Montag, 4. Mai 2015

Die warmen Worte zum Schluss

Heute vor 50 Wochen sind wir das erste Mal in Kanada aufgewacht. "50 Wochen" - das hört sich ganz schön kurz an und wie sich heraus gestellt hat, ist es das auch. In einer Woche werden wir das erste Mal wieder in unserer Wohnung in Frankfurt aufwachen, wenn wir daran denken, fliegen gemischte Gefühle durch Bauch und Kopf. 

Wir möchten uns an dieser Stelle bei Euch für Euer Interesse an unserer Reise und Euer fleißiges Lesen bedanken! Vielen Dank! Uns hat es sehr viel Spaß gemacht, Euch hier im Blog von unseren Abenteuern zu berichten und deswegen arbeiten wir auch schon - jetzt können wir es ja sagen - seit mehreren Monaten an einem Buch über unser Kanadajahr. Es lohnt sich deshalb, die nächsten Wochen und Monate immer mal wieder hier reinzuschauen, um die Neuigkeiten rund um das Buch zu erfahren. Die letzten Tage in Wien werden wir nun blogfrei verbringen, wir brauchen jetzt endlich mal Urlaub! 

In diesem Sinne!


Freitag, 24. April 2015

Lainzer Tiergarten - eine kleine Wanderung


Kaiserschmarrn, Wiener Schnitzel, Sacher Torte, Melange, Aperol Spritz - in Wien kann man gut leben, sollte die Kalorien ab und an aber auch mal wieder abtrainieren. Nichts wie ab in den Lainzer Tiergarten, das ehemalige kaiserliche Jagdgebiet im Wienerwald. Der Lainzer Tiergarten befindet sich westlich von Wien und umfasst 2.450 Hektar. Hier findet man viel Grün (Bäume, Pflanzen), wilde Tiere (Wildschweine, Damhirsche, Mufflons,...) und die Hermesvilla - "das Schloss der Träume" - die Franzl für seine Sisi seinerzeit bauen ließ, damit die reisesüchtige Alte sich auch mal öfter in Wien blicken lässt. Ähämm, Mr. T., so ne kleine schnuckelige Villa in Frankfurt...vielleicht will ich dann nie wieder in Urlaub? 
Die Straßenbahn, hier auch Tram genannt, bringt uns quasi ohne Umsteigen von Haustür zu Tiergartentor. Wir starten unser kleines Wanderabenteuer beim Nikolai Tor, am nordöstlichen Zipfel des Parks.  Ein Ranger grüßt uns muffig, wir werfen einen flüchtigen Blick auf die Infotafel und sehen schon, welches Getier uns hier erwarten könnte. 900 Wildschweine leben im Lainzer Tiergarten, aber da es keine Warnschilder gibt, so wie in Kanada, bin ich mir auch sicher, dass uns nichts passieren kann. Frohen Mutes stapfen wir also los, den Rucksack mit ausreichend Proviant auf dem Rücken und bewaffnet mit einer Kamera. 

Noch finden wir sie niedlich

Erste Etappe: Nikolaitor - Hirschgstemm (5,6 km)
Wir starten auf einem Naturlehrpfad, dessen Verlauf durch ein kleines Wildschein (wie süß!) gekennzeichnet ist. Wir lernen, dass eine Fledermaus nachts mindestens 2.000 Insekten verschlingen muss, damit sie einigermaßen gesättigt ist, lauschen den Klängen eines Spechts und riechen den scheinbar allgegenwärtigen Bärlauch. In der Ferne sehen wir ein Tierchen, das gerade frisst. Ist es ein Pferd? Hmm, nein, die Beine sind so kurz. Ist es ein Pony? Hmm, könnte sein, aber doch irgendwie nicht. IST DAS EIN WILDSCHWEIN? Wir haben noch nie eines in freier Wildbahn gesehen, das ist doch nicht sooo groß! Oder etwa doch? Es ist zu weit weg, auch der Kamerazoom bringt keine 100%ige Gewissheit. Nur einen Kilometer weiter dann jedoch die Bestätigung: Es wimmelt nur so von Wildsäuen um uns herum. Wir sind umzingelt! Hilfe! Nur wenige Meter von uns entfernt stapfen zwei Exemplare durch den Wald, um dann zu einem Schweinsgalopp über den Wanderweg anzusetzen. Klick! Im richtigen Moment abgedrückt. Großer Respekt macht sich in uns breit. Denen scheint es hier ja gut zu gehen, wenn das solche Oschis sind. Man möchte ihnen lieber nicht alleine bei Nacht begegnen. Oder überhaupt. Wir setzen unsere Wanderung fort und driften in Kindheitserinnerungen ab. Damals, als man noch eine Isostarflasche hatte für Wanderungen. Graue Flasche, blauer Schriftzug, gelber Deckel. Ich sehe sie bildlich vor mir. 

Jetzt sieht es schon anders aus

Zweite Etappe: Hirschgstemm - Hubertuswarte (1,4 km)
Beim Hirschgstemm gibt es ein Ausflugslokal mit Bierzeltgarnitur. Es riecht nach fettigen Fritteusenfritten (quell' Alliteration!) und Almdudler. Aber wir haben ja unseren Proviant auf dem Rücken und wollen auch noch ein paar Meter weiter latschen, auch wenn unsere Mägen schon fast unter den Wanderschuhsohlen hängen.  Endlich! Die Hubertuswarte! Ein Turm - 220 Stufen bis zur Spitze. Die müssen wir noch absolvieren, bevor wir uns eine Pause gönnen. Frau T. zählt jede Stufe, stimmt, es sind 220. Von dort oben eine diesige Sicht auf Wien und den Wienerwald. Ganz nett, aber immer noch hungrig. Also hüpfen wir die Stufen beschwingt wieder hinab. Wir haben von oben nämlich eine weibliche Wanderersgruppe erspäht, nicht, dass die uns den Picknicktisch wegnehmen. Wir haben aber noch einmal Glück gehabt, die Damen bleiben ein Stück weiter vorne und machen es sich dort gemütlich, so dass wir nun endlich unsere Salz-Kümmel-Stangerl, die Puszta- und Teufelswürste und unsere Paradeiser auspacken und verspeisen können. Hach, jetzt sieht die Welt doch schon wieder ganz anders aus. 

Hubertuswarte

Dritte Etappe: Hubertuswarte - Rohrhaus (1,4 km)
Der Rucksack wird geschultert, die Beine geraten wieder in Bewegung. Wir laufen an der Frauengruppe vorbei und bitten sie freundlich, wie es so Sitte ist, Gott zu grüßen. Eigentlich sind wir fast schon an ihnen vorbei, da fällt unser Blick auf ein kleines Detail. Eine der Damen trinkt aus einer Isostarflasche. Und aus was für einem 1,5l-Prachtexemplar! Dass es die überhaupt noch gibt...

Bärlauch, soweit das Auge bzw. die Nase reicht

Vierte Etappe: Rohrhaus - Hermesvilla (2,2 km)
Irgendwie lässt der Drive nach. Ein bisschen drängt die Zeit, da wir unsere Vermieterin gegen 16 Uhr zuhause erwarten. Sollen wir ihr eine SMS schicken, dass es später wird? Sollen wir früher aus dem Tiergarten aussteigen? Erstmal zur Hermesvilla, auf Toilette könnte man ja auch wieder mal. Oh nein, die Hermesvilla, die eigentlich so ein süßes kleines Schlösschen ist, hat einen Baugerüstmantel an. Frau T. ist ganz betrübt, sie war vor ein paar Jahren schon mal mit Mama P. hier und da war alles so schön, das sollte Mr. T. doch auch sehen. Er beteuert aber, dass er es auch so ganz entzückend findet. Einen Besuch im Museum sparen wir uns allerdings. Den Klobesuch auch, wir finden nämlich gar keines.

