viel wie möglich fahren, bis die Zuckerwatte wieder...naja, lassen wir das. Am FastPass-Automaten treffen wir einen netten älteren Parkmitarbeiter, der uns mit "give me four" begrüßt. Ich bin ja net doof, klappe meinen Daumen ein und gebe sie ihm. Irgendwie stehe ich aber doch auf dem Schlauch und muss mir später von den Mädels erklären lassen, wieso der Mann mir nur vier Finger entgegengestreckt hat. Schließlich fehlt ihm an sich kein Finger.


Aber ich möchte nicht weiter darüber nachgrübeln. Wir beschließen, unsere Disneyseite bei den Teetassen von Alice im Wunderland zu suchen und drehen uns schon kurz darauf (hier keine Schlange!) wildest im Kreise. So sehr, dass wir uns beim Aussteigen am Rand der Tassen festhalten müssen. Wilder kann es kaum werden. Doch wir lassen (fast) nichts aus. Wir rasen mit Goofy durch eine Scheune, fliegen mit Dumbo durch die floridianische Luft, retten Buzz Lightyear mit Laserpistolen vor dem allmächtigen und natürlich total bösen Zurg (der hat wohl seine Disneyseite noch nicht entdeckt) und müssen dann um kurz vor 11 Uhr feststellen, dass wir schon ganz schön Hunger haben. Auch hier sind wir net blöd - ist doch klar, dass jeder zwischen 12 und 13 Uhr zum Lunch geht. Wir gönnen uns also eine frühe Burger- und Pommesschlacht, um uns für die noch anstehenden Strapazen zu stärken.


Anschließend fliegen wir auf Aladdins Teppich, finden erst viel zu spät den Knopf, mit dem man die Steigung ändert und müssen deswegen unbedingt nochmal fahren. Bei den Piraten in der Karibik treffen wir auf Jack Sparrow und rasen danach 3x mit der Eisenbahn durch den wilden Westen.


Vor lauter Reizüberflutung vergesse ich ganz, nach meiner Disneyseite Ausschau zu halten. Im Geisterhaus finde ich sie nicht, aber bei "A small World" geht mir schon ein bisschen das Herz auf. Man fährt durch eine dunkle Wasserwelt, in der pro Raum ein Kontinent mit seinen einzelnen Nationen vorgestellt wird. Jede Nation trägt die für sie typische Kleidung (oder zumindest so, wie sie von anderen Kulturen wahrgenommen werden, denn, wie könnte es bei den Deutschen anders sein, sie tragen Lederhose!) und singt das Lied "It's a small world" in ihrer Landessprache. Im letzten Raum dann findet man alle einzelnen Nationen wieder, nun tragen sie aber alle weiß und haben eine gemeinsame Sprache: "lalala". Einerseits natürlich wunderschön (Weltfrieden und so), andererseits aber auch beängstigend (Globalisierung, Klonen...). Hmm, also rührend ist es schon, aber so ganz bin ich noch nicht überzeugt. Dann fahre ich lieber in einem überdimensionalen Honigtopf durch die Welt von Winnie Pooh...oder auch nicht. Ganz schön öde. Zuguterletzt müssen halt doch wieder die Teetassen herhalten, die sind heute unser Alpha und Omega und da bei den Sieben Zwergen immer noch die Hölle los ist, beschließen wir um 19 Uhr, den lieben Walt einen guten Disney sein zu lassen und machen uns auf den Rückweg. Auf der Autofahrt begleitet uns die Melodie der Disneyparade, die sich als Würmchen in unsere Ohren geschlichen hat. Mission "Disneyseite finden" defintiv geglückt!



Samstag, 15. November 2014

Alles - nur keine Rechnungen!


Woohoo, für die nächsten sieben Wochen haben wir ein und dasselbe Dach über dem Kopf. Nachdem wir in den letzten Monaten so viele Karten geschrieben haben, würden wir uns nun riiiesig freuen, auch mal Post zu bekommen. Wie wäre es mit einer schönen Postkarte? Oder einer besinnlichen Weihnachtskarte? Eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt - überrascht uns doch mal. Unter allen Einsendungen wird ein toller Kanadaüberraschungsgewinn ausgelost.

Hier die Adresse:
D+D Tischner
939 Homer Street
Suite 706
Vancouver, British Columbia V6B 2W6

P.S. Aber denkt dran - Santa Claus hat viel zu tun und wir sind nur bis Ende Dezember hier. Also bitte beeilen und nichts nach dem 10. Dezember mehr losschicken, es würde uns leider nicht mehr erreichen und das wär doch schade!

