Montag, 30. März 2015

Aloha, Ahoi und Mahalo

Frau T. sitzt auf dem Balkon, Laptop auf dem Schoß, die nackerten Füße auf der Reling, ab und an bläst die Gischt einen sanften Salzwasserhauch auf die Haut. Es ist fast geschafft! Eine Woche Hawaiikreuzfahrt mit nicht enden wollendem Essens- und Unterhaltungsangebot, mit nächtlichem See- und täglichem Landgang ist beinahe vollendet. Sie nippt an ihrer Coke Zero, lehnt sich nach hinten und blickt zurück auf sieben entspannte Tage im Pazifik...

 
Leinen los in Honolulu

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist... günstiger als die Hotels in Hawaii und deswegen fällt die Entscheidung für eine Kreuzfahrt in unserer dritten Hawaiiwoche relativ leicht. Die Auswahl ist auch ein Kinderspiel, denn es gibt nur ein Schiff bzw. eine Reederei, die ab/bis Hawaii (also nicht ab dem amerikanischen Festland, da gibt es tatsächlich mehrere) schippert: Norwegian Cruise Line mit ihrer Pride of America. Unser Reisebudget deckt die Unterbringung in einer Innenkabine ab. Bei der Buchung sind wir noch ganz kühn: "Macht doch nichts, wir schlafen doch nur in der Kabine. Tagsüber sind wir eh immer an Land oder am Pool." Doch je näher der Reisetermin rückt, desto unzufriedener wird insbesondere Frau T. mit der Wahl. "Ist ja so klein und eng und wenn es schaukelt, kann man noch nicht mal rausschauen, um sich zu vergewissern, dass alles ok ist." Wie der Zufall, und ein bisschen "nett zwinkern und BITTE BITTE sagen" es dann aber so wollen, gibt es ein Upgrade in eine Balkonkabine. Kreuzfahrt, HERE WE COME! 

Volcanoes National Park, Big Island

Nachdem es bei unserer Alaskacruise ja nicht geklappt hat, starten wir hier am Einschiffungstag noch einmal die Aktion "als Erste auf dem Schiff sein", bedingt durch unsere frühe Ankunftszeit von Kauai. Wir sind so zeitig am Hafen, dass noch gar nichts geht und kein Schalter geöffnet ist. Wir genehmigen uns also erstmal ein spätes Food Truck Frühstück und sind dann die ERSTEN in der Schlange derjenigen, die kein Gepäckzettelchen haben. Als der Startschuss zum Einchecken fällt, stolpern wir also schnell zum Gepäckzettelchenausgabeschalter, schnappen uns entsprechendes Ding, befestigen es an unserem Koffer und hechten zur Gepäckabgabe. An dieser Stelle haben wir schon mindestens 4 Rentnerpaare aus der Schlange "Wir haben schon ein Gepäckzettelchen" überholt. Strike! Unsere Glückssträhne hält auch noch an der Sicherheitskontrolle an doch kurz danach werden wir von eingeölten Hulatänzern/-innen angehalten. Sie behängen uns als Ausdruck ihrer Verehrung mit Blumen- und Muschelketten und anschließend sollen wir noch mit ihnen für ein ganz spontanes "Hang loose"-Foto posieren. Man muss sich auch Zeit für seine Fans nehmen, aber dennoch entgeht uns nicht, dass eine Großfamilie bereits in einen anderen Raum geführt wird. "Haaaalt! Wir wollten doch..." Aber wir müssen jetzt erst einmal geradeaus zum eigentlichen Check-in, erhalten unsere Bord-/Zimmer-/Bezahlkarten (all in one) und dürfen dann als Erste in der Boardinggruppe "A" Platz nehmen. Juchhu! Aber wo ist die Großfamilie abgeblieben? Hmm, die mussten vielleicht noch mal zur Gepäckkontrolle?! Egal, selten haben wir uns dem Paradies so nahe gefühlt. 

Na Pali Coast, Kauai

Wir sippen an köstlichem Zitronenwasser und lauschen hawaiianischen Klängen, die von einer authentisch wirkenden Kombo widergegeben werden, begleitet von folkloristischen Tanz- und Handwerksdarbietungen. Endlich mal das richtige Hawaii! Nicht lange und dann geht es los. Kaulanna, der die Kreuzfahrt als hawaiianischer Kulturbotschafter begleitet, beginnt einen hawaiianischen Lobesgesang und zwei der dickbäuchigen und ölverschmierten Hulatänzer pusten jeweils in eine große Muschel. Auf gut deutsch soll das heißen: "Der Mob darf aufs Schiff!" Familie T. ist im Begriff aufzuspringen, doch da werden erst einmal aus einem Nachbarraum mehrere Passagiere (besagte Großfamilie inkusive) vor uns zum Schiff geführt. Was haben wir nur falsch gemacht? Schnell dämmert es uns: wir sind keine Stammgäste, nehmen an keinem Treueprogramm teil, diese VIPs haben natürlich den Vortritt, das leuchtet selbst uns ein. Aber dann dürfen auch wir die heiligen Hallen betreten und stürmen erst einmal das Mittagsbuffet (für was sind wir schließlich hier?), bevor wir zu einer Schiffserkundungstour aufbrechen. Auch wenn das Schiff größer ist, als der Kahn von der Alaskakreuzfahrt, so blicken wir doch relativ schnell durch, irgendwie ist ja doch immer alles gleich. Die Pride of America ist ein sehr, nun ja, sagen wir mal, amerikanisches Schiff. Es erinnert an ein 3*+ Hotel, alles ist schon etwas abgenutzt und nichts überrascht. Aber das wussten wir vorher schon und Luxus brauchen wir ja ohnehin nicht. So langsam würden wir aber gerne mal unseren Kram in der Kabine ablegen und unser Outfit in Badeklamotten umtauschen. Doch da haben wir die Rechnung ohne die Kabinenstewards gemacht, die gehen sorgfältig ihrer Arbeit nach und unser Deck ist eines der letzten, das zum Bezug freigegeben wird. Das hat man nun davon, wenn man darauf abgeiert, als Erster auf dem Schiff sein zu wollen. Mr. T. fängt nun, nachdem Frau T. sich einigermaßen gefangen hat, auch noch an zu kränkeln und wird während der gesamten Kreuzfahrt etwas angeschlagen sein.