Hermespark

Fünfte Etappe: Hermesvilla - Lainzer Tor (1,1 km)
Wir lustwandeln durch den Hermespark, in dem extra alle Maulwurfhügel beseitigt wurden, damit die gute Sisi bedenkenlos reiten gehen kann. Hach, der Franz Joseph war schon ein guter Typ! Mr. T. reicht es nun aber mit Romantik, er möchte zu den Wildgehegen, in denen wir Damhirsche, Mufflons und Auerochsen besichtigen können. Zwei Platzhirsche gehen gerade mit ihren Geweihen aufeinander los, die Mufflons grasen unbeirrt weiter. Aber wo sind die Auerochsen? Vielleicht da vorne? Ja, gaaaanz weit weg, kann man einen buckligen Fellhaufen erahnen. So, das muss jetzt aber auch an Tieren für heute reichen, denkt sich Frau T. und stolpert fast über ein starres kleines Ding. Eine tote Maus? Nein, ein Maulwurf, wie sie vom Bernhard Grzimek an ihrer Seite aufgeklärt wird. Ob der wohl damals zu Tode kam, als der Franzl hier alles hat plattmachen lassen? Ich werde es wohl nie erfahren.

Da rennt das Vieh

Sechste Etappe: Lainzer Tor - Nikolai Tor (7,1 km)
Nochmal 7,1 km? Und auch noch mit Steigung? Nee nee, Du! Heute nicht mehr. Wir haben ja noch ein Vermieterdate und ein bisschen müde sind wir auch. Wir verlassen den Lainzer Tiergarten also am Lainzer Tor und fahren mit 3x umsteigen nach Hause, was aufgrund des perfekt organisierten ÖPNV in Wien aber reibungslos läuft. Was für ein schöner kleiner Ausflug an der frischen Luft. Und jetzt ist auch wieder Platz für ne Käsekrainer.

Samstag, 18. April 2015

Radtour nach Schönbrunn


Wer an Wien denkt, denkt an Sisi. Wer an die Kaiserin Elisabeth denkt, denkt an das Schloss Schönnbrunn. Nicht? Na, jetzt schon! Auch in Wien wollen wir unserem Grundsatz "auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten" so gut es geht treu bleiben und so schwingen wir eines schönen und warmen Frühlingstages unsere Hinterteile auf die City Bikes. Also, würden wir zumindest gerne. Aber an der City Bike Station nahe unserer Wohnung ist kein einziges Fahrrad vorhanden.

Chillometer im Nashorngehege

In Wien gibt es ein ziemlich geniales System des Fahrradverleihs. An über 120 Terminals in der Stadt kann man anhand einer Kreditkarte und einem selbst gewählten Passwort eines der dort vorrätigen Fahrräder bis zu einer Stunde kostenlos ausleihen. Die Rückgabe kann an einer frei wählbaren Station erfolgen. Ziemlich easy und die Räder sind echt gut in Schuss...wenn sie denn da sind. Hier gibts also schon mal kein Fahrrad, Frau T. hat "ja gleich gesagt, dass wir zu einer anderen Station gehen sollen". Die Stimmung ist also mal wieder Bombe. Einmal in die Hände gespuckt und schon ziehen wir weiter, man kennt sich ja schließlich aus in der Stadt.

Kuckuck, ei, was is denn da?

Nach nur wenigen Minuten Gehzeit erreichen wir die nächste City Bike Station und, dem Himmel sei Dank, hier gibt es auch ein paar Drahtesel. Zwei reichen ja schon. Mit Kennerblick trifft jeder seine Wahl. Mr. T. beachtet hierbei folgende Faktoren: hat das Rad eine Gangschaltung, sind die Reifen aufgepumpt, welche Griffe sind am Lenker? Frau T. entscheidet sich, wie ungewohnt für sie, blitzschnell. Das Fahrrad mit dem niedrigsten Sattel wird es. So spart man sich Arbeit und die Hände werden auch nicht schmutzig. Nur 10 Sekunden auf dem Sattel und schon bewegt sich die Stimmung femininerseits gefährlich nahe am Gefrierpunkt. Auf dem Sattel rutscht man doof nach vorne, das Rad verfügt weder über Handbremse noch Gangschaltung und die Griffe tun voll doll an den Handinnenflächen weh. Es ist aber auch wie verflixt heute. Mr. T. versucht es mit stillschweigendem Verständnis und irgendwie groovt sich das Nervenbündel dann auch ein, fast schon zu schnell geht die Fahrt vorbei und wir parken unsere fahrbaren Untersätze vor den Toren von Sisis Sommerresidenz.

Brave, kleine Miezekatze!

Unser Ziel ist nicht das Schloss selbst, auch wenn dieses natürlich fein anzuschauen ist, nein, heute wollen wir in den Tiergarten Schönbrunn, der sich im Schlosspark befindet. Der Wiener Zoo ist sehr schön und weitläufig angelegt, es gibt viele unterschiedliche Tiere, die entweder chillen oder fressen. Die Elefanten knabbern Äste, die sie sich vorher in ihren Rüsseln gestapelt und bereit gelegt haben, die Totenkopfaffen klauen sich gegenseitig die Kartoffelstückchen aus den Griffeln, einzig die Eisbären sorgen für Stimmung und bespaßen sich mit einem Plastikeimer.

Paaarty!

Auch der fröhlichste Zoobesuch hat einmal ein Ende und so lustwandeln wir noch ein wenig durch den Schlosspark hinauf zur Gloriette, von der aus man einen famosen Blick auf das Schloss und auf Teile Wiens hat. Nach einem ausführlichen Picknick- und Foto-Stopp (ist ja nicht so, als wären wir schon zigmal dort oben gewesen, aber Frau T. muss unbedingt ihre neue Kamera ausprobieren), machen wir uns an den Abstieg. Zurück an der Fahrradstation begeht Frau T. dieses Mal keine Fehler bei der Auswahl und so gleitet die Heimfahrt dahin wie ein Messer durch angeschmolzene Butter. Butter - perfektes Stichwort! Denn am Abend werden wir uns ein ethisch völlig inkorrektes Wiener Schnitzel schmecken lassen! Servus!


Samstag, 11. April 2015

Die kanadischen Tage sind gezählt

Ich kann es nicht oft genug sagen, so abgedroschen es auch klingen mag, aber es ist einfach verrückt, wie sehr die Zeit rennt. Nur zu gut kann ich mich noch an letztes Jahr April um diese Zeit erinnern. Mr. T. hatte bereits seinen letzten Arbeitstag, meiner war auch absehbar, wir haben Probe gepackt, letzte Besorgungen gemacht, unsere Abschiedsparty geplant und ganz viele Schmetterlinge im Bauch. Nun haben wir wieder April, ein Jahr später. Wir sind gereist, gefahren, geflogen, gelaufen. Haben jeden Tag etwas anderes erlebt und gesehen, waren euphorisch, aber auch müde. Und hatten die wohl tollsten 11 Monate unseres Lebens. Nun werden wir Kanada vorerst den Rücken kehren, die Heimat ruft, es muss wieder Geld verdient und der Alltag gelebt werden. Und noch ist unser Reisejahr auch nicht vorbei. 4 Wochen bleiben uns. In der wunderschönsten Stadt der Welt.

In unserer letzten Woche in Vancouver waren wir damit beschäftigt, ganz viel leckeres Essen zu verspeisen, zum erneuten Male unser Reisegepäck auszumisten (da sammelt sich ganz schön was an), Koffer zu packen, und in der Stadt herumzulaufen. Unsere letzten Wege führten uns ins Musical "The Book of Mormon", zum Fußballheimspiel der Jungs vom Whitecaps FC und am letzten Abend, welch wunderbare Überleitung, in den Kinofilm "Amadeus", der uns bereits auf Wien einstimmen sollte (als ob das bei Frau T. nötig wäre).

Heute begeben wir uns auf unseren letzten kanadisch-amerikanischen Roadtrip. Per Mietwagen fahren wir nach Seattle, um von dort via Frankfurt nach Wien zu jetten. Den nächsten Blogbeitrag präsentieren wir daher mit ganz viel Wiener Schmäh! Bye-bye Kanada, Servus Wien!

Freitag, 10. April 2015

Ein Sonntag in Vancouver

Chinatown
Unser letzter Sonntag in Vancouver und dazu noch Ostern - das muss gebührend gefeiert werden. Mit einem bunten Ausflugs- und Kulinarikprogramm. Das Wetter zeigt sich mal wieder von seiner prächtigsten Seite und wir nehmen an einem Stadtspaziergang zum Thema Chinatown teil. Dieser wird von der Firma Tour Guys kostenfrei angeboten, am Ende der Tour gibt man dann, je nachdem wie es einem gefallen hat, Trinkgeld. Ein gutes Konzept und in Chinatown waren wir eh noch nicht größer, daher machen wir uns auf zum Treffpunkt an der Art Gallery.

