Freitag, 30. Januar 2015

Wintermärchen - Teil 3: Yoho National Park


Bei dem Yoho National Park handelt es sich um die kleine, oft wenig beachtete, westliche Schwester des Banff National Parks. Nur wenige Kilometer hinter Lake Louise entert man den östlichen Rand des Parks und tritt in eine völlig andere Welt ein. Im Yoho National Park ist alles etwas reduzierter, leiser und kleiner. Letzteres trifft insbesondere auf den Ort Field zu, über den unser Lonely Planet sagt: "Auf keinen Fall an Field vorbeifahren, ohne anzuhalten!" Und da wir (fast) alles befolgen, was in unserer Traveller-Bibel steht, halten wir an. Für vier Nächte. Die wir im Fireweed Hostel verbringen. Aufgrund von Kapazitätsengpässen schlafen wir die erste Nacht (allein) in einem Zimmer mit zwei Stockbetten und keinem Bad. Das teilen wir uns mit allen anderen Hostelgästen. Sind aber nur 3+. Drei Menschenkinder haben wir gesehen, aber nachts hört es sich wie eine ganze Hockeymannschaft an. Das mag aber wohl daran liegen, dass in Field derzeit Ausnahmezustand herrscht. Grund dafür sind die "Yoho Blow Daze" - das ist DAS Event des Jahres in Field. 

Yoho Snow Daze - Hockey / Von unserer VIP-Tribüne - der Hostelterrasse

Das ganze Dorf kommt zusammen und stellt ein buntes Programm zusammen: Eishockeyturnier, Vorgartenschneeskulpturenwettbewerb, Boccia im Schnee, Community Dinner, Konzert, Freestyle-den-Schneehang-runterkommen, und sehr vieles mehr. Alle sind ganz aufgeregt und gefühlt sind alle Einwohner (167) auf der Straße. Die Community Hall nebenan (farbenfrohst möbliert und ca. 40qm groß) bietet auch Speisen und Getränke an und so kommen wir während unserer Zeit dort auch in den Genuss eines von älterer mütterlicher Hand zubereiteten Chilis. Es ist also einiges an Trubel los in dem beschaulichen Örtchen, das über keinen Supermarkt, dafür aber über 1,50m hohen Schnee verfügt. Die Uhren scheinen hier noch gemächlicher zu ticken, ein bisschen erinnert das Idyll auch an ein winterliches Bullerbü. Uns gefällt es hier. Für die nächsten Nächte ziehen wir dann innerhalb des Hostels in ein Apartment um und können endlich wieder unser eigenes Süppchen kochen und uns (im Rahmen unserer jeweiligen physischen Möglichkeiten) lang machen. 


Als großer Höhepunkt unseres Aufenthalts gilt die geführte Schneeschuhwanderung, für die wir nochmals die 20 Minuten Richtung Lake Louise auf uns nehmen, um dort auf unseren Guide Joel zu treffen. Joel ist von Beruf "Aktiver Naturbursche" und macht seine Sache richtig gut. Mangels weiterer Anmeldungen erhalten wir eine Privatführung und kaum sind die Schneeschuhe angelegt, stapfen wir auch schon los. Stapfen trifft es in der Tat sehr gut, der Schnee ist ziemlich klebrig und sammelt sich daher schnell unter, neben und auf den Schneeschuhen an...und wir sind 10 Kilo schwerer. Es ist anstrengend, aber es macht doch auch so Spaß. Wir erfahren Allerhand über die Entstehung und den Lebenszyklus des Waldes und lesen Tierspuren. Mr. T. erweist sich als besonders mutig und probiert eine Form von "Lichen" (Flechte), die optisch an...nett ausgedrückt...gekräuseltes Haar erinnert. Zur Belohnung bekommt er von unserem Lehrer (und nicht von unserem Großvater) einen echten Werther. Frau T. kann mit diesem Leckerbissen nicht aus der Reserve gelockt werden, sie weiß aber auch schon, dass in der Pause eine heiße Schokolade und ein vom Guide selbstgemachter Müsliriegel aufwarten. Alles in allem eine runde Sache und wir werden das "snowshoe-en" sicher nochmal ausprobieren.

Emerald Lake

In den folgenden Tagen passen wir uns dem gemütlichen Rhythmus von Field an und unternehmen zwei kleinere Ausflüge. Da nicht alle Wanderwege im Winter zugänglich sind und es zudem für einige Regionen Lawinenwarnungen gibt, nehmen wir, was wir kriegen können und wandern zunächst zu den Hamilton Falls. Zumindest haben wir das vor. Doch der Weg wird immer steiler und steiler und irgendwie treten die angekündigten Wasserfälle nicht in unseren Blickwinkel. Als sogar die Schneeschuhspuren abrupt enden, beschließen wir, umzudrehen. Beim Rückweg kommen wir an einer Stelle vorbei, an der im Sommer eventuell und ganz vielleicht auch Wasserfälle sein könnten. Der hohe Schnee verdeckt diese aber scheinbar extrem geschickt, so dass wir uns, dieses Mal ohne tolles Eiszapfenfoto, wieder in die warme Bude trollen. Am nächsten Tag dann umrunden wir den Emerald Lake per Pedes. Die Sonne scheint, der Schnee glitzert, schöner könnte es im Yoho National Park nicht sein und eine weitere Station unserer "Tour de Rocky" findet ihren harmonischen Abschluss.