Na Pali Coast, Kauai

In unserer Kabine erwartet uns dann ein 300$ Bordguthaben (kleine Zugabe zum Upgrade) sowie ein Willkommensbrief der Ansprechpartnerin für deutsche Passagiere: Angie. Angie freut sich so, dass wir an Bord sind und lädt uns zu einer kleinen Informationsstunde ein. Brauchen wir net, wollen wir net. Doch Angie lässt nicht locker, denn sie meldet sich zusätzlich noch telefonisch und fragt an, ob wir uns "nachher noch sehen". Ääähm, klar, gerne kommen wir vorbei. Ist ja doch auch mal schön, mit jemand anderem als dem Ehepartner Deutsch zu sprechen und insbesondere Frau T. hungert ja schon länger nach sozialen Kontakten. So finden wir uns also kurze Zeit später im Kartenraum ein und treffen dort auf das junge Pärchen Armin und Katharina, das ältere Paar Siegfried und Christa, das homosexuelle Paar X und Y (hier hat Angie nicht die Namen laut vorgelesen), sowie das Freundinnenpaar Mandy und Franzi (wir ahnen, wo die beiden herkommen). Angie selbst stammt aus Heidelberg und erzählt uns ein bisschen etwas über die Kreuzfahrttage, die vor uns liegen. Keine wirklich spannenden Erkenntnisse, aber zumindest kennen wir nun Menschen, die wir auf dem Gang oder an Deck nicht mit "Aloha" (sprich: Alo-Ha), sondern mit einem kräftigen "Guten Morgen" grüßen können. Überhaupt, dieses Aloha. Die Angestellten wirken regelrecht brainwashed, denn egal, wie oft man ihnen über den Weg läuft, immer bekommt ein "Aloha" entgegen geschmettert. Das Kabinenpersonal scheint zudem die Anordnung zu haben, die Passagiere mit Namen zu grüßen, was unserer Emi offensichtlich schwerfällt, für sie sind wir irgendwann einfach nur noch "Aloha, Mr. and Mrs. Tischeni". Ist ja eh alles gleich, denn wie die nervige Kreuzfahrtdirektorin Malou den Passagieren schnell mitteilt, sind wir jetzt alle eine "Ohana", eine Familie. Wie war das noch, Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht? Und ich dachte schon immer Mr. T. hat einen großen Anhang, jetzt habe ich auf einmal 2.137 Brüder und Schwestern. 

Volcanoes National Park, Big Island
 
Der erste Tag neigt sich mit dem Auslaufen aus Honolulu seinem Ende zu, das Schiff fährt immer nur nachts und das kann mal mehr oder weniger schauklig ausfallen. Uns Seebären erschüttert aber nichts, schlafen können wir trotzdem nicht gescheit. Denn unter uns ist der Nachtclub, in dem es manchmal auch noch etwas länger drunter und drüber gehen kann. Ziele unserer Schiffstour sind Maui, Big Island und Kauai. Zwei der Inseln haben wir schon gesehen, weshalb wir es an den Tagen, an denen wir dort im Hafen liegen, einfach mal locker angehen lassen und gar nichts machen. Außer am Pooldeck liegen, Sangria trinken, in den Whirlpool hüpfen, lesen und ein bisschen vorbloggen. Äh, und Essen natürlich. Aufgrund unseres großzügigen Bordguthabens testen wir auch Sushibar und Steakhouse. Man muss ja auch mal Mensch sein. Weitere wichtige tägliche Programmpunkte sind kurz von Bord gehen und irgendwo kostenloses Wlan finden, sowie Trivia spielen. Dabei handelt es sich um ein täglich wechselndes Allgemeinwissensquiz, das in der Bibliothek ausliegt und insbesondere von Mr. T., der seine geliebte Frau natürlich meist eiskalt abzocken kann, heiß herbeigesehnt wird. Sollte es dann doch mal langweilig werden, so kann man sich dem Bordunterhaltungsprogramm hingeben. Frau T. beteuert täglich, dass sie "heute aber mal wirklich" zum Hulatanzkurs geht, dabei bleibt es aber auch. Zum Ausgleich lernt sie dafür hawaiianische Kokosnuss-Ketten zu basteln, und gemeinsam gestalten wir Grußkarten und belegen einen ruhmreichen zweiten Platz beim Kanadaquiz. 

Volcanoes National Park, Big Island
  
So richtig was besichtigt wird dann erst wieder auf Big Island. Wir haben einen Tag Aufenthalt in Hilo und fahren mit einem Mietwagen zum Volcanoes National Park, wo wir ein bisschen wandern und die atemberaubende Landschaft bestaunen. Hier und da dampft es aus dem Boden und einen aktiven Vulkan sehen wir auch, leider aber keine Lava, da Teile des Nationalparks aus Sicherheitsgründen geschlossen sind. Manchmal fließt die Lava bis in den Pazifik, aber Madame Pele, wie der Vulkan auch genannt wird, erfüllt uns diesen voyeuristischen Wunsch nicht und so ändert das Schiff seine geplante Route und fährt auf direktem Weg an die Westküste der Insel nach Kona, dem Dreh- und Angelort des Iron Man. Hier bummeln wir durch das kleine Städtchen, es nerven aber die ganzen Kreuzfahrttouristen (irgendwie paradox) und so tendern wir flugs wieder zurück aufs Schiff, zu gut gefällt es uns auf den Sonnenliegen. So vergehen die Tage, eine ganze Woche, um genau zu sein, mit größtenteils süßem Nichtstun. Schwuppdiwupp legen wir schon wieder in Honolulu an und Familie T. hat einen kühnen Plan: "Als letzte Passagiere vom Schiff gehen"!