In diesem Sinne freuen wir uns auf eine postreiche Vorweihnachtszeit!

Dienstag, 11. November 2014

Hochzeitswochenende reloaded

"If I can make it there, I'll make it...anywhere..." könnte man entgegen der eigentlichen Bedeutung auch übersetzen mit "wenn du es hier HIN schaffst, schaffst du es überall HIN" und so kommt es uns auch ein bisschen vor, denn das Hochzeitswochenende in Beacon, NY ist für uns nur ein kurzer Zwischenstopp auf unserem Weg in das warme paradiesische Florida, in dem wir 3,5 Wochen lang Erholung suchen von den Arbeits- und Reisestrapazen der letzten Monate. Heiraten wird Mr. T.'s Cousine dritten Grades (oder so), die Schwester vom Cousin dritten Grades (oder so), dessen Hochzeit wir im August beiwohnen durften. Wir freuen uns, unsere erweiterte Familie wieder zu sehen, dennoch, richtig euphorisiert sind wir im Hinblick auf die Hochzeit nicht (Reisemüdigkeit, ihr wisst schon). Wir wollen diesen Programmpunkt nur abhaken, um dann endlich in einem unserer zweiten Zuhauses dieser Welt - Florida - anzukommen. Der Einfachheit halber haben wir jedem gesagt, wir fliegen nach New York zu einer Hochzeit, klingt einfach geiler als "wir fahren nach Beacon im Bundesstaat New York, ca. eineinhalb Stunden nördlich von DEM New York". Und ganz doll gelogen ist es ja nicht, denn wir landen an einem der drei DIE Stadt umgebenden Flughäfen (Newark in New Jersey) und erhaschen sogar einen kurzen Blick auf die Skyline mit dem neuen World Trade Center auf unserem Weg Richtung Norden mit dem Mietwagen. Hach ja, die amerikanischen Highways und ihre virtuosen Autofahrer. Immer wieder herrlich. Wir entgehen um Haaresbreite einer Massenkarambolage, als vor uns zwei Autos seitlich ineinanderfahren. Da die Fahrer aber richtige Tiere sind, oder vielleicht nur experienced in dieser Hinsicht, fangen sie sich wieder und jeder kehrt auf seine Spur zurück, um wenige Meter später friedlich hintereinander auf den Seitenstreifen aufzufahren. Beim Aussteigen stolpert der eine über seinen Sitzgurt und fliegt fast noch auf den Highway. Hätte sich irgendwie uncool unter unseren Mietwagenreifen gemacht. Durch diesen Herz-in-die-Hose-Rutscher um ein graues Haar reicher erreichen wir das kleine Städtchen Beacon. Es ist beschaulich und schon verdächtig herbstlich mit rotem Laub und kreativer Halloweendekoration. Um unser Reisebudget zu schonen, haben wir wieder ein Zimmer über AirBnB gebucht, unsere Gastgeberin für die nächsten zwei Nächte heißt Jinny und hat eine schnuckelige Drei-Zimmer-Wohnung mitten im Ort. Sie heißt uns bereits an der Haustür willkommen und macht einen gescheiten Eindruck. Leider haben wir von ihr bislang noch keine Bewertung auf der Buchungsplattform erhalten und ich vermute stark, dass das damit zusammenhängt, dass meine Haare nach dem Duschen ins weiße Handtuch geblutet haben. Die zögerliche Friseurin Vanessa hat mir die Haare, wie sich herausstellt, aus Angst vor meiner Courage (?) nur getönt und so verliere ich bei jeder Wäsche Farbe. Ups, unangenehm. Vor lauter Scham versuche ich nach dem ersten Duschgang noch meine Haare mit Klopapier zu trocknen, hat das schon mal jemand von Euch versucht? Ich kann es nicht empfehlen. Hat so ein bisschen was von Rocky Horror Show im Freilichttheater bei Regen (ja, ich habe schon viel erlebt!). Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, Jinny ist nett, viel halten wir uns aber nicht in der Wohnung bzw. in unserem Zimmer auf, denn wir sind ja hier um einer Hochzeit beizuwohnen. Wie es wohl amerikanischer Standard ist, wird am Vorabend zu Cocktails geladen, vorher stärken wir uns noch bei einem vollgestopften Mexikaner und dürfen mit den anwesenden Mariachis eine kleine Jamsession zum Latinoevergreen "Pretty Woman" abhalten. Darf ich vorstellen: Sancho T. an den Holzrasseln und am Schellenkranz Pancho T. CDs verkaufen wir dann nächstes Jahr, wenn wir auf große Frankfurter Stadtteile-Tournee gehen.
Zurück zum eigentlichen Thema: beim Cocktailempfang gibt es wieder mal ein großes Hallo, unsere Verwandten aus Kanada und USA finden es natürlich "absolutely awesome", dass wir wieder mit von der Partie sind und wir werden erstmal den Brautjungfern vorgestellt und fachsimpeln über das Oktoberfest. Eigentlich will jeder mal unbedingt aufs Oktoberfest nach München oder war schon mal da. Das muss tatsächlich für die Nordamerikaner urdeutsch sein und wir lassen sie gerne in dem Glauben. Vielleicht sind sie enttäuscht, dass wir zur Hochzeit am nächsten Tag nicht in Dirndl und Lederhose erscheinen? Cousin R. berichtet uns noch mal, wie toll seine Trauzeugen es bei seiner Hochzeit im August fanden, dass wir "Livin' on a prayer" mitgegrölt haben. Wir freuen uns, dass wir damit scheinbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
Am nächsten Tag machen wir zu zweit die Main Street von Beacon unsicher. Wie geschrieben, das Städtchen ist klein und so treffen wir auch den ein oder anderen von der Hochzeitsgesellschaft wieder. Zum Frühstück gibt es hervorragende Bagels, bevor wir ein bisschen auf und ab bummeln. Sehr schnucklig, das alles.