Emerald Lake

Mittwoch, 28. Januar 2015

Laundry Salons in and around Canada - Part 11: Banff, AB


Da ist das Ding! Die moderne Wasch-Trocken-Combo aus Banff. Glücklicherweise in unserer Unterkunft (also im Haupthaus, unter der Rezeption) befindlich. Mit $2 pro Wasch- und Trockengang auch recht erschwinglich - wir schmeißen ja eh alles zusammen. Leider ist es ein nordamerikaweites Phänomen, dass die Trockner nicht richtig trocknen und alles irgendwie noch ein bisschen klamm ist. Naja, trocknet schon noch nach. Die Wartezeiten konnten in unserer kuscheligen Kaminunterkunft überbrückt werden und wir können nun endlich wieder unter die Leute gehen!

Dienstag, 27. Januar 2015

Wintermärchen - Teil 2: Banff National Park


Nachdem wir eine Winterwoche im Jasper National Park verbringen durften, steht nun eine fast ebenso lange Zeit im Banff National Park auf unserer Reiseagenda. An dieser Stelle würden wir zum Einstieg gerne von der spektakulären Fahrt von Jasper nach Banff berichten, diese führt nämlich über den sogenannten „Icefield Parkway“, welcher als eine der schönsten Straßen der Welt gilt und im Sommer alle paar Kilometer die spektakulärsten Panoramen bietet. Tja, im Sommer. Mitte Januar ist es trotz eher harmloser Witterung ein ziemlich glattes Vergnügen und die Sicht weitestgehend eingeschränkt.

Nein, das ist KEIN Grizzly.

Am „Columbia Icefield“, dem namensgebenden Gletscher an der Strecke, wagen wir uns auch kurz aus dem Auto, die eisige Brise macht uns aber ganz fix klar, dass zügiges Weiterfahren die sinnvollste Option ist. An dieser Stelle mal wieder ein ausdrückliches Lob an unser Vehikel Immertreu.

Ford - die tun was

Während Jasper kleiner, ruhiger und ursprünglicher daherkommt, ist in Banff alles eine Nummer größer und touristischer ausgelegt und ähnelt gerade im Winter so ein bisschen den Urlaubsorten in den heimischen Alpen. Neben der Natur steht dann nämlich der Skisport klar im Vordergrund, und drängt diese vielleicht sogar ein bisschen zur Seite, da Banff 3 Skigebiete (u.a. das weltbekannte Lake Louise) direkt vor der Haustür liegen hat. Im Vergleich mit Europa halten sich die Menschenmassen aber glücklicherweise dennoch sehr in Grenzen. Die Frage der Unterkunft war trotzdem schon etwas knifflig, letztendlich hat es Frau T., die alte Reisefüchsin, aber dennoch spitzenmäßig verstanden, uns ein nettes, kleines Appartement etwas außerhalb zu organisieren, welches budgetmäßig gerade so noch zu verantworten war und uns sehr gastlich aufnimmt. Zur großen Freude mit vollausgestatteter Küche (Ergo: Raclette, husch, in die Dachbox), Kamin und einem ganz besonderen, regelmäßig patroullierenden, Sicherheitsdienst.

Der Sicherheitsdienst

Wir sind also wohlbehütet und können uns in frisch gewaschener Outdoorgear (Ei, was riecht denn hier so gut?) ganz nonchalant in unsere Unternehmungen stürzen. Da wir ja beide, Asche auf unsere Häupter, leider Nicht-Skifahrer sind, kommt uns sehr gelegen, dass auf Banff’s Hausberg Mount Norquay ein Tubing Park angeboten wird, also rauf auf den Reifen und dann runter den Hang. Nach dem Frau T. auf der Anfahrt im inneren Ringkampf die obligatorischen Ängste und Bedenken (wiedermal) bezwingen kann, ist sie dann auf dem Hang (wiedermal) kaum zu bremsen. Entgegen unserer Befürchtung ist so gut wie überhaupt nichts los, wir haben die Bahn fast für uns alleine und das Wetter spielt auch prima mit. Mit $25 pro Teilnehmer ist es zwar kein sehr günstiger Spaß aber wir geben uns große Mühe, das Verhältnis $1 pro Fahrt herzustellen. 

Die Piste

Ursprünglich hatten wir für unsere Zeit in Banff auch noch einen Langlauf-Anfängerkurs geplant, irgendwie können wir uns dafür aber dann nicht mehr so richtig aufraffen und man muss sich ja auch noch Träume erhalten. So soll es an den folgenden Tagen bei unserem Fachgebiet Wanderausflügen bleiben, von denen uns der spektakulärste in den gefrorenen Johnston Canyon führt. Da hier der Weg nicht direkt durch das vereiste Flußbett (wie im Maligne Canyon in Jasper) verläuft, sondern am Canyon entlang, gehen wir diesen Trip ohne Guide an (richtige Entscheidung, sind ja eh beide eher vorsichtig und bedacht) und werden auch hier mit atemberaubenden Eindrücken (und ein paar Rutscheinlagen) belohnt. Und übrigens, wenn wir groß sind, machen wir auch mal Ice-Climbing, vielleicht.

Johnston Canyon - Iceclimbing

Johnston Canyon - was die Climber übrig ließen

Johnston Canyon

Da nach dem Verzicht auf den Langlaufkurs ein dramatischer Reisekassenüberschuss besteht, kommen wir nach kurzer Überlegung zu dem Schluss unser Motto "Man muss auch gönnen können" zu befolgen, ab und zu eben auch in der Eigenanwendung. Um der Mondänität des Ortes Banff sowie der Majestät der umliegenden Gipfel gerecht zu werden, nehmen wir an unserem letzten Tag vor Ort nochmal einen kleinen Afternoondrink im doch ganz netten Fairmont Hotel Banff Springs ein. Ganz aufmerksame Leser erinnern sich vielleicht, dass wir ja eigentlich hier unseren Winterjob als "Christmas Tree Decorators" antreteten wollten, aber die Herrschaften wollten uns ja nicht. Wie so oft sieht man sich ja aber immer (mindestens) zweimal im Leben und ist es nun an uns, kaltblütig Revanche zu beanspruchen: Mr. T. isst hemmungslos das komplette Knabberschälchen leer und das Nachgefüllte obendrein. Don't mess with us!
Zischt wie Abbelsaft.