Sonntag, 29. März 2015

Best of Kauai

Kokee Valley

Kauai, auch bekannt als die Garteninsel, geht zu den drei anderen großen Inseln geografisch etwas auf Abstand und gilt vielleicht auch deshalb im Vergleich als noch am wenigsten touristisch überlaufen. Wer nun aber autofreie Straßen und unverbaute Orte erwartet, liegt natürlich falsch. Selbstverständlich befinden wir uns auch hier in den USA und ist auch hier der Tourismus der Haupternährer, es geht aber alles noch eine Nummer kleiner und geruhsamer zu als auf Maui oder gar Oahu. Der größte Trumpf der Garteninsel ist, oh Wunder, die Natur: dichter Regenwald, spektakuläre Höhenzüge und Täler sowie traumhafte Strände. Nicht umsonst ist Hollywood ganz vernarrt in das Eiland und fand hier beispielsweise für „Jurassic Park“ eine atemberaubende Kulisse.  

Waimea Canyon

Hawaiian Air fliegt uns ganz sanft von Maui herüber, Frau T. atmet wiedermal auf, und da wir erst nachmittags in unsere Unterkunft einchecken können, machen wir uns mit dem Mietauto direkt auf in Richtung „Waimea Canyon“, der Top-Sehenswürdigkeit Kauais und laut Mark Twain der „Grand Canyon des Pazifiks“. Na und wenn der es sagt… Mehr kluge Worte will ich dann auch gar nicht mehr verlieren, wiedermal berichten die Bilder viel treffender.

Waimea Canyon

Es fällt uns also allzu leicht, hier einige Stündchen zu verstaunen und schon ist es Nachmittag und wir können unser Lager beziehen. Wiedermal liefert uns AirBnB das Obdach, denn die Hotelpreise sind auch auf Kauai astronomisch. Und selbst über dieses Medium reicht es dieses Mal nicht für eine komplett eigene Bude, sondern wir beziehen ein Zimmer mit Bad bei Maryna und Mark, den jeder „Woogie“ nennt. Auf den Fotos im Internet sah das Ganze ziemlich edel und gepflegt aus, die Realität hinkt so ein bisschen hinterher. Maryna empfängt uns alleine (Woogie ist über Nacht mit Kumpels im Outback) und es scheint etwas „unaufgeräumt“. Unser Zimmer ist aber auf den ersten Blick okay, auf den zweiten muss jedoch erstmal etwas Hand angelegt werden, was uns aber ja weder erschüttern kann, noch schwer fällt. Frau T. holt zwei Hand voll Staub vom Ventilator, der wurde wohl die letzten Jahre übersehen. Zu unserem Zimmer gehört noch eine kleine Veranda raus in den Garten, dort wachsen Bananen, Ingwer und Avocados. Tja, so ist das hier in Hawaii. Außerdem bleiben hier auch Tag und Nacht alle Türen auf. Weder die Haustür noch unsere Veranda werden je verschlossen und auch das Grundstück ist rundum offen. Hier kommt nix weg, sagt man, und wir müssen drauf vertrauen. So bleibt unser komplettes Leben tagsüber unter der Bettdecke und den Kopfkissen versteckt (Profis) und abends ist glücklicherweise immer noch alles da. 

Kilauea Lighthouse

Zu Bettdecke und Kopfkissen entwickeln wir im weiteren Wochenverlauf ohnehin eine etwas intensivere Beziehung, da bei Frau T. leider die sich schon auf Maui ankündigende Erkältung voll durchschlägt. So müssen wir schweren Herzens von der geplanten und insbesondere von Frau T. ersehnten Stand Up Paddle-Action absehen und lassen es ruhig angehen. 

Saftladen in Hanalei

Nachdem mittwochs die gesundheitliche Krise überstanden ist, stehen am Donnerstag glücklicherweise schon wieder ausreichend Kräfte für eine kleine Wanderung zur Verfügung. Der Trail führt uns über ein riesiges Plantagengelände (unter anderem die größte Mahagoni-Fläche weltweit) und auf der Hälfte der Strecke überrascht uns ein heftiger Platzregen. Frau T. hat nun wieder etwas Angst um ihre fragile Gesundheit und die gutgemeinten Ratschläge meinerseits („jetzt immer in Bewegung bleiben“) kommen auf die Dauer auch nur halbgut an. 

Wildlife auf Kauai

Wir marschieren nun sehr stramm, es ist aber trotz Regen mollig warm und im Auto warten Handtücher und Flip Flops, so dass wir schnell wieder trocken liegen. Der Besserung steht also nichts im Wege und so können wir uns am nächsten Tag, leider schon unser letzter auf Kauai, an einen größeren Hike wagen. Es geht auf dem Kuilau Ridge- und Moalepe-Trail quer durch den Dschungel und das Wetter ist noch durchwachsener als am Vortag. Die schönen Aussichten leiden zwar etwas darunter, aber der Abenteuerfaktor ist umso höher. Petrus dreht die Dusche immer wieder auf und zu und das Wasser steht streckenweise knöcheltief. Da es auf Hawaii aber keinerlei Schlangen oder andere Reptilien gibt (dafür jedoch unzählige wildlebende Hühner), nehmen wir das entspannt hin, im Auto warten heute auch Wechselklamotten. 