Chinesische Leckerlis Part 1

Chinesische Leckerlis Part 2

Dort treffen wir zunächst auf unsere Guide Alex (weiblich, Führerin klingt blöd) und auf einen jungen Mann, der sich uns als Johnny vorstellt. Schnell wird klar, dass Johnny auch aus Deutschland kommt und Work&Traveller ist und zunächst versucht er noch Englisch mit uns zu sprechen, denn, wie er vor wenigen Tagen mit einem anderen deutschen Traveller festgestellt hat, ist seine deutsche Grammatik so gut wie nicht mehr existent, weil er so viel Englisch spricht. Selbst mit seinem Bruder, mit dem er in sein Work & Travel Jahr gestartet ist, hat er ausschließlich Englisch gesprochen und ist verwundert, dass wir als Ehepaar miteinander Deutsch sprechen. Ich liebe diese Begegnungen mit lustigen Menschen, die eine verquere Selbstwahrnehmung haben. Denn meinem Empfinden nach ist seine deutsche Grammatik wesentlich ausgereifter als die englische.

Dr. Sun Yat-Sen Garden
Nun ja, besinnen wir uns auf die Tour. Mittlerweile sind noch ein paar Menschen mehr eingetrudelt und Alex führt uns recht kurzweilig und mit einigen Anekdötchen durch die Innenstadt nach Chinatown, wo wir erfahren, wie es hier vor vielen Jahren einmal aussah, wer die einflussreichsten chinesischen Immigranten waren und wieso diese es nicht immer leicht hatten. Insgesamt eine ganz "nette" Führung, insbesondere in Chinatown hätten wir uns aber noch ein bisschen mehr Input erwartet, wenn die Tour schon so heißt, aber wir haben heute ja noch mehr vor, stärken uns, zurück in Downtown, erstmal mit ein paar Sushirollen und ziehen dann weiter zum Roedde House im West End.

Roedde House
Die Roeddes waren eine deutsche Buchbinder-Immigrantenfamilie, deren Haus im viktorianischen Stil nun als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Hier ist es, als würde man in eine andere, längst vergangene Zeit, abtauchen.

Wer findet was Deutsches?

Sonntags wird wahlweise zur Führung Tee aus feinstem Porzellan gereicht und ergraute Ehrenamtliche zeigen einem die Räumlichkeiten, die man anschließend auch noch auf eigene Faust besichtigen kann. Beseelt von so viel Kultur und ungemein reich an neuem Erfahrungsschatz treten wir den Rückweg durch das frühlingshafte Vancouver in Richtung Wohnung an, nicht ohne uns noch mit einem Heißgetränk bei Tim Hortons einzudecken - wer weiß, wann wir je wieder in den Genuss kommen?!

Frau Roeddes Knopfsammlung?

Herr Roeddes Zahnbürste?

Sonntag, 5. April 2015

Farewell, Ford Explorer, Farewell!

Wir lieben unser Auto heiß und innig! Unser fleißiger weißer Ford Explorer aus dem Millemniumjahr! Der uns so zuverlässig durch die Weiten Kanadas und die Tiefen des Hinterlandes kutschiert hat. Der uns nicht nur Beförderungsmittel, sondern auch Schlafzimmer und Lagerstätte war. Ruhe in Frieden! Oder bereite zumindest deinen neuen Besitzern so viel Freude wie uns!

Ein prächtiger Bursche
Es ist unaufhaltsam - unser Reisejahr neigt sich dem Ende zu und bereits mit den Rockies im Januar haben wir unseren letzten großen Roadtrip beendet und somit keine sinnvolle weitere Verwendung für unseren kleinen großen Freund. Yukon, Florida und Hawaii bereisen wir per Flugzeug und Schiff und in der Stadt braucht man nicht zwingend einen fahrbaren Untersatz. Zu den Ausflugszielen vor den Toren Vancouvers gelangt man auch einigermaßen gescheit per öffentlichem Nahverkehr. Es steht also fest: So weh es tut, die Karre muss weg! Bereits im Januar fangen wir langsam an, den Verkauf vorzubereiten. Gekauft war es ja relativ schnell, der Verkaufsprozess zeichnet sich nicht ganz so butterzart ab. Wie schon öfter hier im Blog angemerkt, kocht jede Provinz ihr eigenes Süppchen. Man kann also nicht einfach mit einem in Nova Scotia gemeldeten Fahrzeug hier in BC ankommen und es verkaufen, nein, dafür muss das Auto erst einmal einen Out-of-Province-Check bestehen und für diesen gilt: Alles, was vorhanden ist, muss auch funktionieren! Unabhängig davon, ob es sicherheitsrelevant ist oder nicht. An sich sehr löblich von den britischen Kolumbiern, doof nur, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird. In der Provinz bereits gemeldete Autos können beliebig weiterverkauft und umgemeldet werden, da interessiert es nicht, ob sie vor lauter Rost schon beinahe auseinanderbrechen. Und dann kommt unser gepflegtes Autochen und muss noch solche Strapazen erleiden. Hilft ja alles nichts. Um den potentiellen Käufern die Kaufentscheidung leichter zu machen, entscheiden wir uns daher, während unserer Zeit auf Vancouver Island den notwendigen Check durchführen lassen und fahren mit dem Explorer an einer Werkstatt vor. Die Nachricht, die wir dort ein paar Stunden später erhalten, ist zunächst recht niederschmetternd, denn es müsste einiges getan werden, bevor der Check als "bestanden" anzusehen ist. Die Kosten sind nicht abzusehen, insbesondere die Tatsache, dass das Airbaglicht leuchtet (wir hatten es bei zwei Werkstattaufenthalten jeweils fixen lassen, es kam aber immer wieder nach wenigen Tagen zurück), hält uns davon ab, die notwendigen Reparaturen und Verbesserungen an Ort und Stelle vornehmen zu lassen. Bringt ja nix, wenn der erwartete Verkaufspreis unter den etwaigen Werkstattkosten liegt. Again, hilft alles nichts, dann müssen wir den Käufern halt mit dem Kaufpreis entgegenkommen. Es stellt sich nun also die nächste Frage: Über welchen Kanal wollen wir unser Auto verkaufen? Ehemalige Weihnachtsmarktkollegen zeigen Interesse, gleichzeitig inserieren wir aber auch in den Work & Traveller Gruppen auf Facebook, hierüber hatten wir auch seinerzeit den Kauf angebahnt. Desweiteren informiert sich Frau T. in einem schier endlosen E-Mailaustausch sowohl bei der Zulassungsstelle in Nova Scotia, als auch in British Columbia, über die weitere Vorgehensweise. Wir wollen ja schließlich auf alles vorbereitet sein und nicht noch großen Hickhack beim Verkauf haben. Wenn wir schon die Last des Out-of-Province Checks auf die Käufer abwälzen, so wollen wir ihnen wenigstens die Bürokratie erleichtern. Denn natürlich ist auch hier alles wieder anders. Mussten wir in Nova Scotia noch zwischen Zulassungsstelle und Versicherungspüro hin- und hergondeln, so kann in Vancouver alles zentral bei einem Versicherungsbüro gemacht werden, das eine Zulassung zur Zulassung hat. Autoplan Broker schimpft sich das dann.