Den Abreisetag nutzen wir dann nochmal effizient um für 83(!) Cent den Liter (haben im Sommer schon für 1,41 getankt) das treue Vehikel zu versorgen, schlagen uns dann ins versteckte Gewerbegebiet von Banff durch, um im „Bottle Depot“ unser $1,15 Flaschenpfand einzulösen (crazy Germans…) und stocken anschließend ein vorletztes Mal so richtig unsere Roadtrip-Vorräte auf, bevor es dann auf unserer großen „Rocky-Mountain-Nationalpark-Wintertour“ weiter nach Yoho ins kleine und einzige Örtchen Field gehen sollte. Wir berichten.

Freitag, 23. Januar 2015

Wintermärchen - Teil 1: Jasper National Park




Mr. T. will Schnee! Richtigen Schnee! Nicht nur die obligatorischen 3 Flocken, bei denen jeder in Panik verfällt und der Straßenverkehr rund um Frankfurt zum Erliegen kommt. Somit ist ein Winter-Roadtrip in die Rockies Pflicht für die emsigen wenig work, VIEL TRAVELler. Von Tofino aus begeben wir uns mehr oder weniger schnurstracks und inklusive einer Fährfahrt (dieses Mal ohne feindliche Übergriffe) nach Jasper, mit einer unspektakulären Zwischenübernachtung in Kamloops. In Jasper haben wir ein Zimmer in einem B&B, nur ohne B - also ohne Frühstück. Dafür hat unser Zimmer eine Kitchenette ohne Kitchen - ein Leben voller Einschränkungen. Aber Familie T. weiß schon, wie sie zu leckerem Essen kommt. Dann wird halt kurzerhand das Raclettegerät verwendet. Wir können nun aus Erfahrung sagen, dass man damit nicht nur Raclette machen kann, sondern sich auf der Grillplatte vorzüglich Rührei mit Speck, Würstchen oder Burger Patties grillen/zubereiten lassen. Was wären wir nur ohne unsere Allzweckwaffe, das Raclettegerät? Womöglich 2 Kilönchen leichter!?
Die Unterkunft hat eine Toplage, mitten in downtown Jasper, und das ist echt schwer, denn die Innenstadt besteht aus ganzen zwei Straßen. Es gibt hier aber alles, was man braucht, es ist gemütlich und wir mögen es hier einfach nur. Wie schon im September berichtet, ist es hier wilder und viiiel ruhiger als im Banff Nationalpark und das ist genau unser Ding. 
Unsere Zeit in Jasper hält ein Potpourri an Aktivitäten bereit. Besonderes Highlight ist natürlich Mr. T.'s Geburtstag, der standesgemäß in der Fairmont Jasper Park Lodge bei einem delikaten Käsefondue gefeiert wird. Um dies abzutrainieren, wird Frau T.'s Kindheitstraum erfüllt: einmal auf einem zugefroreren See Schlittschuh laufen. Herrlich, wie wir katiwittesk über das Eis gleiten, eine Pirouette hier, ein dreifacher Rittberger da, Paarlauf, Kür, alles, nur keine Plicht. Nichts und niemand kann uns stoppen, wäre das Eis nur nicht so glatt. Spaß macht es alle mal und einmal Blut geleckt, möchten wir gar nicht aufhören und betreiben Lake-Hopping, in dem wir noch eine andere Location auschecken. In Jasper gibt es zwei Seen, die zum Skaten freigegeben werden. Zum einen ist das der Lake Mildred am Fairmont Hotel, auf dem man wirklich lange Bahnen ziehen kann (leider enttäuscht die Gastronomie, die nur am Wochenende geöffnet ist, wir hatten uns so auf eine gediegene Hot Chocolate gefreut), zum anderen kann man dem Schlittschuhvergnügen auf dem Pyramid Lake, etwas außerhalb der Stadt, frönen. Hier ist das Eis noch sehr, nun ja, um es in Reisekatalogsprache zu sagen, naturbelassen, aber wir sind ja mittlerweile Cracks, kein Ding!