Es geht nichts über klare Anweisungen!
In unserer Unterkunft müssen wir die Küche mit den Hausherren teilen, und da somit eine große Kochaction etwas unentspannt abliefe (viele Zuschauer verderben den Brei), verpflegen wir uns auf Kauai entgegen unserer Gewohnheiten und Budgets eher außerhalb. Unser Heimatörtchen Kapa’a bietet glücklicherweise eine breite Palette exquisiten „Streetfoods“ für den schmaleren Geldbeutel und so kann man unser kulinarisches Wochenmotto unter „Fischtacos und frische Säfte“ zusammenfassen. Die Säfte sind hier, Garteninsel eben, anscheinend der letzte Schrei und so findet ein buntes Potpourri aus wahlweise Ananas, Rote Beete, Gurke, Minze, Kokosnuss, Karotte und Ingwer den Weg in unsere Becher. Sehr lecker, daheim brauchen wir unbedingt einen Entsafter (natürlich…)! Ehe wir uns versehen, ist dann schon Samstag und auch diese Etappe unseres langen Reisejahres nähert sich dem Ende. In aller Herrgottsfrühe machen wir uns auf zum Flughafen und hopsen via „Island Air“ aufs benachbarte Oahu (das Propellermaschinchen wackelt ein bisschen), wo wir nun mit der „Pride Of America“ noch eine Woche um die Inseln schippern. Aber that’s another story! 

Strandidyll

Mittwoch, 18. März 2015

Best of Maui


Welcome to Maui oder auch Aloha, wie man in Hawaii zu sagen pflegt! Unser dreiwöchiges Hawaii-Inselhopping-Abenteuer startet hier auf Maui. So wirkliche Vorstellungen haben wir uns vorab fast keine gemacht, zumindest nicht über das klassische Hawaiibild hinaus, welches ja sicher in jedem unserer mitteleuropäischen Köpfchen existiert. Schön soll es sein, viel Hai und viel Hula soll es geben und vor allem warm wird es bestimmt. Alles andere lassen wir auf uns zukommen. Schon wenige Minuten nach unserer Landung auf diesem postkartenidyllischen Eiland müssen wir dennoch die erste Enttäuschung einstecken - keine Hulamädchen am Flughafen, die uns Blumenketten umhängen und beseelt "Aloha" vor sich hinchanten. Diesen Tiefschlag verkraften wir jedoch recht schnell und erreichen nach halbstündiger Fahrt (die Distanzen auf den hawaiianischen Inseln sind generell machbar) schon unser Domizil für die nächsten sechs Nächte. Ein kleines Cottage in Kula, im sogennanten Upcountry, also etwas höher gelegen. Mit warm ist hier, also zumindest nachts, daher schon mal nichts. Zum leidlichen Heizen gibt es einen Kamin, wenn man denn das Holz zum Brennen bringt, es weigert sich nämlich zunächst hartnäckig. Aber wir sind ja inzwischen old Canadians, das packen wir schon. Zur Not auch ohne Feuer. Denken wir am ersten Morgen nicht mehr, als wir unseren Atem sehen können. Schnell wird Wasser für einen Tee gekocht und die Muffins, die uns bei unserer Ankunft aus dem Kühlschrank entgegen gelächelt haben, in den Herd geschoben. Zu diesem Zeitpunkt geht Mr. T. noch davon aus, dass unsere Vermieterin diese Süßware eigenhändig kreiert hat, ich kläre ihn dann Tage später darüber auf, dass die vom amerikanischen Metropendant kommen. Mr. T. ist traurig.

Meeresschildkröten am Ho'okipa Beach

Am ersten Tag lassen wir es ruhig angehen. Man muss ja erstmal ein Gefühl für seine Umgebung bekommen. So touren wir ins 25 Minuten entfernte Hippie- und Surferstädtchen Paia. Hier läuft man sandverkrustet barfuß und genießt das Leben. Ein bisschen scheint es gar, als sei hier der Eine oder Andere auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens hängengeblieben, aber das macht auch den Charme des Örtchens aus. Insbesondere werden wir hier Fans vom gut sortierten Biosupermarkt Mana Foods, in dem wir wirklich alles finden, was wir brauchen, allerdings auch zu Hammerpreisen. Aber was soll's, das Preisniveau sind wir ja aus Kanada schon längst gewohnt und außerdem ist doch jetzt mal echt Urlaub, auch wenn der US-Dollar-Kurs schon ziemlich weh tut. Wir unternehmen unsere ersten Schritte am Strand, bestaunen wagemutige Surfer und riesige Meeresschildkröten. Mr. T. genießt hier das erste "Shaved Ice", muss wohl irgendwie eine Spezialität Hawaiis sein oder wieso gibt es das hier an jeder Ecke? Es handelt sich dabei, wie der Begriff schon vermuten lässt, um "rasiertes", oder eher geschabtes, Eis, auf das massenhaft Sirup in verschiedenen Geschmacksrichtungen gegossen wird. Gewöhnungsbedürftig...

Waikamoi Nature Trail / Road to Hana

Am zweiten Tag wartet dann eines der touristischen Highlights von Maui auf uns: die Road to Hana. Eine enge, kurvenreiche und bergige Küstenstraße durch überwiegend unberührte tropisch anmutende Landschaft. Immer wieder gibt es lohnenswerte Stopps mit kurzen Wanderwegen, Wasserfällen oder Aussichtspunkten. Das Bild, welches sich uns bietet, haut uns förmlich um, so schön ist das hier. Alles riecht so gut, die Blumen sind bunt, das Wasser klar, die Blätter an den Bäumen und Büschen satt grün.

Wasserfall XX / Road to Hana


Alles könnte so schön sein, wenn nicht, ja, wenn nicht Frau T. über Reiseübelkeit klagen würde. Immer dieses rechts und links und auf und ab, das ist nichts für sie. Zumindest nicht als Beifahrer. Dazu ertönt aus dem Radio noch Alohamusik und Mr. T. summt zu Frau T.'s Leidwesen ständig "over a rainbow" an. Nach Besichtigung des pittoresken Wasserfalls Nr. 47 wird daher im Cockpit gewechselt, und schon macht alles wieder ganz doll Spaß und die Stimmung ist gelöst. Nicht umsonst zählt die Road to Hana zu den "Must Sees" der Insel.