Platzwunder
Schnell melden sich die ersten Interessenten und wir vereinbaren Probefahrten, die Anfang Februar in Vancouver stattfinden. Selbstverständlich ist den meisten diese ganze Geschichte zu unsicher. Klar, unser Preis ist superfair, aber wenn man hier keinen Mechaniker kennt, der da mit dem Check was drehen kann, dann kann das ja alles viel zu teuer werden und überhaupt ist das natürlich zu aufwändig. Ganz ehrlich - kann ich verstehen. Aber trotzdem wollen wir die Karre loswerden, als Ziel haben wir uns dafür Mitte Februar gesetzt, damit das Auto zu unserem Florida"urlaub" schon neue Besitzer hat. Wie es das Schicksal dann aber so will, werden uns F. und C. geschickt. Ebenfalls ein Work&Travel-Pärchen aus Deutschland, ebenfalls "ein bisschen älter", und ebenfalls froh, schnell ein Auto zu finden. Die Probefahrt läuft gut, das anschließende Gespräch auch und schon am gleichen Tag geben die beiden uns grünes Licht - sie wollen das Auto kaufen. Feuerwerk! Konfetti! Fanfaren! Wir verabreden uns für 3 Tage später vor einem Versicherungsbüro, welches sich die beiden herausgeguckt haben, um das Geschäft dingfest zu machen. Obwohl wir ja, wie wir denken, alles bis ins kleinste Detail vorbereitet haben, sind wir, insbesondere Frau T., doch ein bisschen aufgeregt, ob alles gut läuft. Wir möchten natürlich, dass F. und C. das Auto erst kaufen und DANN zur Werkstatt fahren. Damit möchten wir nun wirklich nichts mehr zu tun haben, und laut Vince, Frau T.'s best Buddy bei ICBC (die Zulassungsstelle von British Columbia), ist das auch möglich. Auf dem Weg zum Versicherungsbüro (einen Tag vor unserem Flug nach Florida) gibt Frau T. ihrem Götter-Mr. T. natürlich noch wichtige Instruktionen wie: "Wenn die uns das Geld noch vorm Versicherungsbüro geben wollen, dann sagen wir nicht "nein, nein, hat doch Zeit", sondern wir nehmen es, ist das klar?". Keine Antwort, er weiß es nach 11 Jahren einfach besser, als jetzt darauf einzugehen. Wir fahren am Treffpunkt vor, F. und C. stehen bereits da, wir steigen aus, begrüßen uns und das erste, was F. sagt, ist: "Ich geb' Euch dann erstmal das Geld, ne?" Frau T. hält den Atem an, Mr. T. agiert aber nach Drehbuch und nimmt den Zaster dankend entgegen.

Gesammelte Werke
Wir betreten das Büro, Auftritt der Versicherungsangestellten Bernadette, weit über 60, Haare total verzaust. Frau T. trägt unser aller Anliegen vor und erklärt gleich, dass das Auto aus Nova Scotia ist, dass sie das aber schon abgeklärt hätte, die Käufer könnten es schon kaufen und versichern vor dem Out-of-Province Check, müssten dann nach "bestandener Prüfung" nur noch einmal zurückkommen, um das Vehikel auf sie anzumelden. Bernadette nickt, scheint wohl alles kein großer Akt zu sein und wir nehmen zu viert an ihrem Schreibtisch Platz. Wir haben alle notwendigen Unterlagen vorbei, sind ja schließlich anscheinend auf jede Eventualität vorbereitet, und schieben sie ihr zu. Doch schon nach wenigen Sekunden stutzt Bernadette, denn sie weiß nicht, wo unsere Führerscheinnummer auf dem entsprechenden Dokument zu finden ist. Wir sind ihr gerne behilflich, da entdeckt sie, dass wir deutsche Staatsbürger sind. Was? Deutsche? Sie selbst sei ja ursprünglich aus der französischen Schweiz...so was aber auch. Aber das hätte sie ja wirklich nicht gedacht. Von unserem Akzent her war sie sich so sicher, wir seien Isländer!? Nun gut, dann sind wir heute mal in Schwefelquellen badende Vulkanbesteiger. Wir lächeln freundlich und lassen sie weiter ihres Amtes walten. Sie breitet ein großes Formular aus, für das sie unsere Daten und die der Käufer benötigt und stutzt dann erneut, als sie den Kaufpreis hört. Dieser erscheint ihr viel zu niedrig. Frau T. erklärt, dass es sich schließlich um ein sehr altes Auto handelt und dass die Käufer ja die Kosten für den Check zu tragen hätten. Ja, das findet sie eh komisch. Das ist eigentlich nicht Usus. Normalerweise macht das der Besitzer, bevor er den Wagen veräußert. Bei uns isses aber anders, das teile ich ihr mit und sie fragt dann, ob die Käufer das wüssten und sich dessen bewusst seien, dass da zusätzliche Kosten auf sie zukommen? Jetzt bring die Neulinge doch nicht auf falsche Gedanken, Bernadette. Jaja, die wissen das.

Ford Explorer im Einsatz
Gerade erst besänftigt, treten nun jedoch Computerprobleme auf. Bernadette weiß nicht mehr, was sie machen soll und ruft etwa fünfmal bei ICBC an. Wir bedienen uns derweil mal am Lolliglas, das kann ein langer Vormittag werden. Es geht hin und her, immer wieder gibt sie die gleichen Daten ins System ein und immer wieder bekommt sie die selbe Fehlermeldung. Kollegen werden eingespannt, so dass parallel gearbeitet werden kann, aber irgendwie bringt das alles nicht. Sie lässt uns aber nicht an der Wurzel ihres Problems teilhaben, erst als sie vor sich hinstammelt, dass sie ständig die Meldung bekommt, das Auto sei schon in BC registriert, wird Frau T. hellhörig. Na klar, wir haben das ja damals von Leuten gekauft, die es in BC angemeldet hatten. Ja, ach, wenn sie das doch nur vorher gewusst hätte, das hätte ihr so viel weitergeholfen und Arbeit erspart. Dann hätte sie doch kein neues Profil anlegen müssen. Mittlerweile sind 75 Minuten vergangen und alles geht noch einmal auf Anfang. Bernadette hackt weiter auf ihrer Tastatur herum, aber dann stimmt schon wieder etwas nicht, denn das Auto war doch noch gar nicht beim Out-of-Province-Check! Verzweifelt versucht Frau T. ihr verständlich zu machen, dass sie ihr doch genau dies am Anfang schon mitgeteilt hat. Echt? Bernadette schüttelt die wirren Haare. Und wieder ruft sie bei ICBC an und bespricht sich mit den Kollegen. Uns wird in der Zwischenzeit zum dritten Mal Kaffee und Wasser angeboten. Dann legt sie den Hörer auf, dreht sich zu uns und sagt, dass das alles nicht so geht, wie wir das wollen. Frau T. hätte doch behauptet, dass die Käufer das Auto schon versichern könnten, das ist aber nicht möglich. Was? Frau T. fällt aus allen Wolken und beteuert Bernadette, dass sie wochenlang mit Vince (der hat sie doch wohl nicht belogen und betrogen?) im E-Mailverkehr stand und der ihr das Prozedere genau so bestätigt hat. Das möchte Bernadette nicht glauben. Wir tragen aber den E-Mailverkehr auf dem Handy mit uns herum, sollen wir ihr den zeigen? Nein, wir sollen ihr die Mail weiterleiten. Können wir dann bitte das Wlanpasswort erfahren oder einen der Computer nutzen, um uns ins Web.de-Postfach einzuloggen? Wir haben hier in Kanada kein Datenpaket fürs Handy. Nein, das ginge nicht, sie könnten keine privaten Mails öffnen im Büro..., als ob in Kanada web.de gesperrt sei. Mr. T. kommt dann auf die glorreiche Idee, wir könnten einfach einen McDonalds oder Starbucks in der Nähe aufsuchen, die haben doch immer kostenfreies Wlan. Ja, das wäre eine Möglichkeit, Bernadette zeigt quer über die Straße auf ein goldenes M. Frau T. nimmt Beine und Handy in die Hand und hechtet rüber...aber das Internet funzt net. Schnell wieder raus, kurz mal nach links und rechts geschaut, gibt es hier vielleicht noch Starbucks, Tim Hortons, Burger King, anything? Fehlanzeige. Frau T. eilt zurück ins Versicherungsbüro, mittlerweile schon leicht verzweifelt. DAS AUTO MUSS HEUTE WEG UND DIE KÄUFER SOLLEN NICHT ABSPRINGEN! Bernadette verweist doch noch auf einen nahen Starbucks, Frau T. rennt wieder raus und findet den Laden. Internet klappt, E-Mail wird verschickt, Frau T. ist Sekunden später zurück. Die E-Mail liegt schon ausgedruckt da, aber so wie wir es erzählt haben, würde es trotzdem nicht stimmen.