Nur in Kanada: geht man mit dem Kinderwagen auf dem Eis spazieren

Wo wir gerade beim Thema Eis sind - wer sich im Winter im Jasper National Park aufhält, MUSS an einem Ice Canyon Walk teilnehmen. Vor den Toren der Stadt Jasper befindet sich der Maligne Canyon, der im Winter zufriert und den man dann teilweise begehen kann. Empfehlenswert ist es, dies mit einem erfahrenen Guide zu machen, denn es drohen Abrutschen und Einbrechen. Ausgestattet mit Boots und Cleats (=Stollen) führt uns der kanadische Urgestein-Guide Joe, gemeinsam mit einem Ehepaar aus Australien,  aufs Glatteis. Wir erfahren allerhand Wissenswertes über die Entstehung des Canyons und der unterschiedlichen Eisschichten und haben sogar die Möglichkeit, hinter einem zugefrorenen Wasserfall entlang zu laufen und in Eishöhlen zu schauen. Die Actionkomponente wird dadurch unterstrichen, dass Joe an manchen Stellen zur Vorsicht rät und wir nur im Gänsemarsch und jeweiligem Abstand von 10 Metern hinter ihm herlaufen dürfen. Dann und wann stochert er mit seinem Eispickel im Eis herum und zeigt uns Stellen, die wohl demnächst einstürzen werden. Um uns dies zu demonstrieren, trampelt er ordentlich auf der dünnen Eisschicht herum und auf einmal macht es ein lautes Geräusch und er sackt eine Etage nach unten, auf die nächste Eisschicht. Herz, schlag weiter. Frau T. sah es förmlich vor sich, wie er im Eiswasser landet und unter dem Eis weggezogen wird. Es ist aber noch mal alles gut gegangen und nach einem anfänglichen Schock von circa einer halben Sekunde, bricht Joe in Lachen aus und beteuert, wie "awesome" und "cool" das war. Mr. T. ist natürlich begeistert und Frau T. sieht ihm förmlich an, wie er sich wünscht, ihm wäre das passiert. Sicherheitshalber zieht sie ihn am Ärmel vom Abgrund weg. Unser Guide klettert aus dem Eis und glücklich, erleichtert, und mit rosa Bäckchen treten wir unseren Rückweg nach Jasper an.

Maligne Canyon

So siehts also unter dem Eis aus

Maligne Canyon

Maligne Canyon

Maligne Canyon

Doch steht bei uns nicht nur die Action auf dem Programm, auch für ausgiebiges Wildlife-Sichten bleibt Raum und Zeit, man kommt in Jasper auch gar nicht drum herum, teilweise sehr zum Leidwesen von Frau T. Bereits am ersten Tag begeben wir uns auf einen Spaziergang von unserem "B&B ohne B, aber mit K ohne K" zum Lac Beauvert und treffen nach wenigen Minuten miten am Bahnhof auf eine stattliche Elkfamilie (zu Deutsch: Wapitis).


Mindestens 30 dieser hübschen Tiere spazieren seelenruhig an uns vorbei und auch die Stimmung im Hause T. ist noch locker. Mr. T. darf sogar vor den wilden Tieren posieren. Weiter geht der Spaziergang. Auf der Brücke zum Old Fort Point dann das nächste Hindernis: Bighorn Sheeps (Dickhornschafe). Zwei davon auch wirklich mit ordentlichen Oschis auf dem Kopf, mit denen muss ich nicht unbedingt kuscheln. Ein uns entgegen kommender Radfahrer warnt uns noch vor den "big guys", aber das kann doch einen Mr. T. nicht abschrecken! Frau T. ist jetzt bereit, zur Unterkunft zurückzulaufen, aber da hat sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht.


Langsam wird an den, trotzdem ja sehr hübschen, Tieren vorbeigeschlichen, uff, durchschnaufen, alles geschafft. Doch wo ist Mr. T.? Panisch blickt sich Frau T. um...doch Mr. T. steht seelenruhig da und fotografiert ein bisschen mit seinem Handy. Auf das freundliche Zischen seiner Frau wird einfach nicht reagiert. Soll er doch machen, was er will. Trotzig läuft Frau T. schon mal weiter, muss jedoch feststellen, dass hier überall Cougar(Puma)-Warnungen aufgestellt sind. Auch das noch. Da denkt man, die Bären schlummern tief und fest und die größte Gefahr sei gebannt und dann sowas. Mittlerweile hat es Mr. T. auch geschafft, sich von den possierlichen Tierchen zu trennen und mild diskutierend laufen wir in den Wald. Schön, der weiße Schnee überall und diese Ruhe und weit und breit kein.... Halt! Was liegt denn da vorne? Braun mit Buckel? Sind die Grizzlies etwa doch wach? Nein, es sind die Familienoberhäupter der zuvor gesichteten Wapitifamilie mit crazy Geweihen auf dem Kopf, die mopsen sich ein bisschen im Schnee. Frau T. ist fasziniert und verängstigt zur gleichen Zeit. Mr. T., der unerschrockene Held, prescht natürlich wieder nach vorne, er kann gar nicht nah genug an die Viecher rankommen. Hach, immer wieder schön.


Frau T. schafft es, ihn einzufangen und mittlerweile wild diskutierend stapfen wir weiter durch den Wald. Die Diskussion wird erst beendet, als Mr. T. am Lac Beauvert einen Rieseneiszapfen findet und diesen ab sofort als Laserschwert und Wanderstock benutzen darf. Wie schön doch so ein Urlaub mit Kindern sein kann. Die kurz darauf erblickten Maultierhirsche können dann selbst Frau T. weder schocken noch beunruhigen und friedlich vereint treten wir den Rückmarsch zu unserer Unterkunft und unserem Raclettegerät an.


Zwei Tage später entdecken wir dann aus dem Auto heraus noch einen Kojoten. Zumindest gehen wir davon aus, dass es nur einer ist. Frau T. versucht aus dem fahrenden Auto heraus, einen Schnappschuss zu erzielen. Einmal klappt es ganz passabel, beim zweiten Mal erwischt sie nur noch einen Teil von dem Tierchen und will das Foto schon postwendend löschen, als ihr Blick auf ein kleines Detail im Hintergrund fällt. Ein Zeitgenosse unserer flüchtigen Standstreifenbekanntschaft. Voll das Photobombing.