Haleakala Nationalpark

Auch an unserem dritten Tag auf Maui fühlen wir uns erstmal wieder eins mit der Natur und bewundern die Iao Needle, ein steil hinaufragender Felsen im Iao Valley. Hier ist eigentlich auch ein kurzer Hike geplant, aber da, wo wir laut unserem Lonely Planet langlaufen wollen, ist ein großes Verbotsschild. Mr. T. juckt es natürlich (auch wenn er dies nicht laut äußert, aber man kennt ja seine Pappenheimer), aber da hat er die Rechnung ohne die gesetzestreue Frau T. gemacht. Was verboten ist, machen wir net. Auch der kleine Botanische Garten, der sich hier befindet, wirkt etwas vernachlässigt und hat seine besten Zeiten wohl schon hinter sich. Hier ist also kein ganzer Tag zu vertrödeln.

Iao Needle

Dann fahren wir eben weiter an die Westküste. Dort reiht sich ein Ferienresort an das nächste, trotzdem wirkt alles etwas aufgeräumter und vor allem grüner als in vergleichbaren Orten im Mittelmeerraum. Wir schlendern entlang der Strandpromenade und möchten im Anschluss noch das Städtchen Lahaina besichtigen, fliehen jedoch vor den Kreuzfahrtgästen, die die Stadt an diesem Tag für sich eingenommen haben. Jetzt tröstet uns nur noch eine Schale Spicy Ahi Poke (Thunfischtartar), auch so eine Spezialität Hawaiis und wahnsinnig lecker.

Haleakala - zwischen Wolken und Himmel

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker... ein seltenes Phänomen in unserem "wenig work, viel travel"-Jahr. 4:15 Uhr, aber wir sind natürlich fit wie die Turnschuhe, die wir umgehend schnüren. Wir haben heute etwas ganz Besonderes vor und wollen den Sonnenaufgang vom Gipfel eines Vulkans begrüßen. Jeden Morgen pilgern etliche Touristen auf den Haleakala. Kalt und windig soll es da morgens sein. WIR sind aber natürlich vorbereitet. Warme Kleidung, Kopfschutz, Decken, Tee. Wir brauchen circa eine Stunde bis auf den Gipfel (auch hier fährt wieder Frau T.) und als wir dort um 5:30 Uhr ankommen, mutet es in 3.000 Metern Höhe doch etwas sehr sehr frisch an. Klar, wir haben uns vorbereitet, aber die kanadische Thermounterwäsche haben wir natürlich nicht im Gepäck und durch die Sneaker zieht es auch ein wenig. Wir postieren uns am Kraterrand und warten...und warten...und warten. Die Sonne hat es heute besonders schwer, denn die Wolken sind relativ weit oben, es dauert also, bis sie sich ihren Weg erkämpft hat. Derweil zittern wir ein bisschen. Ein bisschen sehr, um ehrlich zu sein. So sehr, dass Frau T. die nächsten Tage erstmal flachliegt (obwohl sie sich dessen bewusst ist, dass Kälte eigentlich nichts mit Erkältung zu tun hat), das weiß sie glücklicherweise jetzt aber noch nicht, sonst würde sie ins, zumindest windstille, Auto flüchten. So harren wir also aus und trotzen dem Wind und werden zwischendurch von hawaiianischem Sonnenanbetungsgesang, dargeboten von einer sonnengegerbten Eingeborenen, abgelenkt.

Haleakala

Endlich ist es dann soweit und wir huschen schnell zum Auto, um unsere Muffins (wir hatten sehr viele davon im Kühlschrank, unsere Vermieterin hätte stundenlang in der Backstube stehen müssen) zu verzehren und brechen dann, mittlerweile im Hellen und ein kleines bisschen Wärmeren, zu weiteren Erkundungstouren rund um den Krater auf. Während des Sonnenaufgangs fanden wir das Szenario gar nicht so spannend, aber jetzt, wo man auch was sieht, merken wir erst mal, wo wir sind und wie atemberaubend es hier überhaupt ist. Dieses Erlebnis ist es definitiv wert, so früh aus den Federn zu springen! Jetzt macht sich dann aber doch die Höhenluft bemerkbar, als Frau T. einen Hügel hinaufhechtet (hechelhechel), Mr. T. kurz stehen bleibt, um die Aussicht zu genießen und dann schnell zu ihr aufschließen will (hechelhechel). Wir üben also noch ein bisschen, bevor wir uns auf den Mount Everest wagen.

Ali'i Lavender Farm

Zurück in unserem Cottage genehmigen wir uns erst einmal ein herzhaftes Bauernfrühstück, bevor wir zu unserem nächsten Programmpunkt für heute aufbrechen - einer Lavendelfarm. Eigentlich wollen wir nur hier hin, weil es im Farmshop Lavendelscones und -tee gibt, aber natürlich spazieren wir erst einmal pflichtbewusst über das Areal, was sich insbesondere Frau T. viel romantischer und vor allem lilafarbener vorgestellt hat. Doch gerade blüht der Lavendel nur minimal, wir sind wohl noch ein paar Wochen zu früh. Unsere Goodies haben wir uns dennoch mehr als verdient und genießen diese auf der Sonnenterrasse mit Blick auf das Iao Valley und die Nord- und Südküste.

Afternoon Tea Ausblick

Der letzte Tag auf Maui steht nochmal im Zeichen BEACH FUN. Dafür haben wir uns den Strandabschnitt vorm Four Seasons Hotel an der Südküste ausgeschaut. Wenn schon, denn schon. Auch wenn wir vom vermeintlichen Luxus keinen Krümel abbekommen, die Bucht ist wunderschön und es macht Spaß, den Hotelgästen zuzuschauen, wie sie mit ihren Designertäschchen und Absatzbadeschühchen über den Strand hoppeln. Frau T. schwächelt hier schon merklich und hält es nicht allzulange in der Sonne aus, weshalb wir auch hier nochmal die Strandpromenade abschlendern, Kalua Pork zum Lunch snacken (schon wieder so 'ne Spezialität) und uns eine extrem leckere Eisschokolade gönnen (nicht unbedingt eine Spezialität, aber trotzdem auf die Hüften geschmiert).
Am nächsten Tag heißt es schon wieder "Aloha, Maui! Aloha, Kauai"! Auf zu neuen Ufern! Schön war es!