5*-Suite
Bernadettes Vorgesetzter winkt Frau T. zu seinem Arbeitsplatz und erklärt, dass das alles nicht so geht, denn F. und C. könnten das Auto noch nicht registrieren (HAB ICH DOCH NIE BEHAUPTET, DU BLÖDMANN!) und versichern auch nicht. Man könnte lediglich eine temporäre Versicherung für die Tage ausstellen, die das Auto in der Werkstatt ist (GENAU DAS WOLLEN WIR DOCH!) und wenn den Käufern dann die Reparaturkosten zu hoch sind und sie das Auto doch nicht mehr wollen, dass es dann trotzdem weiterhin auf uns läuft (NICHT SO LAUT, DU IDIOT!). Jajaja, ist alles klar. Bitte bitte, können wir jetzt gehen? Frau T. hat ja nach diversen amerikanischen Grenzüberfahrten gelernt, einfach mal die Klappe zu halten und bemüht sich auch jetzt um Contenance. Bernadette bereitet bereits alles für die TEMPORÄRE Versicherung vor, kassiert unser Nummernschild ein und händigt den Neubesitzern vorübergehende Kennzeichen aus. Geht doch! Wieso nicht gleich so? Wir verlassen das Büro, shaken noch mal hands, wünschen allzeit gute Fahrt und C. versichert, dass sie sich noch mal melden, wenn alles erledigt ist. Sie fahren jetzt umgehend zur Werkstatt. Ein letzter wehmütiger Blick auf unseren guten Freund, der am Horizont immer kleiner wird und Familie T. steigt in den Bus. Mr. T. feiert, wir sind um ein paarhundert Euro reicher. Frau T. steht die Angst ins Gesicht geschrieben. Was, wenn die Reparaturen wirklich zu umfangreich sein sollten? Das Auto fährt einwandfrei, aber was, wenn die Airbagsache ins Uferlose ausartet? Was, wenn F. und C. dann sagen, sie wollen das Auto doch nicht? Rein rechtlich würde es dann immer noch uns gehören und wir müssten uns drum kümmern! Wird schon alles gut gehen, besänftigt Mr. T. Wir kümmern uns erstmal um unsere Pflichten, schicken das Abmeldeformular an die Nova Scotia Zulassungsstelle und informieren unsere Versicherung, dass das Auto nicht länger auf uns läuft und bitten um eine Rückerstattung der nicht in Anspruch genommenen Versicherungsmonate. Wir fliegen nach Florida und relaxen, naja, bis auf Frau T., die sich immer noch Gedanken macht. Es vergeht Tag um Tag und keine Nachricht von den Käufern. So langsam müsste die Mühle doch fertig sein. Endlich, nach 7 schier endlosen Tagen erreicht uns die Meldung, dass das Auto nun komplett auf F. und C. läuft, dass alles okay sei, bis auf die Tatsache, dass ihre Rucksäcke auf dem Werkstattparkplatz aus dem Auto geklaut worden sind. Das tut uns zwar aufrichtig leid, schmälert jedoch keineswegs unsere, insbesondere Frau T.'s, Erleichterung. Juchhu, Mission Autoverkauf accomplished! Unsere Freude steigt ins Unermessliche, als wir zurück nach Vancouver kommen und in unserem Briefschlitz ein Schreiben inklusive Scheck unserer Autoversicherung finden. Bekommt man in Deutschland lediglich die nicht genutzten und bereits gezahlten Versicherungsmonate erstattet, so berechnet sich hier die Erstattung wohl zusätzlich noch aus der Tatsache, ob man die Versicherung überhaupt in Anspruch genommen hat (nein, haben wir nicht), denn die Rückzahlung ist saftig und wir träumen bereits von einem Leben in Champagner und Kaviar. Doch wir sind halt auch nach 11 Monaten im wilden Kanada noch Reisende mit deutschen Tugenden und so lässt es sich Frau T. nicht nehmen, kurz noch mal bei der Versicherung nachzuhaken, ob das alles so seine Richtigkeit hat. You can take us out of Germany, but you can't take Germany out of us!

TransCanada Highway - starke Leistung!


Der Scheck, dessen Höhe im Übrigen und selbstverständlich völlig gerechtfertigt war, ist schon längst eingezahlt und wir werden demnächst mal auf F. und C., Vince und Bernadette anstoßen - und natürlich auf unser geliebtes Auto!

Montag, 30. März 2015

Aloha, Ahoi und Mahalo

Frau T. sitzt auf dem Balkon, Laptop auf dem Schoß, die nackerten Füße auf der Reling, ab und an bläst die Gischt einen sanften Salzwasserhauch auf die Haut. Es ist fast geschafft! Eine Woche Hawaiikreuzfahrt mit nicht enden wollendem Essens- und Unterhaltungsangebot, mit nächtlichem See- und täglichem Landgang ist beinahe vollendet. Sie nippt an ihrer Coke Zero, lehnt sich nach hinten und blickt zurück auf sieben entspannte Tage im Pazifik...

 
Leinen los in Honolulu

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist... günstiger als die Hotels in Hawaii und deswegen fällt die Entscheidung für eine Kreuzfahrt in unserer dritten Hawaiiwoche relativ leicht. Die Auswahl ist auch ein Kinderspiel, denn es gibt nur ein Schiff bzw. eine Reederei, die ab/bis Hawaii (also nicht ab dem amerikanischen Festland, da gibt es tatsächlich mehrere) schippert: Norwegian Cruise Line mit ihrer Pride of America. Unser Reisebudget deckt die Unterbringung in einer Innenkabine ab. Bei der Buchung sind wir noch ganz kühn: "Macht doch nichts, wir schlafen doch nur in der Kabine. Tagsüber sind wir eh immer an Land oder am Pool." Doch je näher der Reisetermin rückt, desto unzufriedener wird insbesondere Frau T. mit der Wahl. "Ist ja so klein und eng und wenn es schaukelt, kann man noch nicht mal rausschauen, um sich zu vergewissern, dass alles ok ist." Wie der Zufall, und ein bisschen "nett zwinkern und BITTE BITTE sagen" es dann aber so wollen, gibt es ein Upgrade in eine Balkonkabine. Kreuzfahrt, HERE WE COME! 

Volcanoes National Park, Big Island

Nachdem es bei unserer Alaskacruise ja nicht geklappt hat, starten wir hier am Einschiffungstag noch einmal die Aktion "als Erste auf dem Schiff sein", bedingt durch unsere frühe Ankunftszeit von Kauai. Wir sind so zeitig am Hafen, dass noch gar nichts geht und kein Schalter geöffnet ist. Wir genehmigen uns also erstmal ein spätes Food Truck Frühstück und sind dann die ERSTEN in der Schlange derjenigen, die kein Gepäckzettelchen haben. Als der Startschuss zum Einchecken fällt, stolpern wir also schnell zum Gepäckzettelchenausgabeschalter, schnappen uns entsprechendes Ding, befestigen es an unserem Koffer und hechten zur Gepäckabgabe. An dieser Stelle haben wir schon mindestens 4 Rentnerpaare aus der Schlange "Wir haben schon ein Gepäckzettelchen" überholt. Strike! Unsere Glückssträhne hält auch noch an der Sicherheitskontrolle an doch kurz danach werden wir von eingeölten Hulatänzern/-innen angehalten. Sie behängen uns als Ausdruck ihrer Verehrung mit Blumen- und Muschelketten und anschließend sollen wir noch mit ihnen für ein ganz spontanes "Hang loose"-Foto posieren. Man muss sich auch Zeit für seine Fans nehmen, aber dennoch entgeht uns nicht, dass eine Großfamilie bereits in einen anderen Raum geführt wird. "Haaaalt! Wir wollten doch..." Aber wir müssen jetzt erst einmal geradeaus zum eigentlichen Check-in, erhalten unsere Bord-/Zimmer-/Bezahlkarten (all in one) und dürfen dann als Erste in der Boardinggruppe "A" Platz nehmen. Juchhu! Aber wo ist die Großfamilie abgeblieben? Hmm, die mussten vielleicht noch mal zur Gepäckkontrolle?! Egal, selten haben wir uns dem Paradies so nahe gefühlt. 