Aufgehübscht geht es dann am späten Nachmittag zur Feierlocation - dem Roundhouse in Beacon. Das Roundhouse ist ein Hotel/Feierlocation im Industrial Style, also sehr modern und eher nüchtern. Im Gegensatz dazu steht die romantische Lage an den kleinen Beacon Falls. Zur Begrüßung erhalten wir einen Humpen Lemonade mit bunt gestreiftem Strohhalm oder wahlweise, aufgrund der eher herbstlichen Temperaturen, auch einen heißen Cider. Die Trauung findet draußen statt und es könnte alles so märchenhaft sein, wenn es nicht nach 2 Minuten anfangen würde zu regnen. Die Braut macht gute Miene zu nassem Spiel und versteckt sich unter einem Schirm, aber eine halbe Minute später, als der Regen etwas stärker wird, ziehen wir in das Gebäude um, wo die Trauung in der Eingangshalle weiter vollzogen wird. Dort ist man nicht so richtig auf einen möglichen Wetterumschwung vorbereitet. Schnell werden für die älteren Gäste Stühle bereit gerückt, wir dagegen werden immer weiter nach hinten gedrückt und ich mache aus der Not eine Tugend und steige kurzentschlossen auf einen Stuhl, um nicht nur zu hören, sondern auch was zu sehen. Das Brautpaar hat bereits vor zwei Tagen im Rathaus von New York (diesmal wirklich die Stadt) geheiratet, das hier ist eigentlich nur noch Show, denn der Zeremonienmeister ist unser Onkel R. aus Toronto. Das Brautpaar hat sich eine Quäker-inspirierte Zeremonie gewünscht, die dadurch gekennzeichnet wird, dass der Stille ausdrücklich Raum gegeben wird und dass Freunde und Verwandte nach vorne treten können und eine Anekdote erzählen, ein Gedicht vortragen, etc., die/das sie mit dem Brautpaar verbindet. Eigentlich ein schöner Gedanke und so können wir gleich noch ein paar weitere Gäste kennenlernen. Überhaupt lernen wir heute wieder zig neue Leute kennen, jeder möchte uns mit jedem bekannt machen. Wir sind halt auch echt coole Typsen.