Freitag, 13. März 2015

Flugzeuge im Bauch

Urlaub, Palmen, Sonne, kühle Cocktails, ..., oder einfach mal so ein Jahr durch Kanada und die USA reisen. Wer durch die Weltgeschichte tingeln will, der muss mitunter auch ins Flugzeug steigen. Irgendwie blöd...zumindest für Frau T., denn die fliegt eigentlich gar nicht gerne. Das Leben ist doch eigentlich ganz schön, wieso es auf's Spiel setzen? In der Theorie ist immer alles rosarot: Urlaub planen, Ziele aussuchen, buchen. Wichtig hier – so viele Nachtflüge wie möglich vermeiden. Im Dunkeln fliegen ist bäh. Bereits Tage vor dem Abflug fängt dann die Aufregung an. Hoffentlich ist das Wetter gut, hoffentlich wackelt es nicht so sehr, hoffentlich stürzen wir nicht ab!!! Die nächste Stufe macht sich durch spontane Appetitlosigkeit und Insichgekehrtheit bemerkbar. Wie wär's denn, wenn hier einfach hierbleiben? Ist doch auch ganz schön. Einfach mal schnell stornieren. Da spielt Mr. T. aber nicht mit, Mist! Bleibt nichts anderes übrig, als sich zu beschäftigen und abzulenken. Packen, Online-Check-in, Reisedokumente zum x-ten Mal auf ihre Vollständigkeit überprüfen. Und irgendwann ist dann der Abflugtag gekommen. Frau T. bildet sich ein, alles zum letzten Mal zu machen. Da wird der obligatorische Burger am Flughafen mal schnell zum letzten Abendmahl. Ach, wird schon alles gut gehen. Schließlich trägt sie ihr Flugshirt – seit vielen Jahren immer wieder dasselbe T-Shirt, sind zwar schon ein paar Löchelchen drin, aber bringt doch so viel Glück. Jetzt bloß nichts anmerken lassen vor Mr. T., obwohl er genau weiß, wie es in seiner Reisepartnerin aussieht. Spätestens, als die Angespanntheit beim Security Check sichtbar wird. Laptop raus, Schuhe aus, Gürtel ab, Hoodie aus, Flüssigkeiten rausholen, Frau T. ist völlig gestresst und äußert das in Form beißender Kommentare gegenüber ihrem Ehemann. Erstmal zum Gate ein gemütliches Plätzchen suchen und durchatmen. Perfekte Gelegenheit, um unauffällig die Mitreisenden abzuchecken. Ist ein potentieller Terrorist dabei? Ein schreiendes Baby? Oh je, Boarding startet schon, husch husch auf die Pipibox. Zurück am Gate, schnell noch mal den Daheimgebliebenen schreiben, wie lieb man sie hat, man weiß ja nie was passiert, da will man ja wenigstens im Guten scheiden. Mr. T. bekommt Pass und Bordkarte in die Hand gedrückt (die sonst bei Frau T. immer am Besten aufgehoben sind), auf geht's in den Finger, der zum Flugzeug führt, eventuell hier die erste Platzangstattacke durch Staubildung. Wie sitzen wir denn? Die richtige Bestuhlung trägt wesentlich zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens bei: 3-3-Bestuhlung? Dann bleibt zu hoffen, dass die Person am Fenster dünn und gutriechend ist. 2-3-2 Bestuhlung? Was für ein Glück. Wir haben unsere Ruhe und Frau T. kann sich jederzeit mit einem Blick aus dem Fenster versichern, dass wir noch fliegen. Im besten Fall geht es schnell los, doch wer ist nicht schon mal gefühlte Stunden auf dem Rollfeld herumgefahren? In diesem Moment stellt sich Frau T. immer vor, sie würde nun weiterfahren und so ans Ziel kommen. Schön wär's! Obwohl es statistisch gesehen, ja viel mehr Todesfälle durch Autounfälle gibt als... Ich weiß! Der Sicherheitsvorführung muss man ja nicht folgen, ist eh immer das Gleiche und ich habe es schon zigmal gesehen. Aber wer weiß, vielleicht ist es ein schlechtes Omen, wenn ich nicht aufpasse? Also schaue ich lieber mal der unmotivierten Stewardess - pardon, Flugbegleiterin – zu, wie sie andeutungsweise in das Röhrchen der Schwimmweste pustet. Ist dieser Autritt überstanden, geht es los. Nun ist Mr. T. an der Reihe, ein wenig zittrig zu werden. Starten mag er gar nicht. Egal über was vorher noch diskutiert wurde, nun werden in Eintracht Händchen gehalten, Frau T. vergisst zwischendurch weiter zu drücken, wenn sie die kleiner werdende Stadt aus dem Fenster bewundern muss. In diesem einen Moment ist für sie eigentlich alles gut, sofern es nicht wackelt. Der Flug nimmt also seinen Lauf, im besten Fall geht er nur nach Wien und ist nach einer guten Stunde überstanden, im schlimmeren Fall geht es auf einen anderen Kontinent, am Ende noch über Wasser und durch die Nacht, wie schrecklich! Wie jetzt die Zeit totschlagen? Film schauen, lesen, Musik hören, rätseln, Handyfotos anschauen/löschen, alles – nur nicht schlafen. Bewundernswert sind Menschen wie Freundin K., die sich ins Flugzeug setzen, die Augen schließen und sie erst nach der Landung wieder öffnen. Klappt bei Frau T. nicht, zu viel innere Unruhe. Dann fängt es auch noch an zu wackeln, erstmal rausschauen und die Lage abchecken. Wolken? Am Ende sogar dunkle? Gewitter??? Oder einfach nur Clear Air Turbulences? Musik auf die Ohren und mit dem Kopf hin und her wackeln, soll helfen, das Schaukeln auszugleichen. Wenn es ganz wild wird, müssen auch ein paar Entspannungsübungen herhalten, die seinerzeit im Lufthansa-Flugangst-Seminar (totally different story) antrainiert wurden. Unauffällig natürlich, man will sich ja nicht zum Horst machen. Was auch immer hilft, ist, sich seine Mitreisenden anzuschauen. Tippen die noch unbeeindruckt auf ihrem iPad herum? Schlafen sie noch in unbequemer Haltung? Okay, durch- und runteratmen. ES PASSIERT NICHTS!!! Wie sagte mal eine Flugbegleiterin so schön, als der Service eingestellt werden musste aufgrund dollen Wackelns und sie mit der Kaffeekanne auf dem Schoß auf ihrem Klappstuhl saß? "Von Turbulenzen ist noch kein Flugzeug abgestürzt!" Naja, das glaube ich ihr nicht ganz, aber sie hat ja irgendwie recht. Doch auch wenn der Kopf all das weiß und es der Psyche ständig einsingt – die hat auf Durchzug gestellt. Noch 5 Stunden. Nun sind es nur noch dreieinhalb. Gleich geht's schon in den Sinkflug. Irgendwie vergeht die Zeit dann mehr oder minder doch immer "wie im Flug" und schon müssen wieder die Tische hochgeklappt sowie die Stühle senkrecht gestellt werden. Landen, wiederum nicht so hundertprozentig Frau T.'s Ding. Beruhigend ist es ja, dass die Häuser größer werden und jetzt auch Autos auf den Straßen zu erkennen sind, aber wieso wird es kurz nach dem Aufsetzen noch mal so laut und schnell? Unvergessen an dieser Stelle das bewegte Bild einer Lufthansamaschine, die bei starkem Wind in Hamburg fast von der Landebahn abkommt. Und dann ist da ja immer noch die stille Bedrohung des Durchstartens. Hmm, auch schon mal erlebt? Da ist die Achterbahnfahrt im Flugticket durch alle Klassen hindurch inkludiert. Die gute Seite daran? Wenn man wieder oben ist, ist man im wahrsten Sinne des Wortes so high, dass einem alles egal ist. Aber uff, alles noch mal gut gegangen. Wir haben wieder festen Boden unter den Füßen, yeah! Vor lauter Erleichterung verfällt Frau T. in einen hyperaktiven Laberflash (sehr zum Leidwesen von Mr. T.). War ja alles gar nicht so wild, hat doch fast schon Spaß gemacht!