Na Pali Coast, Kauai

Wir sippen an köstlichem Zitronenwasser und lauschen hawaiianischen Klängen, die von einer authentisch wirkenden Kombo widergegeben werden, begleitet von folkloristischen Tanz- und Handwerksdarbietungen. Endlich mal das richtige Hawaii! Nicht lange und dann geht es los. Kaulanna, der die Kreuzfahrt als hawaiianischer Kulturbotschafter begleitet, beginnt einen hawaiianischen Lobesgesang und zwei der dickbäuchigen und ölverschmierten Hulatänzer pusten jeweils in eine große Muschel. Auf gut deutsch soll das heißen: "Der Mob darf aufs Schiff!" Familie T. ist im Begriff aufzuspringen, doch da werden erst einmal aus einem Nachbarraum mehrere Passagiere (besagte Großfamilie inkusive) vor uns zum Schiff geführt. Was haben wir nur falsch gemacht? Schnell dämmert es uns: wir sind keine Stammgäste, nehmen an keinem Treueprogramm teil, diese VIPs haben natürlich den Vortritt, das leuchtet selbst uns ein. Aber dann dürfen auch wir die heiligen Hallen betreten und stürmen erst einmal das Mittagsbuffet (für was sind wir schließlich hier?), bevor wir zu einer Schiffserkundungstour aufbrechen. Auch wenn das Schiff größer ist, als der Kahn von der Alaskakreuzfahrt, so blicken wir doch relativ schnell durch, irgendwie ist ja doch immer alles gleich. Die Pride of America ist ein sehr, nun ja, sagen wir mal, amerikanisches Schiff. Es erinnert an ein 3*+ Hotel, alles ist schon etwas abgenutzt und nichts überrascht. Aber das wussten wir vorher schon und Luxus brauchen wir ja ohnehin nicht. So langsam würden wir aber gerne mal unseren Kram in der Kabine ablegen und unser Outfit in Badeklamotten umtauschen. Doch da haben wir die Rechnung ohne die Kabinenstewards gemacht, die gehen sorgfältig ihrer Arbeit nach und unser Deck ist eines der letzten, das zum Bezug freigegeben wird. Das hat man nun davon, wenn man darauf abgeiert, als Erster auf dem Schiff sein zu wollen. Mr. T. fängt nun, nachdem Frau T. sich einigermaßen gefangen hat, auch noch an zu kränkeln und wird während der gesamten Kreuzfahrt etwas angeschlagen sein.

Na Pali Coast, Kauai

In unserer Kabine erwartet uns dann ein 300$ Bordguthaben (kleine Zugabe zum Upgrade) sowie ein Willkommensbrief der Ansprechpartnerin für deutsche Passagiere: Angie. Angie freut sich so, dass wir an Bord sind und lädt uns zu einer kleinen Informationsstunde ein. Brauchen wir net, wollen wir net. Doch Angie lässt nicht locker, denn sie meldet sich zusätzlich noch telefonisch und fragt an, ob wir uns "nachher noch sehen". Ääähm, klar, gerne kommen wir vorbei. Ist ja doch auch mal schön, mit jemand anderem als dem Ehepartner Deutsch zu sprechen und insbesondere Frau T. hungert ja schon länger nach sozialen Kontakten. So finden wir uns also kurze Zeit später im Kartenraum ein und treffen dort auf das junge Pärchen Armin und Katharina, das ältere Paar Siegfried und Christa, das homosexuelle Paar X und Y (hier hat Angie nicht die Namen laut vorgelesen), sowie das Freundinnenpaar Mandy und Franzi (wir ahnen, wo die beiden herkommen). Angie selbst stammt aus Heidelberg und erzählt uns ein bisschen etwas über die Kreuzfahrttage, die vor uns liegen. Keine wirklich spannenden Erkenntnisse, aber zumindest kennen wir nun Menschen, die wir auf dem Gang oder an Deck nicht mit "Aloha" (sprich: Alo-Ha), sondern mit einem kräftigen "Guten Morgen" grüßen können. Überhaupt, dieses Aloha. Die Angestellten wirken regelrecht brainwashed, denn egal, wie oft man ihnen über den Weg läuft, immer bekommt ein "Aloha" entgegen geschmettert. Das Kabinenpersonal scheint zudem die Anordnung zu haben, die Passagiere mit Namen zu grüßen, was unserer Emi offensichtlich schwerfällt, für sie sind wir irgendwann einfach nur noch "Aloha, Mr. and Mrs. Tischeni". Ist ja eh alles gleich, denn wie die nervige Kreuzfahrtdirektorin Malou den Passagieren schnell mitteilt, sind wir jetzt alle eine "Ohana", eine Familie. Wie war das noch, Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht? Und ich dachte schon immer Mr. T. hat einen großen Anhang, jetzt habe ich auf einmal 2.137 Brüder und Schwestern. 

Volcanoes National Park, Big Island
 
Der erste Tag neigt sich mit dem Auslaufen aus Honolulu seinem Ende zu, das Schiff fährt immer nur nachts und das kann mal mehr oder weniger schauklig ausfallen. Uns Seebären erschüttert aber nichts, schlafen können wir trotzdem nicht gescheit. Denn unter uns ist der Nachtclub, in dem es manchmal auch noch etwas länger drunter und drüber gehen kann. Ziele unserer Schiffstour sind Maui, Big Island und Kauai. Zwei der Inseln haben wir schon gesehen, weshalb wir es an den Tagen, an denen wir dort im Hafen liegen, einfach mal locker angehen lassen und gar nichts machen. Außer am Pooldeck liegen, Sangria trinken, in den Whirlpool hüpfen, lesen und ein bisschen vorbloggen. Äh, und Essen natürlich. Aufgrund unseres großzügigen Bordguthabens testen wir auch Sushibar und Steakhouse. Man muss ja auch mal Mensch sein. Weitere wichtige tägliche Programmpunkte sind kurz von Bord gehen und irgendwo kostenloses Wlan finden, sowie Trivia spielen. Dabei handelt es sich um ein täglich wechselndes Allgemeinwissensquiz, das in der Bibliothek ausliegt und insbesondere von Mr. T., der seine geliebte Frau natürlich meist eiskalt abzocken kann, heiß herbeigesehnt wird. Sollte es dann doch mal langweilig werden, so kann man sich dem Bordunterhaltungsprogramm hingeben. Frau T. beteuert täglich, dass sie "heute aber mal wirklich" zum Hulatanzkurs geht, dabei bleibt es aber auch. Zum Ausgleich lernt sie dafür hawaiianische Kokosnuss-Ketten zu basteln, und gemeinsam gestalten wir Grußkarten und belegen einen ruhmreichen zweiten Platz beim Kanadaquiz. 

Volcanoes National Park, Big Island
  
So richtig was besichtigt wird dann erst wieder auf Big Island. Wir haben einen Tag Aufenthalt in Hilo und fahren mit einem Mietwagen zum Volcanoes National Park, wo wir ein bisschen wandern und die atemberaubende Landschaft bestaunen. Hier und da dampft es aus dem Boden und einen aktiven Vulkan sehen wir auch, leider aber keine Lava, da Teile des Nationalparks aus Sicherheitsgründen geschlossen sind. Manchmal fließt die Lava bis in den Pazifik, aber Madame Pele, wie der Vulkan auch genannt wird, erfüllt uns diesen voyeuristischen Wunsch nicht und so ändert das Schiff seine geplante Route und fährt auf direktem Weg an die Westküste der Insel nach Kona, dem Dreh- und Angelort des Iron Man. Hier bummeln wir durch das kleine Städtchen, es nerven aber die ganzen Kreuzfahrttouristen (irgendwie paradox) und so tendern wir flugs wieder zurück aufs Schiff, zu gut gefällt es uns auf den Sonnenliegen. So vergehen die Tage, eine ganze Woche, um genau zu sein, mit größtenteils süßem Nichtstun. Schwuppdiwupp legen wir schon wieder in Honolulu an und Familie T. hat einen kühnen Plan: "Als letzte Passagiere vom Schiff gehen"!

Sonntag, 29. März 2015

Best of Kauai

Kokee Valley

Kauai, auch bekannt als die Garteninsel, geht zu den drei anderen großen Inseln geografisch etwas auf Abstand und gilt vielleicht auch deshalb im Vergleich als noch am wenigsten touristisch überlaufen. Wer nun aber autofreie Straßen und unverbaute Orte erwartet, liegt natürlich falsch. Selbstverständlich befinden wir uns auch hier in den USA und ist auch hier der Tourismus der Haupternährer, es geht aber alles noch eine Nummer kleiner und geruhsamer zu als auf Maui oder gar Oahu. Der größte Trumpf der Garteninsel ist, oh Wunder, die Natur: dichter Regenwald, spektakuläre Höhenzüge und Täler sowie traumhafte Strände. Nicht umsonst ist Hollywood ganz vernarrt in das Eiland und fand hier beispielsweise für „Jurassic Park“ eine atemberaubende Kulisse.  