Abgerundet wird unsere erlebnisreiche Zeit im Jasper Nationalpark mit einem Spaziergang durch kniehohen Schnee am Maligne Lake (dafür wurden also Schneeschuhe erfunden!) sowie mit einer kleinen Wanderung über Schnee, Stock und Stein durch das Valley of the Five Lakes. Ein wunderschöner kleiner Weg, der an 5 verwunschenen Seen vorbeiführt, und den wir komplett für uns hatten. Naja, fast, denn wie sollte es anders sein...Wildlife! Ein paar scheue Deers hören uns schon von weitem und flüchten über den zugefrorenen und mit Schnee bedeckten See vor uns.

Maligne Lake

Valley of the Five Lakes

Valley of the Five Lakes

Schauen wir mal, welche Abenteuer unser zweiter Wintermärchen-Stopp für uns bereit hält. Dazu bald mehr an dieser Stelle.

Mittwoch, 21. Januar 2015

Warum ich kein Nomade sein könnte

Wenn man sich in der Travel-Blogger-Welt ein bisschen umschaut, so stellt man fest, dass viele Reisende es nicht bei einem Auszeitjahr belassen, sondern Blut lecken, ihre Zelte in der Heimat komplett abbrechen und zeitlos durch die Welt streifen. Viele klopfen sich dann regelmäßig im geschriebenen Wort auf die Schulter und beteuern in ausschweifenden Blogposts, wie sehr sie ihre Entscheidung NICHT bereuen und dass JEDER diesen Schritt wagen und aus dem Hamsterrad ausbrechen sollte, denn nur DAS sei das richtige Leben. Wieso sich im Alltag quälen, wenn man auch unterwegs seinen Lebensunterhalt mit bloggen (also, wir verdienen bisher nur eure Anerkennung, wenn uns jemand auch finanziell entlohnen möchte, so kann er/sie sich gerne bei uns melden!), "freelancing" oder Sprachunterricht verdienen könne. Klar, das klingt verlockend: beim Aufstehen aufs Meer schauen, tropische Cocktails schlürfen, mit dem Laptop am Pool sitzen und abends wieder einen Sundowner an der Strandbar einnehmen. So stelle ich mir zumindest all die Travelblogger vor, die in Südostasien ihren Einstieg ins Nomadenleben gewagt haben. Die Lebenshaltungskosten sind niedrig, das Wetter nicht immer gut, aber immerhin warm. Was aber, wenn wirklich JEDER dies nachmachen würde? Wer wäre noch in Deutschland und würde brav jeden Monat Solidaritätszuschlag  und Kirchensteuer abdrücken und in die sichere Rentenkasse einzahlen? Versteht mich nicht falsch - ich gönne all diesen Menschen ihren Lebensstil, jeder soll das machen, was ihn/sie glücklich macht und sicherlich können diese dauerhaften Aussteiger auch nicht nur pausenlos am Strand liegen. Aber ich habe in den letzten Monaten festgestellt, dass dies (für immer) kein Leben für mich wäre. Und zwar aus folgenden Gründen:

1. Familie und Freunde
Ich bin nicht der Ansicht, dass man sich ständig auf der Pelle hängen muss, ich habe auch sehr gerne meine Ruhe. Und natürlich kann man auch auf Reisen neue Freunde finden. Jedoch ist man selten lange genug an einem Ort, um längerfristige Freundschaften zu knüpfen. Die liebe Familie bzw. gute und/oder langjährige Freunde sind aber in der Heimat und mit ihnen zu whatsappen oder skypen reicht mir auf Dauer nicht. Ich möchte mit ihnen an einem Tisch sitzen, an einem Glas Wein nippen und dummes Zeug reden. 

2. Aus dem Koffer leben
In den letzten Monaten habe ich eine zuvor nicht denkbare Zuneigung zu meinem Kleiderschrank zuhause entwickelt. Er ist nicht besonders schön (IKEA Standardmodell PAX, falls es jemanden interessiert), aber er ist ein SCHRANK, in dem sich die Klamotten dauerhaft aufhalten dürfen, in dem sie nicht hin und her geworfen werden, in dem sie nicht ständig neu sortiert werden müssen und in dem sie meist auch gut riechen und knitterfrei sind. Das ständige "Koffer aus dem Auto und wieder hinein wuchten" (auch wenn dies Mr. T.'s Aufgabe ist), das immer wieder kehrende Packen, das permanente Suchen (Wo hab ich denn meine rot-blau geringelten Socken hingesteckt???) nervt mich langsam, aber sicher, an. Dazu kommt, dass ich eh viel mehr Klamöttsken mit mir rumtrage, als ich brauche (dazu wird es nochmal einen gesonderten Blogbeitrag geben). Ein Bügelfanatiker bin ich allerdings nicht. Also niemand, der die Handtücher und Unterhosen bügelt. Und dieses Jahr wird einfach mal gar nicht gebügelt (sorry, Schwiegermama!), weshalb auch? Wir sind doch in Kanada!

3. Urlaub
Ich möchte mich wieder auf den Urlaub freuen können. Luxusproblem, ich weiß. Aber wie weiß man denn den Urlaub zu schätzen, wenn man sich ständig darin aufhält? Ich genieße nahezu jede Sekunde dieses Jahres, aber ich weiß auch, dass dieses Jahr bald (und viel zu schnell) vorbei sein wird und es eine einmalige Sache war. Ich möchte wieder Freude empfinden bei der Urlaubsplanung und nicht mehr jede einzelne Buchung aufschieben wollen. Wer mich kennt, weiß, dass ich immer irgendeine Reise plane...im Moment ist mir die Lust daran vergangen. Ab jetzt gibt es nur noch Urlaub auf Balkonien. Naja, vielleicht auch nicht, mal schauen.