Hach, das ist alles so romantisch und rührend. Mitten während der Zeremonie sorge ich im hinteren Bereich des Raumes jedoch noch mal kurz für Aufregung, als eine Frau mir zuflüstert, dass gerade eine Wespe mein Bein hochgekrabbelt ist. Eine Wespe? Im Oktober? Naja, es gibt ja auch Leute, die bekanntlich Pferde vor Apotheken kotzen sehen...ich will der Sache auf den Grund gehen und informiere Mr. T., dass er mir umgehend nach draußen zu folgen hat. Wir laufen einmal um die Ecke vor den Lieferanteneingang und geben sicher ein tolles und phantasieanregendes Bild ab, als ich mich bücke und meinen Rock hochziehe, damit er mich auf Wespenspuren untersuchen kann. Und das im prüden Amerika. Er ist glücklicherweise nicht erfolgreich und der Koch, der kurz aus der Tür schaut und wahrscheinlich einfach nur ein Kippchen rauchen möchte, zieht sich blitzartig verstört zurück. Wir schleichen zurück zur Trauung und die Wespenalarmfrau ist ganz enttäuscht, dass wir nichts gefunden haben. 
Schwuppdiwupp ist es schon Zeit für den Sektempfang und der findet wieder draußen statt, wo es mittlerweile aufgehört hat zu regen. Die sich anschließende Feier ist rund und nett. Wir erfüllen Cousin R. den Wunsch und tanzen und grölen mit ihm zum obligatorischen "Livin' on a prayer". Das eigentliche Highlight des Abends ist jedoch nicht das Brautpaar, sondern ein Fotoautomat, in dem man lustige Fotos mit noch viel lustigeren Requisiten machen kann. Je später der Abend, desto vollbepackter die Fotobooth (sechs Personen sind wirklich das Maximum, das kann ich bezeugen!) und desto kurioser die Fotos. Herrlich! 
Wir sind ja schon drauf vorbereitet: um 23 Uhr gehen die Lichter an und wir ziehen weiter zur Afterparty, wo wir uns jedoch nach eineinhalb Stunden dann verabschieden, bevor Mr. T. die ganze Hochzeitsgesellschaft nach Deutschland einlädt. Ich kann gerade noch Schlimmeres verhindern und verfrachte meine bessere Hälfte in sein AirBnB-Bett, wo er mich mit einem Schnarchkonzert verwöhnt. Liebe ist...
Am nächsten Morgen sind wir etwas platt, freuen uns aber wie Bolle auf Florida. Auf dem Weg zum Flughafen frühstücken wir erst einmal ausgewogen Burger und Cheese Fries bei Shake Shack (große Empfehlung!) und stellen fest, dass das Wochenende ja doch ganz schön schön war und wir froh sind, dass wir diesen kleinen Zwischenstopp auf uns genommen haben. Aus dem Flugzeug heraus winken wir der Freiheitsstatue (komisch, sie reagiert gar nicht...). Sunshine State, HERE we come!


Samstag, 8. November 2014

Schlaflos (und vollbärtig) in Seattle

Nachdem wir die nervenaufreibende Einreise in die USA schlussendlich doch noch erfolgreich hinter uns gebracht haben, heißt das nächste Ziel Seattle. Die meisten denken sicherlich sofort an Meg Ryan, Tom Hanks und den dazugehörigen Film. Damit wir jedoch nicht wie diese beiden schlaflos bleiben, haben wir auch hier wieder eine AirBnB - Unterkunft (wann bekommen wir da eigentlich Provision für so viel Werbung bzw. Treuerabatt?) im hippen Stadtteil Capitol Hill gebucht. Unser Navi weist uns zuverlässig den Weg und froh, endlich angekommen zu sein, steigen wir aus dem Auto. Wir haben ein Zimmer in einer WG gebucht, vorab wurde ausgemacht, dass der Schlüssel in einer kleinen Box an der Tür vorzufinden ist, die wiederum mit einem Code geöffnet wird. Ich gebe also den Code ein, öffne die Box und hole KEINEN Schlüssel heraus. Es ist nämlich gar keiner drin. Eine Klingel gibt es nicht, auf unser Klopfen und Rufen reagiert niemand. Na toll, geschafft von den Strapazen des Tages bin ich einem Nervenzusammenbruch (DramaDramaDrama) nahe, aber Mr. T. löst die Situation mit kühlem Kopf und ruft bei unserem Gastgeber Chris an, der verspricht, sofort seinen Mitbewohner vorbeizuschicken. Tatsächlich dauert es auch nur circa 2 Minuten, bis uns ein hipper Kerl in den späten Zwanzigern mit einer Tasche, deren Riemen ein Flugzeuganschnallgurt ist (bitte fragt mich nicht, wieso ich dieses Detail nun 4 Wochen in meinem Gehirn abgespeichert habe) und mit Vollbart ins Haus lässt. Das ist wohl einer der Mitbewohner, er ist nett, seinen Namen habe ich jedoch schon wieder vergessen. Er zeigt uns kurz Zimmer und Bad und verschwindet dann schon wieder, nicht ohne uns noch vorher einen Schlüssel zu übergeben. Alles gut also, im sauberen Zimmer erwarten uns sogar schon Schoki und Rotwein. Aber es riecht komisch....nach Hundepipi, vermutet Mr. T., denn in der WG wohnen auch drei Hunde. Mit offenem Fenster und unter Zuhilfenahme einer Duftkerze geht es dann aber. Ansonsten gefällt uns unsere Unterkunft sehr gut, es liegt auch eine Mappe mit zahlreichen Essenstipps parat, genau das Richtige für uns, wir probieren umgehend einen leckeren Asiaten aus, in dem es wohl Voraussetzung für die Mitarbeiter ist, möglichst hip und lässig auszusehen. Und ganz wichtig für Männer in der ganzen Stadt: Vollbart. Das Essen ist formidabel, das Stadtviertel, in dem wir wohnen, ebenso. Viel Gastro, viele Einfamilienhäuser, viele Bäume, viele Hunde, teilweise schon Halloweendeko, viele junge Menschen. Schön schön schön. 