P.S. Dieser Blogbeitrag wurde auf dem Weg von Vancouver nach Maui geschrieben, in 10.000 Metern Höhe, mit zittrigen Händen. Die Tatsache, dass der Artikel den Weg in den Blog gefunden hat, scheint darauf hinzuweisen, dass wieder einmal alles gut gegangen ist. Der nächste Flug ist schon gebucht.

Mittwoch, 11. März 2015

Essen ist fertig!

Ja, auch wir essen ab und zu mal. Und zwar ganz schön gerne. So manches mal wurden wir nun schon zum "kanadischen" Essen befragt. Was gibt's denn da, wie schmeckt es, ist alles sehr schrecklich ungesund, freut ihr euch schon auf deutsches Essen? Klar freuen wir uns auf "deutsches" Essen. Darunter verstehen wir überwiegend knuspriges Brot und Brötchen und lokale Highlights wie Handkäs, Hackepeter (im Volksmund auch Mett genannt), Kochkäs' und dergleichen. Aber hier in Kanada lässt es sich ebenso gut kulinarisch leben und die Mär vom ausschließlich und dafür reichlich vorhandenen Fast Food kann mit ein bisschen gutem Willen schnell widerlegt werden, manchmal braucht man aber auch einfach mal 'nen Burger.

Irgendwie ist es ja Mode geworden (und eigentlich auch schon wieder out), sein Essen zu fotografieren. Bei der Durchsicht unserer zig Handy- und Kamerafotos ist uns aufgefallen, dass wir uns da irgendwie von haben anstecken lassen, warum also nicht mal die Bilder teilen und unser Jahr noch einmal kulinarisch Revue passieren lassen? Schöne Landschaften und Grizzlies kann ja jeder.

DAS kanadische Nationalgericht ist, aus welchen Gründen auch immer, die Poutine.


In Bratensauce ertränkte Pommes, garniert mit ominösem Käsebruch und Fleischfetzen. Definitiv Geschmackssache, ein Versuch hat uns auf jeden Fall gereicht. Ansonsten würden wir noch alles rund um Fisch, sowie jegliche Speisen mit Bacon als typisch kanadisch einstufen. Und natürlich wildes Fleisch wie Moose. Unvergessen bleibt der Mooseburger, den wir bei Rollie am Nimpo Lake kosten durften. An Elch- und Hirschleber hat sich nur Mr. T. rangetraut, "vorzüglich!" sagt er.

Auch Ahornsirup, hier Maple Syrup genannt, zählt selbstredend zu den Lebensmitteln, die in keinem kanadischen Haushalt fehlen dürfen. Dachte sich auch Familie T., als sie Ende Juni letzten Jahres ihre erste eigene Reisebude in Toronto bezog. Frau T. stand vor dem Supermarktregal, um eine Auswahl zu treffen. War nicht so leicht. Es gibt einfach zu viel Auswahl. "Naja, dann nehmen wir halt die günstigste Flasche", dachte sich Frau T., packte den Sirup in den Wagen und freute sich auf richtig kanadische Pancakes. Beim Auspacken der Tüten dann die große Ernüchterung: Statt des schmackhaften MAPLE Syrups hatte schnöder Sirup (also nur Zuckerwasser, ohne Maple) Einzug bei uns gehalten, der, wie man sich sicher denken kann, ganz ganz uncool schmeckt!