4. Regelmäßiges Gehalt
Richtig spießig, ich weiß. Aber ein regelmäßiges Gehalt ist etwas Feines. Man weiß, wann es auf dem Konto ist (+/-2 Tage), man kann damit planen, man kann für den nächsten Urlaub sparen und sich was gönnen, wenn man möchte, man hat ja schließlich dafür gearbeitet. Der Preis dafür ist, dass man arbeiten gehen muss, das nehme ich dafür dann meistens gerne in Kauf.

5. Meine eigenen 4 Wände
Mein Bett ist nicht wirklich bequem oder besonders toll. Aber es ist mein Bett. Und es ist jede Nacht das gleiche Bett (außer im Urlaub). Ich komme jeden Abend durch die gleiche Tür, sehe die gleichen Möbel, weiß, dass es sauber ist oder zumindest, wann das letzte Mal geputzt wurde. Kann ohne Bedenken einen Teller und ein Glas aus dem Schrank ziehen und mich auf der Couch mit einer gut riechenden, bis zur Nasenspitze gezogenen, Decke mopsen. Ich weiß, welche Speisen ich zubereiten kann, weil ich die entsprechenden Utensilien in der Küche habe. Und alles, weil es mein Zuhause ist. Reisen ist toll, alle paar Tage woanders sein, viel erleben und sehen. Das bedeutet aber auch, alle paar Tage eine andere Unterkunft. Manchmal fühlen wir uns auf Anhieb wohl und plumpsen auf den Sessel, manchmal wird erstmal das Sagrotanspray ausgepackt und geschrubbt. Ich bin schon viel lockerer dies bezüglich geworden, habe kürzlich sogar in einem Bett geschlafen, in dem die Bettwäsche (obwohl gewaschen) von Blutflecken geschmückt wurde. Aber richtig Bock macht es nicht mehr.

Sicherlich gibt es noch viele Gründe mehr. Freakigerweise wahrscheinlich sogar einige FÜR ein Nomadenleben. Aber dazu dann mehr, wenn ich wieder im Alltag gefangen bin und mich nach Urlaub und einer Auszeit sehne! Frau T. will ja schließlich immer das, was sie gerade nicht hat. Frauen...

Sonntag, 18. Januar 2015

18.12.-18.1.: der achte Monat

Minuten vergehen mit einem Lidschlag, Tage zeitraffen an uns vorbei, Wochen werden zu Sekunden und Monate verschwimmen zu einem großartigen "wenig work, viel travel" - Jahr. Acht Monate reisen wir nun schon an die Zähne bewaffnet mit Bärenspray und Yogamatte durch den hohen Norden. Acht Monate haben wir schon die Gelegenheit, die schönsten Eckchen dieses Erdballs zu entdecken und in unser Herz zu schließen. Acht Monate lernen wir schon mehr über uns als in den letzten 30+ Jahren. Acht Monate dürfen wir ein wunderschönes Leben führen.

So, genug der Gefühlsdusselei. Hier kommen die harten Fakten:

Übernachtungen
AirBnB: 113
workaway: 47
Ferienhaus: 13
Camping/Auto: 9
B&B: 13
Schiff: 7
Hotel: 8
Cabin: 11
Motel: 2
Couchsurfing: 1
Family&Friends: 25

Anderer Kram
Museumsbesuche: 9
Gewanderte Trails: 29
Gesamtlänge: 168,7 km
Tankfüllungen: 46 (bei DEM Ölpreis!)
Gefahrene Kilometer: 18.893
Verschickte Postkarten: 32 - und unsagbar viele Weihnachtskarten

Kleiner Rück- und Ausblick
Seit unserem wilden Silvester (wir berichteten) ist die Straße wieder unser Zuhause. Der letzte große Roadtrip führte uns zunächst nach Vancouver Island und aktuell mit mehreren Stopps in die Rockies. Vor uns liegen noch mehrere Wochen in der schönsten westkanadischen Küstenstadt, ein paar Tage mit vor Schlitten gespannten Hunden im wilden Norden, Aloha-Feeling zu Land und See sowie eine Schnitzel-und Sachertortenflatrate. Na, erratet Ihr unsere nächsten Stationen?

Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache:
Wie Ihr vielleicht festgestellt habt, haben wir das Design unseres Blogs etwas aufgefrischt. Unter anderem findet Ihr rechts nun die Möglichkeit, Euch mit Eurer E-Mailadresse im Blogticker anzumelden. So bekommt Ihr immer sofort Bescheid, wenn wir was Neues geschrieben haben. Keine Angst - Werbung verschicken wir (noch) nicht.


Freitag, 16. Januar 2015

West Coast Vancouver Island - das Paradies auf Erden


Die West Coast von Vancouver Island - die Schönheit dieses Fleckchen Erdes lässt sich kaum in Worten beschreiben, daher wollen wir heute überwiegend Bilder sprechen lassen.