Am nächsten Tag starten wir zu einer Stadterkundung und haben die wild-romantische Vorstellung, am Pike Place Market (bekannte Markthalle an der Waterfront) Leckereien zum Frühstück zu schnabulieren. Wir kämpfen uns durch den Nieselregen (ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, ich bin mir ganz sicher, dass daher der Buchtitel "50 Shades of Grey" rührt) zur Markthalle und sehen, dass wir einer Touristenfalle aufgesessen sind. Oder wir haben einfach schon zu viele tolle, outstanding Markets in Nordamerika gesehen. Zuerst sehen wir einen Fischstand, dessen Angestellte im 15-Minuten-Takt für die Touristen Fische hin und her werfen und irgendetwas laut rufen. Mag ja ganz nett sein, aber mir ist es noch zu früh für Fisch. Der Markt hat mehrere Stockwerke, aber irgendwie spricht uns nichts so richtig an, das haben wir uns anders vorgestellt. Da muss erstmal, wie es sich in der Geburtsstadt von Starbucks gehört, ein Heißgetränk her. Wir verzichten jedoch auf ein Erinnerungsfoto vor dem Schaufenster des Ur-Starbucks und schauen lieber den asiatisch ausschauenden Mitmenschen zu, wie sie sich mit ihren Posen zum Obst machen. Vielleicht liegt es am Wetter, aber Seattle-Downtown vermag uns nicht so richtig vom Hocker zu reißen. Wir schlendern noch weiter durch die Stadt, unter anderem auch zur Space Needle, und folgen am Abend einer weiteren Essensempfehlung unseres Gastgebers, den wir diesen Morgen kurz vor der Tür getroffen haben, als er seine Hunde zum Gassigehen in den Garten geschickt hat. Frau T., noch vor 6 Monaten überhaupt kein Hundefan, hat sich in diesem Moment wie vom Blitz getroffen verliebt. Aber nicht in den, natürlich vollbärtigen, Gastgeber, sondern in einen kleinen Mini-Zwergdackel. Das Essen ist wieder herausragend lecker und auch wenn uns das Stadtbild keine Begeisterungsrufe entlockt, die Atmosphäre in der Stadt und das gastronomische Angebot wissen wir umso mehr zu schätzen. Letztendlich reicht auch ein Tag nicht aus, um alle Ecken zu entdecken und so wollen wir nicht vorschnell urteilen. Am nächsten Tag trennen sich mal wieder kurz die Wege von Mr. und Frau T., denn die Wollle muss ab und ich habe einen Termin beim Friseur. Meine "Stylistin" Vanessa ist total entsetzt, dass ich mir nicht nur die Haare schneiden, sondern diese auch noch färben lassen möchte. Sie glaubt mir nicht, dass mein (meinem Empfinden nach) Straßenköterdunkelblond mit hellen Strähnen meine Naturhaarfarbe ist und das alles so von ganz selbst wächst. Ich kann ja auch nix dafür, aber ich finde es total langweilig und kann sie nur mit Mühe und Not überzeugen, dass sie mir rote Chemie auf die Haare klatscht. Als sie zum Farbe anrühren geht, raunt sie ihrem Kollegen zu "Du wirst es nicht glauben, aber das ist ihre Naturhaarfarbe und sie will eine andere." Kurz darauf bekomme ich Besuch von ihrem Kollegen, vollbärtig natürlich. "Ist das wirklich deine natürliche Haarfarbe? Oh that's so awesome." Hmm, ich finde es ja so schön, dass hier alle so begeistert von meinem Helm zu sein scheinen, aber jetzt ist auch mal gut. Ich will jetzt endlich rote Haare! Und wieso sind die denn überhaupt nicht geschäftstüchtig? Abschneiden will sie die Haare nämlich auch nicht, die würden doch so cute aussehen. Glaubst du's denn? Ich lasse doch hier nicht meine Bucks, damit die mir ständig erzählen, es müsse nichts gemacht werden. Ab mit der Wolle, aber pronto. Und dass ich angeblich, die "cutest little ears" habe, möchte ich dann lieber geflissentlich überhören. Am Ende ist doch alles so, wie ich es wollte, und gefühlte 2kg leichter verlasse ich als Pumuckl den Salon. Geht doch!