Wenn man ein Jahr unterwegs ist, geht man natürlich nicht jeden Tag auswärts essen. Gerade, wenn wir uns länger an einem Ort aufgehalten haben (Toronto, Vancouver), haben wir nahezu ausschließlich zuhause gebrutzelt. Glücklicherweise befindet sich in unserer Reisegruppe der passionierte Hobbykoch Mr. T., so dass Frau T. meistens das aufgetischt bekommt, was sie sich wünscht. Oft brainstormen wir über irgendetwas, auf das wir ganz doll Lust haben und haben auf diese Weise auch einige neue Gerichte kreiert und dabei das Diplom in "Wie verwerte ich Reste zu einem Gaumenschmaus" absolviert. Folgende Kunstwerke oder als "interessant" befundene Mahlzeiten sind dabei herausgekommen:

Gyrossalat mit Tzatziki und Brötchen

Fish Taco

Schmeckt auch mit Fleisch und schimpft
sich dann Schnitzel Wrap

Greek-Jugo-Burger mit Tzatziki, Krautsalat und Ajvar


Ultimate Nachos

Kommen wir nun zum Thema Frühstück. Die Kanadier mögen es gerne deftig. Auch wenn wir selbstverständlich überwiegend versuchen, Vitamine zu uns zu nehmen in Form von Obstsalat mit Joghurt und Nüsschen...


...so passen wir uns natürlich auch den Gepflogenheiten der kanadischen Küche an und experimentieren ein bisschen mit Pancakes...



Kanadische Variante mit Speck und Ei -
klingt komisch, schmeckt aber verdammt gut

Eigenkreation: Snickerspancake mit
Ahornsirup, Nutella und Peanut Butter

 ...und kreieren unsere eigenen Breakfast McTischner Muffins.


Der Klassiker: Bacon, Spiegelei,
Käse und Ketchup

Der Wurstige, das ist der
Klassiker plus Wörschtereste



Mr. Ham: Klassiker plus Schinken

Der Perverse: aus der Not und Resten
heraus geborene Kreation mit
Frühstückswürstchen (ähnlich Nürnbergern),
Zwiebeln und Senf

Natürlich GEHEN wir auch ESSEN. Entweder auf Roadtrips in Ermangelung einer Küche oder aber wir essen was, was wir uns nicht selbst in der gewünschten Qualität zubereiten können, und das ist Sushi. Insbesondere durch die aktuelle Verbreitung des Sojabohnenpapiers, die geschmacksneutrale und weniger zähe Alternative zum Irgs-Bäh-Seetang, öffnen sich vor allem für Frau T. ganz neue Sushitüren und wir sind nun Fachleute für "bestes Sushi" in Toronto, Revelstoke, Vancouver und der Space Coast in Florida.


Mr. T. wird in diesem Jahr bewusst, wie sehr er Suppen und Eintöpfe liebt und führt inoffiziell Buch über die beste Seafood Chowder ever, ever, ever. Und hier sind zwei Kandidatinnen:

Rebecca's Restaurant, Chester, NS

Rope Loft, Mahone Bay, NS

Wenn wir dagegen Heimweh haben, laufen wir in Vancouver zum Granville Island Market, wo man wirklich fast alles besorgen kann, und genehmigen uns Worscht und Brot.

Ja, und auch Tomaten mit Mozzarella

Eine besondere Situation, nicht nur in Hinblick auf das Essen, war sicher unser großer Roadtrip von Ost nach West. Hier galt es, auf den Campingplätzen mit begrenztem Equipment was Feines zu zaubern. Der Speiseplan hat sich oft leicht wiederholt, aber dennoch war es (fast immer) lecker.

Eine der nicht ganz so leckeren Speisen:
Seltsame Geflügelwürstchen mit Gemüse und Knoblauchbrot



Die Kaiserin unter den Roadtripmahlzeiten:
Schweinelende, geröstete Zwiebeln und Tzatziki.
Zur Feier des Tages dazu eine Coke Zero.


Nach wenigen Tagen perfektioniertes Frühstück:
Bacon-Cheese-Sandwich


Die Prinzessin unter den Roadtripmahlzeiten:
gegrillte Wörschtscher (Beef Hot Dogs) mit Tzatziki
(mir fällt gerade auf, wie oft wir das gegessen haben)


Der Campingklassiker: Mac&Cheese, Baked Beans

Was in Kanada bzw. Nordamerika immer gut geht, ist alles, was aus dem weiten Feld der Sandwiches kommt:

Mutig, mit Ginger Beeer! La Have Bakery, La Have, NS

Soup'n'Sandwich - Rebecca's Restaurant, Chester, NS

Nochmal La Have Bakery, diesmal  mit Chai, La Have, NS

Smoked Meat - Schwartz's, Montreal, QC

Lobster Roll, irgendwo in den Neuenglandstaaten

Hot Dog - Vancouver Canucks, Vancouver, BC

Beacon Bagel, Beacon, NY

Der süße kanadische Klassiker zum Afternoon Tea ist zweifelsfrei die gute alte Cinnamon Roll, die hier komischerweise oft Cinnamon Bun genannt wird.


Als Roadtripfrühstück hat sich allerdings auch der Apple Fritter von Tim Horton's bewährt.


An dieser Stelle muss für Tim Horton's ohnehin (mal wieder) eine Lanze gebrochen werden. Auf zahllosen Roadtrip-Rasten haben uns hier für sehr kleines Geld diverse Toasted Bagels, Chili con Carnes oder eben gezeigte Apple Fritter vor dem Verhungern bewahrt. 

Für die Wintersaison haben wir uns dann auf dem kanadischen Amazon ein 1A Raclettegerät bestellt, das uns ein bisschen Heimatgefühl und 2kg Käse im Bauch beschert hat.

Weihnachten in Vancouver

Gesund? Klar, können wir natürlich auch...


...aber, wie schon eingangs erwähnt - ab und zu braucht man einfach mal 'nen gescheiten Burger!

...und Pommes mit künstlicher Käsesauce.
Best Fast Food Burger ever! Shake Shack, NY