Fünf Tage haben wir in dieser absolut magischen Region verbracht, die vom letzten gemäßigten Regenwald der nördlichen Hemisphäre mit seinen über tausend Jahre alten Baumgiganten und dem wilden Pazifik geprägt wird, der hier teils an felsige Küsten donnert und teils an schier unendlichen Sandstränden ausläuft. Genauer gesagt, fanden wir vor den Toren des Surfer-Örtchens Tofino im wunderbar relaxten Ocean Village Resort unsere Herberge. Hier haben wir zu unserer unbändigen Freude ein Upgrade in eine höhere Zimmerkategorie erhalten und hatten somit aus unserer Cabin direkten Meerblick. Ursprünglich dachten wir, dem der Jahreszeit entsprechenden "Stormwatching" beiwohnen zu können, das Wetter erwies sich dann aber als überraschend ruhig und wanderfreundlich. Wild wurde es aber dennoch, als uns nämlich gleich am ersten Abend ein Erdbeben der Stärke 4,6 im wahrsten Sinne des Wortes überrumpelte. Sofort kam bei Frau T. Tsunamipanik auf (gar nicht mal unbegründet, Tofino ist nämlich Teil der "Tsunami Evacuation Zone") und innerhalb weniger Sekunden war ein Notfallrucksack gepackt. Es blieb dann aber alles ruhig, der Hotelmensch gab Entwarnung, und so konnten wir unseren "Urlaub" hier in vollen Zügen genießen. Während unserer Zeit an der West Coast waren wir täglich im Pacific Rim Nationalpark wandern, haben leckere Fish Tacos genossen, sind am Strand entlang spaziert und haben abends mit Meeresrauschen als Geräuschkulisse ein bisschen an unserem Blog und anderen Schreibselarbeiten (Spannung Spannung!) gearbeitet. Es waren 5 Tage, in denen man sprichwörtlich die Seele baumeln lassen konnte und die wir ganz sicher unter den absoluten Höhepunkten unseres Reisejahres verbuchen. 

Nun geht es aber weiter mit dem versprochenen Augenschmaus:

Cathedral Grove


Cathedral Grove

Atemberaubender Sonnenuntergang am MacKenzie Beach

...und noch einer

Willowbrae Trail, Pacific Rim N.P.

Florencia Bay, Pacific Rim N.P.


Florencia Bay, Pacific Rim N.P.


Stormwatching Cabins im Ocean Village Resort, Tofino


Schooner Trail, Pacific Rim N.P.


Schooner Cove, Pacific Rim N.P.


Nuu-chah-nulth Trail, Pacific Rim N.P.


Nuu-chah-nulth Trail, Pacific Rim N.P.








Dienstag, 13. Januar 2015

Trocken trotz Regen



Nachdem wir in Vancouver fast schon sesshaft geworden sind, einer geregelten, vollzeitlichen und vor allem bezahlten Arbeit nachgegangen waren und einige nette Menschen kennen gelernt hatten, war es dann am Silvestertag, oder NYE (New Year‘s Eve) wie es hier drüben heißt, bzw. am Vorabend dessen, fast schon ein flaues Gefühl in der Magengegend, als es wiedermal hieß, alles zusammen zu packen, um die Weiterreise vorzubereiten und anzutreten. Da in unserem Reisejahr aber bekanntlich der Weg das Ziel ist, war es nur konsequent und logisch nun das nächste anzupeilen. Silvester und die ersten Januartage wollten wir auf Vancouver Island verbringen, genauer gesagt in Victoria, der Hauptstadt von British Columbia, die so ein bisschen anders ist, als die typischen nordamerikanischen Städte, jedoch so ganz anders dann auch wieder nicht. Zwei Dinge markieren diese etwas exponierte Stellung, zum einen der noch immer prägend vorhandene britische Einschlag, welcher sich im großen Teilen Kanadas ja schon sehr verflüchtigt hat und zum anderen die klimatischen Bedingungen. Noch ausgeprägter als im Großraum Vancouver, ist es hier im Süden Vancouver Islands sehr mild. Nicht selten gehen schon im Januar die ersten Knospen auf und Schneetage sind eine absolute Rarität. Die meisten Menschen würden das sicher als Vorteil auslegen, wir waren mit dem Wetter aber nicht so wirklich glücklich. Nachdem es an Silvester noch trocken war (zu trocken, dazu gleich mehr) fing es an Neujahr nachmittags langsam an zu tröpfeln und regnete sich dann für unseren Aufenthalt mehr oder weniger ein. Da wir aber eine supergemütliche Unterkunft bewohnen durften – ihr ahnt es, AirBnB – hatten wir auch kein Problem damit, uns nachmittags oder abends einfach mal die Decke über den Kopf zu ziehen und der Plattensammlung unserer Gastgeberin auf deren Plattenspieler zu lauschen. Frau T. erwies sich übrigens als der wesentlich talentiertere Disc-Jockey.
Mit (kürzeren) Aufenthalten in Städten ist es in so einem Reisejahr ohnehin so eine Sache. Von einer klassischen Städtereise ist man ja gewohnt, dass man sich in kurzer Zeit ein relativ breites Bild von der besuchten Stadt machen möchte. Man plant also im Vorfeld, pickt sich seine Sehenswürdigkeiten heraus, überlegt wie man wo am besten hinkommt und holt sich platte Füße, indem man versucht, den „Diem“ möglichst gut zu „carpen“. Ist man jedoch ein Jahr lang unterwegs, lässt sich diese Herangehensweise unmöglich aufrechterhalten, zumindest für mich. Das Gewissen treibt einen stets voran und man muss es wiederholt dahingehend beruhigen, dass es absolut okay ist, wenn man mal einen Vormittag, mal einen Nachmittag und mal auch den ganzen Tag einfach nur verbummelt. Man kann nämlich nicht 365 Tage Tourist sein, sondern manchmal auch einfach nur Mensch, vom Sternzeichen Couchpotato. Trotzdem ist es natürlich so, dass wir uns von einem bisschen Regen keineswegs kleinkriegen lassen (wo kämen wir denn da auch hin) und unsere Revuekörper vor die Tür bewegen. An Silvester aber leider zu spät. Nachdem die eigentlich gar nicht so lange Anfahrt aus Vancouver mit Wohnungsübergabe, Fährenwartezeit, Fährfahrt, Walmartgeneraleinkauf usw. sich dann doch bis in den Nachmittag zieht und wir dann erstmal in der neuen Bleibe einchecken und uns einrichten möchten (haben ja schließlich wiedermal den ganzen Hausstand, im, am und auf dem Auto) ist es schon dunkel bis wir uns endlich Richtung Liquor Store aufmachen, um uns mit einem Sektchen für das neue Jahr zu rüsten. Frau T. ist sowieso noch etwas wacklig auf den Beinen, denn während der Fährüberfahrt kam es auf dem Außendeck zu einer infamen Attacke, als eine hinterlistige Möwe in allerfeinster Taschendiebmanier, die gerade nach tauglichen Fotomotiven Ausschau haltende Frau T. hinterrücks anflog, überrumpelte und ihr den Keks aus der Hand stahl. Ein klarer Fall von Mundraub! Es ist nun also kurz nach sechs, der Supermarkt hat noch auf und auch im benachbarten Liquorstore brennt noch Licht. Nur doofer Weise schließt die gute Liquor-Fachverkäuferin gerade von drinnen ab. Mist. Immerhin gibt sie uns noch mit auf den Weg, wo sich die Kollegen befinden, die noch geöffnet haben. Dank unseres treuen Navis (dies war im Tagesverlauf schon mal kurz verschollen, was wiedermal ein bisschen Emotionalität ins Eheleben gebracht hat) finden wir auch fix zu Liquor Store Nummer zwei, stehen aber auch dort leider schon vor verschlossener Tür. Again, Mist. Glücklicherweise fiel uns aber im Zuge der Einrichtung in unserem neuen Zuhause schon das „Empfehlungsheftchen“ unserer Gastgeberin in die Hände, worin neben verschiedenen Restauranttipps auch eine sehr nette Weinbar vermerkt war, in Laufweite direkt ums Eck. Na, dann feiern wir halt einfach im Ostküstenrhythmus und stoßen etwas verfrüht an. Leider schlägt auch dieser Plan fehl, die Weinbar hat heute zu und da wir in den letzten Monaten schon so viele Sachen zum ersten Mal in unserem Leben ausprobiert haben, wird „Silvester trocken“ unsere neue Herausforderung. Unsere Ersatzdroge heißt Coke Zero (Leben im Grenzbereich!) und wir kredenzen uns zum seelischen Ausgleich ein Blech überbackene Hackfleischnachos mit der weltbesten Guacamole, welches sich gewaschen hat, so dass wir dann gegen 23.00 Uhr friedlich in Morpheus‘ Arme sinken und 2015 sanft schlummernd begrüßen. 