Heute steht dann nur noch der Umzug ins Flugzeughotel an. Am nächsten Morgen fliegen wir bereits um 6 Uhr Richtung Osten, daher übernachten wir in der Nähe vom Flughafen und können auf dem Parkplatz des Hotels auch unser Piffimobil für die nächsten 4 Wochen abstellen. So weit so gut. Wir kommen am Hotel an und betreten die Lobby. Es scheint, als hätte hier kürzlich erst das Management gewechselt. Das Hotel hat früher zur Kette A gehört und gehört jetzt zur Kette B. Diverse Pakete mit Schildern und Corporate Identity Material fliegen in der Lobby rum, die Sitzmöbel wurden dafür ungemütlich zusammengeschoben. Die Rezeption ist nicht besetzt. Wir warten und warten und warten...die Klingel an der Rezeption funktioniert nicht. Mittlerweile warten mit uns noch drei weitere Parteien und eine Frau erbarmt sich und sucht eine Reinigungskraft, die mal den Manager oder so was ähnliches herbeirufen soll (der Herr, der schickt den Jockel aus...). Kurz darauf erscheint auch ein verschlafen wirkender und unmotivierter Mensch, der einen ohne viel Worte eincheckt. Das Zimmer ist okay, die Nacht kurz, denn um viertel nach 3 klingelt schon der Wecker. Der im Zimmerpreis enthaltene Shuttle zum Flughafen holt uns in einer halben Stunde ab. Die Rezeption ist zum Auschecken natürlich nicht besetzt, die Pakete fliegen immer noch rum. Nach ein bisschen Räuspern und Husten schlurft ein Mann mit beinahe noch verschlossenen Augen in mein Sichtfeld. Ich wünsche ihm freundlich einen guten Morgen, erhalte jedoch keine Antwort. Ich sage ihm, dass ich auschecken möchte, erhalte jedoch keine Antwort. Er tippt lustlos im Computer herum und streckt sich und gähnt. Huch, auf einmal öffnet er den Mund und es kommen Laute heraus. Aber ich verstehe sie nicht...aber ich glaube, er fragt, ob ich einen Beleg brauche. Ich will den armen Mann, der im Übrigen KEINEN Vollbart trägt, aber nicht weiter belästigen, und sage ihm, dass ich das nicht brauche. Schon kommt auch ein Taxi angefahren und fragt, ob wir Michael wären und einen Shuttle zum Flughafen gebucht haben. Stimmt ja halb, da wollen wir nicht päpstlicher als Franziskus sein und steigen ein. Auf einmal gerät der Rezeptionsmensch in Wallungen und wedelt hektisch mit irgendwas rum. Der Fahrer geht rein und bekommt wohl einen Voucher oder so was von dem müden Mann. Taxifahrer kommt zurück, lässt den Motor an und tippt auf seinem Telefon herum und murmelt was von "shortest way"...verstehe ich nicht ganz, bin jedoch beunruhigt, dass er für den 5 km Weg zum Flughafen, für den eigentlich nur ein Highway in Frage kommt, ein Navi benötigt. Vielleicht sollte ich eher beunruhigt sein, weil er das Handy während der Fahrt in der Hand behält und wie ein Besessener über den Highway heizt? Die Fahrt ist ja glücklicherweise nicht lange und am Flughafen angekommen, verlangt er einen Voucher? Ja, sind die denn alle bescheuert hier? Ich erkläre ihm, dass er diesen doch vom müden Mann schon bekommen hat. Ah ja, er erinnert sich, ist ja auch schon 8 Minuten her. Erleichtert sammeln wir unser Hab und Gut zusammen und flüchten in das Flughafengebäude. Ähnlich wie Meg Ryan und Tom Hanks machen wir uns nämlich nun auf nach New York - in die Stadt, die niemals schläft.