Waimea Canyon

Hawaiian Air fliegt uns ganz sanft von Maui herüber, Frau T. atmet wiedermal auf, und da wir erst nachmittags in unsere Unterkunft einchecken können, machen wir uns mit dem Mietauto direkt auf in Richtung „Waimea Canyon“, der Top-Sehenswürdigkeit Kauais und laut Mark Twain der „Grand Canyon des Pazifiks“. Na und wenn der es sagt… Mehr kluge Worte will ich dann auch gar nicht mehr verlieren, wiedermal berichten die Bilder viel treffender.

Waimea Canyon

Es fällt uns also allzu leicht, hier einige Stündchen zu verstaunen und schon ist es Nachmittag und wir können unser Lager beziehen. Wiedermal liefert uns AirBnB das Obdach, denn die Hotelpreise sind auch auf Kauai astronomisch. Und selbst über dieses Medium reicht es dieses Mal nicht für eine komplett eigene Bude, sondern wir beziehen ein Zimmer mit Bad bei Maryna und Mark, den jeder „Woogie“ nennt. Auf den Fotos im Internet sah das Ganze ziemlich edel und gepflegt aus, die Realität hinkt so ein bisschen hinterher. Maryna empfängt uns alleine (Woogie ist über Nacht mit Kumpels im Outback) und es scheint etwas „unaufgeräumt“. Unser Zimmer ist aber auf den ersten Blick okay, auf den zweiten muss jedoch erstmal etwas Hand angelegt werden, was uns aber ja weder erschüttern kann, noch schwer fällt. Frau T. holt zwei Hand voll Staub vom Ventilator, der wurde wohl die letzten Jahre übersehen. Zu unserem Zimmer gehört noch eine kleine Veranda raus in den Garten, dort wachsen Bananen, Ingwer und Avocados. Tja, so ist das hier in Hawaii. Außerdem bleiben hier auch Tag und Nacht alle Türen auf. Weder die Haustür noch unsere Veranda werden je verschlossen und auch das Grundstück ist rundum offen. Hier kommt nix weg, sagt man, und wir müssen drauf vertrauen. So bleibt unser komplettes Leben tagsüber unter der Bettdecke und den Kopfkissen versteckt (Profis) und abends ist glücklicherweise immer noch alles da. 

Kilauea Lighthouse

Zu Bettdecke und Kopfkissen entwickeln wir im weiteren Wochenverlauf ohnehin eine etwas intensivere Beziehung, da bei Frau T. leider die sich schon auf Maui ankündigende Erkältung voll durchschlägt. So müssen wir schweren Herzens von der geplanten und insbesondere von Frau T. ersehnten Stand Up Paddle-Action absehen und lassen es ruhig angehen. 

Saftladen in Hanalei

Nachdem mittwochs die gesundheitliche Krise überstanden ist, stehen am Donnerstag glücklicherweise schon wieder ausreichend Kräfte für eine kleine Wanderung zur Verfügung. Der Trail führt uns über ein riesiges Plantagengelände (unter anderem die größte Mahagoni-Fläche weltweit) und auf der Hälfte der Strecke überrascht uns ein heftiger Platzregen. Frau T. hat nun wieder etwas Angst um ihre fragile Gesundheit und die gutgemeinten Ratschläge meinerseits („jetzt immer in Bewegung bleiben“) kommen auf die Dauer auch nur halbgut an. 

Wildlife auf Kauai

Wir marschieren nun sehr stramm, es ist aber trotz Regen mollig warm und im Auto warten Handtücher und Flip Flops, so dass wir schnell wieder trocken liegen. Der Besserung steht also nichts im Wege und so können wir uns am nächsten Tag, leider schon unser letzter auf Kauai, an einen größeren Hike wagen. Es geht auf dem Kuilau Ridge- und Moalepe-Trail quer durch den Dschungel und das Wetter ist noch durchwachsener als am Vortag. Die schönen Aussichten leiden zwar etwas darunter, aber der Abenteuerfaktor ist umso höher. Petrus dreht die Dusche immer wieder auf und zu und das Wasser steht streckenweise knöcheltief. Da es auf Hawaii aber keinerlei Schlangen oder andere Reptilien gibt (dafür jedoch unzählige wildlebende Hühner), nehmen wir das entspannt hin, im Auto warten heute auch Wechselklamotten. 

Es geht nichts über klare Anweisungen!
In unserer Unterkunft müssen wir die Küche mit den Hausherren teilen, und da somit eine große Kochaction etwas unentspannt abliefe (viele Zuschauer verderben den Brei), verpflegen wir uns auf Kauai entgegen unserer Gewohnheiten und Budgets eher außerhalb. Unser Heimatörtchen Kapa’a bietet glücklicherweise eine breite Palette exquisiten „Streetfoods“ für den schmaleren Geldbeutel und so kann man unser kulinarisches Wochenmotto unter „Fischtacos und frische Säfte“ zusammenfassen. Die Säfte sind hier, Garteninsel eben, anscheinend der letzte Schrei und so findet ein buntes Potpourri aus wahlweise Ananas, Rote Beete, Gurke, Minze, Kokosnuss, Karotte und Ingwer den Weg in unsere Becher. Sehr lecker, daheim brauchen wir unbedingt einen Entsafter (natürlich…)! Ehe wir uns versehen, ist dann schon Samstag und auch diese Etappe unseres langen Reisejahres nähert sich dem Ende. In aller Herrgottsfrühe machen wir uns auf zum Flughafen und hopsen via „Island Air“ aufs benachbarte Oahu (das Propellermaschinchen wackelt ein bisschen), wo wir nun mit der „Pride Of America“ noch eine Woche um die Inseln schippern. Aber that’s another story! 

Strandidyll

Mittwoch, 18. März 2015

Best of Maui


Welcome to Maui oder auch Aloha, wie man in Hawaii zu sagen pflegt! Unser dreiwöchiges Hawaii-Inselhopping-Abenteuer startet hier auf Maui. So wirkliche Vorstellungen haben wir uns vorab fast keine gemacht, zumindest nicht über das klassische Hawaiibild hinaus, welches ja sicher in jedem unserer mitteleuropäischen Köpfchen existiert. Schön soll es sein, viel Hai und viel Hula soll es geben und vor allem warm wird es bestimmt. Alles andere lassen wir auf uns zukommen. Schon wenige Minuten nach unserer Landung auf diesem postkartenidyllischen Eiland müssen wir dennoch die erste Enttäuschung einstecken - keine Hulamädchen am Flughafen, die uns Blumenketten umhängen und beseelt "Aloha" vor sich hinchanten. Diesen Tiefschlag verkraften wir jedoch recht schnell und erreichen nach halbstündiger Fahrt (die Distanzen auf den hawaiianischen Inseln sind generell machbar) schon unser Domizil für die nächsten sechs Nächte. Ein kleines Cottage in Kula, im sogennanten Upcountry, also etwas höher gelegen. Mit warm ist hier, also zumindest nachts, daher schon mal nichts. Zum leidlichen Heizen gibt es einen Kamin, wenn man denn das Holz zum Brennen bringt, es weigert sich nämlich zunächst hartnäckig. Aber wir sind ja inzwischen old Canadians, das packen wir schon. Zur Not auch ohne Feuer. Denken wir am ersten Morgen nicht mehr, als wir unseren Atem sehen können. Schnell wird Wasser für einen Tee gekocht und die Muffins, die uns bei unserer Ankunft aus dem Kühlschrank entgegen gelächelt haben, in den Herd geschoben. Zu diesem Zeitpunkt geht Mr. T. noch davon aus, dass unsere Vermieterin diese Süßware eigenhändig kreiert hat, ich kläre ihn dann Tage später darüber auf, dass die vom amerikanischen Metropendant kommen. Mr. T. ist traurig.