Mr. T. beim Versuch, die hinterhältige Möwenattacke nachzustellen

Das neue Jahr beginnen wir dann, wiederum einer Empfehlung unserer Gastgeberin folgend, mit einem sehr herzhaften Brunch im Cafe Jam und trainieren uns danach die verspachtelten monströsen Biscuits mit Fried Chicken und Chorizo bei einem Spaziergang durch die gemütliche Innenstadt und das älteste Chinatown Nordamerikas ab. Als wir dann am ehrwürdigen Fairmont Empress, dem ersten Haus am Platze, vorbeikommen, verspürt Frau T. doch noch einen stechenden Sektdurst und würde diesen nun gerne in einem ihr gerecht werdenden Ambiente einnehmen. Leider ist uns die Atmosphäre im Haus bzw. dem „Tearoom“ dann aber doch zu „bahnhofshallig“ und wir bleiben weiter nüchtern, unser Budget atmet dabei hörbar auf. Damit diesem jedoch nicht gar zu wohl wird, schaffen wir es abends aber tatsächlich doch noch uns (nach einem weiteren Fehlversuch) ein Fläschchen Weißwein zu besorgen und mit der Creme de Cassis von der Île d‘Orleans aus Quebec, welche ja eigentlich der gute Cousin R. einst im Sommer zur Hochzeit bekommen sollte, wäre sie nicht irgendwo im Gepäck verschollen gewesen, zaubern wir uns einen fancy Drink. Die folgenden Tage verbringen wir dann ziemlich relaxt, einmal besuchen wir die „Royals“, das lokale Eishockeyteam (wir berichteten), einmal begeben wir uns auf eine kleine Odyssee auf der Jagd nach dem „Nullmeilenschild“ des Trans-Canada-Highways (wir berichteten) und dann steht wiedermal ein Familientreffen an, diesmal ist es Tracy, die Tante unserer Hochzeitscousins, mit welcher wir uns sonntags zum Lunch treffen und ein Stündchen schnacken. Unseren letzten Tag in Victoria nutzen wir schließlich für ein bisschen Kultur und besuchen das „Royal BC Museum“ (Naturkunde und Geschichte), welches erfreulicherweise in der ersten Woche des Jahres gegen eine kleine Spende statt des regulären Eintritts besucht werden darf und uns mit seinen extrem liebevollen und detailorientierten Ausstellungen voll in seinen Bann zieht. Für die „Art Gallery“, eigentlich auch noch auf der Agenda, fehlt uns dann die Energie, denn wie eingangs erwähnt, Mensch bleiben! 

Sektchen? Ach nee, lieber doch nicht! (Fairmont Empress Victoria)

Ehe wir uns so richtig versehen heißt es schließlich auch schon wieder Koffer packen, the journey goes on, unwiderruflich. Die nächste Etappe führt uns an die wilde Westküste der Insel, an den unbändigen Pazifik und in den urtümlichen und verwunschenen Regenwald, nach Tofino.