Meeresschildkröten am Ho'okipa Beach

Am ersten Tag lassen wir es ruhig angehen. Man muss ja erstmal ein Gefühl für seine Umgebung bekommen. So touren wir ins 25 Minuten entfernte Hippie- und Surferstädtchen Paia. Hier läuft man sandverkrustet barfuß und genießt das Leben. Ein bisschen scheint es gar, als sei hier der Eine oder Andere auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens hängengeblieben, aber das macht auch den Charme des Örtchens aus. Insbesondere werden wir hier Fans vom gut sortierten Biosupermarkt Mana Foods, in dem wir wirklich alles finden, was wir brauchen, allerdings auch zu Hammerpreisen. Aber was soll's, das Preisniveau sind wir ja aus Kanada schon längst gewohnt und außerdem ist doch jetzt mal echt Urlaub, auch wenn der US-Dollar-Kurs schon ziemlich weh tut. Wir unternehmen unsere ersten Schritte am Strand, bestaunen wagemutige Surfer und riesige Meeresschildkröten. Mr. T. genießt hier das erste "Shaved Ice", muss wohl irgendwie eine Spezialität Hawaiis sein oder wieso gibt es das hier an jeder Ecke? Es handelt sich dabei, wie der Begriff schon vermuten lässt, um "rasiertes", oder eher geschabtes, Eis, auf das massenhaft Sirup in verschiedenen Geschmacksrichtungen gegossen wird. Gewöhnungsbedürftig...

Waikamoi Nature Trail / Road to Hana

Am zweiten Tag wartet dann eines der touristischen Highlights von Maui auf uns: die Road to Hana. Eine enge, kurvenreiche und bergige Küstenstraße durch überwiegend unberührte tropisch anmutende Landschaft. Immer wieder gibt es lohnenswerte Stopps mit kurzen Wanderwegen, Wasserfällen oder Aussichtspunkten. Das Bild, welches sich uns bietet, haut uns förmlich um, so schön ist das hier. Alles riecht so gut, die Blumen sind bunt, das Wasser klar, die Blätter an den Bäumen und Büschen satt grün.

Wasserfall XX / Road to Hana


Alles könnte so schön sein, wenn nicht, ja, wenn nicht Frau T. über Reiseübelkeit klagen würde. Immer dieses rechts und links und auf und ab, das ist nichts für sie. Zumindest nicht als Beifahrer. Dazu ertönt aus dem Radio noch Alohamusik und Mr. T. summt zu Frau T.'s Leidwesen ständig "over a rainbow" an. Nach Besichtigung des pittoresken Wasserfalls Nr. 47 wird daher im Cockpit gewechselt, und schon macht alles wieder ganz doll Spaß und die Stimmung ist gelöst. Nicht umsonst zählt die Road to Hana zu den "Must Sees" der Insel.

Haleakala Nationalpark

Auch an unserem dritten Tag auf Maui fühlen wir uns erstmal wieder eins mit der Natur und bewundern die Iao Needle, ein steil hinaufragender Felsen im Iao Valley. Hier ist eigentlich auch ein kurzer Hike geplant, aber da, wo wir laut unserem Lonely Planet langlaufen wollen, ist ein großes Verbotsschild. Mr. T. juckt es natürlich (auch wenn er dies nicht laut äußert, aber man kennt ja seine Pappenheimer), aber da hat er die Rechnung ohne die gesetzestreue Frau T. gemacht. Was verboten ist, machen wir net. Auch der kleine Botanische Garten, der sich hier befindet, wirkt etwas vernachlässigt und hat seine besten Zeiten wohl schon hinter sich. Hier ist also kein ganzer Tag zu vertrödeln.

Iao Needle

Dann fahren wir eben weiter an die Westküste. Dort reiht sich ein Ferienresort an das nächste, trotzdem wirkt alles etwas aufgeräumter und vor allem grüner als in vergleichbaren Orten im Mittelmeerraum. Wir schlendern entlang der Strandpromenade und möchten im Anschluss noch das Städtchen Lahaina besichtigen, fliehen jedoch vor den Kreuzfahrtgästen, die die Stadt an diesem Tag für sich eingenommen haben. Jetzt tröstet uns nur noch eine Schale Spicy Ahi Poke (Thunfischtartar), auch so eine Spezialität Hawaiis und wahnsinnig lecker.

Haleakala - zwischen Wolken und Himmel

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker... ein seltenes Phänomen in unserem "wenig work, viel travel"-Jahr. 4:15 Uhr, aber wir sind natürlich fit wie die Turnschuhe, die wir umgehend schnüren. Wir haben heute etwas ganz Besonderes vor und wollen den Sonnenaufgang vom Gipfel eines Vulkans begrüßen. Jeden Morgen pilgern etliche Touristen auf den Haleakala. Kalt und windig soll es da morgens sein. WIR sind aber natürlich vorbereitet. Warme Kleidung, Kopfschutz, Decken, Tee. Wir brauchen circa eine Stunde bis auf den Gipfel (auch hier fährt wieder Frau T.) und als wir dort um 5:30 Uhr ankommen, mutet es in 3.000 Metern Höhe doch etwas sehr sehr frisch an. Klar, wir haben uns vorbereitet, aber die kanadische Thermounterwäsche haben wir natürlich nicht im Gepäck und durch die Sneaker zieht es auch ein wenig. Wir postieren uns am Kraterrand und warten...und warten...und warten. Die Sonne hat es heute besonders schwer, denn die Wolken sind relativ weit oben, es dauert also, bis sie sich ihren Weg erkämpft hat. Derweil zittern wir ein bisschen. Ein bisschen sehr, um ehrlich zu sein. So sehr, dass Frau T. die nächsten Tage erstmal flachliegt (obwohl sie sich dessen bewusst ist, dass Kälte eigentlich nichts mit Erkältung zu tun hat), das weiß sie glücklicherweise jetzt aber noch nicht, sonst würde sie ins, zumindest windstille, Auto flüchten. So harren wir also aus und trotzen dem Wind und werden zwischendurch von hawaiianischem Sonnenanbetungsgesang, dargeboten von einer sonnengegerbten Eingeborenen, abgelenkt.

Haleakala

Endlich ist es dann soweit und wir huschen schnell zum Auto, um unsere Muffins (wir hatten sehr viele davon im Kühlschrank, unsere Vermieterin hätte stundenlang in der Backstube stehen müssen) zu verzehren und brechen dann, mittlerweile im Hellen und ein kleines bisschen Wärmeren, zu weiteren Erkundungstouren rund um den Krater auf. Während des Sonnenaufgangs fanden wir das Szenario gar nicht so spannend, aber jetzt, wo man auch was sieht, merken wir erst mal, wo wir sind und wie atemberaubend es hier überhaupt ist. Dieses Erlebnis ist es definitiv wert, so früh aus den Federn zu springen! Jetzt macht sich dann aber doch die Höhenluft bemerkbar, als Frau T. einen Hügel hinaufhechtet (hechelhechel), Mr. T. kurz stehen bleibt, um die Aussicht zu genießen und dann schnell zu ihr aufschließen will (hechelhechel). Wir üben also noch ein bisschen, bevor wir uns auf den Mount Everest wagen.

Ali'i Lavender Farm

Zurück in unserem Cottage genehmigen wir uns erst einmal ein herzhaftes Bauernfrühstück, bevor wir zu unserem nächsten Programmpunkt für heute aufbrechen - einer Lavendelfarm. Eigentlich wollen wir nur hier hin, weil es im Farmshop Lavendelscones und -tee gibt, aber natürlich spazieren wir erst einmal pflichtbewusst über das Areal, was sich insbesondere Frau T. viel romantischer und vor allem lilafarbener vorgestellt hat. Doch gerade blüht der Lavendel nur minimal, wir sind wohl noch ein paar Wochen zu früh. Unsere Goodies haben wir uns dennoch mehr als verdient und genießen diese auf der Sonnenterrasse mit Blick auf das Iao Valley und die Nord- und Südküste.

Afternoon Tea Ausblick

Der letzte Tag auf Maui steht nochmal im Zeichen BEACH FUN. Dafür haben wir uns den Strandabschnitt vorm Four Seasons Hotel an der Südküste ausgeschaut. Wenn schon, denn schon. Auch wenn wir vom vermeintlichen Luxus keinen Krümel abbekommen, die Bucht ist wunderschön und es macht Spaß, den Hotelgästen zuzuschauen, wie sie mit ihren Designertäschchen und Absatzbadeschühchen über den Strand hoppeln. Frau T. schwächelt hier schon merklich und hält es nicht allzulange in der Sonne aus, weshalb wir auch hier nochmal die Strandpromenade abschlendern, Kalua Pork zum Lunch snacken (schon wieder so 'ne Spezialität) und uns eine extrem leckere Eisschokolade gönnen (nicht unbedingt eine Spezialität, aber trotzdem auf die Hüften geschmiert).
Am nächsten Tag heißt es schon wieder "Aloha, Maui! Aloha, Kauai"! Auf zu neuen Ufern! Schön war es!