Freitag, 24. April 2015

Lainzer Tiergarten - eine kleine Wanderung


Kaiserschmarrn, Wiener Schnitzel, Sacher Torte, Melange, Aperol Spritz - in Wien kann man gut leben, sollte die Kalorien ab und an aber auch mal wieder abtrainieren. Nichts wie ab in den Lainzer Tiergarten, das ehemalige kaiserliche Jagdgebiet im Wienerwald. Der Lainzer Tiergarten befindet sich westlich von Wien und umfasst 2.450 Hektar. Hier findet man viel Grün (Bäume, Pflanzen), wilde Tiere (Wildschweine, Damhirsche, Mufflons,...) und die Hermesvilla - "das Schloss der Träume" - die Franzl für seine Sisi seinerzeit bauen ließ, damit die reisesüchtige Alte sich auch mal öfter in Wien blicken lässt. Ähämm, Mr. T., so ne kleine schnuckelige Villa in Frankfurt...vielleicht will ich dann nie wieder in Urlaub? 
Die Straßenbahn, hier auch Tram genannt, bringt uns quasi ohne Umsteigen von Haustür zu Tiergartentor. Wir starten unser kleines Wanderabenteuer beim Nikolai Tor, am nordöstlichen Zipfel des Parks.  Ein Ranger grüßt uns muffig, wir werfen einen flüchtigen Blick auf die Infotafel und sehen schon, welches Getier uns hier erwarten könnte. 900 Wildschweine leben im Lainzer Tiergarten, aber da es keine Warnschilder gibt, so wie in Kanada, bin ich mir auch sicher, dass uns nichts passieren kann. Frohen Mutes stapfen wir also los, den Rucksack mit ausreichend Proviant auf dem Rücken und bewaffnet mit einer Kamera. 

Noch finden wir sie niedlich

Erste Etappe: Nikolaitor - Hirschgstemm (5,6 km)
Wir starten auf einem Naturlehrpfad, dessen Verlauf durch ein kleines Wildschein (wie süß!) gekennzeichnet ist. Wir lernen, dass eine Fledermaus nachts mindestens 2.000 Insekten verschlingen muss, damit sie einigermaßen gesättigt ist, lauschen den Klängen eines Spechts und riechen den scheinbar allgegenwärtigen Bärlauch. In der Ferne sehen wir ein Tierchen, das gerade frisst. Ist es ein Pferd? Hmm, nein, die Beine sind so kurz. Ist es ein Pony? Hmm, könnte sein, aber doch irgendwie nicht. IST DAS EIN WILDSCHWEIN? Wir haben noch nie eines in freier Wildbahn gesehen, das ist doch nicht sooo groß! Oder etwa doch? Es ist zu weit weg, auch der Kamerazoom bringt keine 100%ige Gewissheit. Nur einen Kilometer weiter dann jedoch die Bestätigung: Es wimmelt nur so von Wildsäuen um uns herum. Wir sind umzingelt! Hilfe! Nur wenige Meter von uns entfernt stapfen zwei Exemplare durch den Wald, um dann zu einem Schweinsgalopp über den Wanderweg anzusetzen. Klick! Im richtigen Moment abgedrückt. Großer Respekt macht sich in uns breit. Denen scheint es hier ja gut zu gehen, wenn das solche Oschis sind. Man möchte ihnen lieber nicht alleine bei Nacht begegnen. Oder überhaupt. Wir setzen unsere Wanderung fort und driften in Kindheitserinnerungen ab. Damals, als man noch eine Isostarflasche hatte für Wanderungen. Graue Flasche, blauer Schriftzug, gelber Deckel. Ich sehe sie bildlich vor mir. 

Jetzt sieht es schon anders aus

Zweite Etappe: Hirschgstemm - Hubertuswarte (1,4 km)
Beim Hirschgstemm gibt es ein Ausflugslokal mit Bierzeltgarnitur. Es riecht nach fettigen Fritteusenfritten (quell' Alliteration!) und Almdudler. Aber wir haben ja unseren Proviant auf dem Rücken und wollen auch noch ein paar Meter weiter latschen, auch wenn unsere Mägen schon fast unter den Wanderschuhsohlen hängen.  Endlich! Die Hubertuswarte! Ein Turm - 220 Stufen bis zur Spitze. Die müssen wir noch absolvieren, bevor wir uns eine Pause gönnen. Frau T. zählt jede Stufe, stimmt, es sind 220. Von dort oben eine diesige Sicht auf Wien und den Wienerwald. Ganz nett, aber immer noch hungrig. Also hüpfen wir die Stufen beschwingt wieder hinab. Wir haben von oben nämlich eine weibliche Wanderersgruppe erspäht, nicht, dass die uns den Picknicktisch wegnehmen. Wir haben aber noch einmal Glück gehabt, die Damen bleiben ein Stück weiter vorne und machen es sich dort gemütlich, so dass wir nun endlich unsere Salz-Kümmel-Stangerl, die Puszta- und Teufelswürste und unsere Paradeiser auspacken und verspeisen können. Hach, jetzt sieht die Welt doch schon wieder ganz anders aus. 

Hubertuswarte

Dritte Etappe: Hubertuswarte - Rohrhaus (1,4 km)
Der Rucksack wird geschultert, die Beine geraten wieder in Bewegung. Wir laufen an der Frauengruppe vorbei und bitten sie freundlich, wie es so Sitte ist, Gott zu grüßen. Eigentlich sind wir fast schon an ihnen vorbei, da fällt unser Blick auf ein kleines Detail. Eine der Damen trinkt aus einer Isostarflasche. Und aus was für einem 1,5l-Prachtexemplar! Dass es die überhaupt noch gibt...

Bärlauch, soweit das Auge bzw. die Nase reicht

Vierte Etappe: Rohrhaus - Hermesvilla (2,2 km)
Irgendwie lässt der Drive nach. Ein bisschen drängt die Zeit, da wir unsere Vermieterin gegen 16 Uhr zuhause erwarten. Sollen wir ihr eine SMS schicken, dass es später wird? Sollen wir früher aus dem Tiergarten aussteigen? Erstmal zur Hermesvilla, auf Toilette könnte man ja auch wieder mal. Oh nein, die Hermesvilla, die eigentlich so ein süßes kleines Schlösschen ist, hat einen Baugerüstmantel an. Frau T. ist ganz betrübt, sie war vor ein paar Jahren schon mal mit Mama P. hier und da war alles so schön, das sollte Mr. T. doch auch sehen. Er beteuert aber, dass er es auch so ganz entzückend findet. Einen Besuch im Museum sparen wir uns allerdings. Den Klobesuch auch, wir finden nämlich gar keines.

Hermespark

Fünfte Etappe: Hermesvilla - Lainzer Tor (1,1 km)
Wir lustwandeln durch den Hermespark, in dem extra alle Maulwurfhügel beseitigt wurden, damit die gute Sisi bedenkenlos reiten gehen kann. Hach, der Franz Joseph war schon ein guter Typ! Mr. T. reicht es nun aber mit Romantik, er möchte zu den Wildgehegen, in denen wir Damhirsche, Mufflons und Auerochsen besichtigen können. Zwei Platzhirsche gehen gerade mit ihren Geweihen aufeinander los, die Mufflons grasen unbeirrt weiter. Aber wo sind die Auerochsen? Vielleicht da vorne? Ja, gaaaanz weit weg, kann man einen buckligen Fellhaufen erahnen. So, das muss jetzt aber auch an Tieren für heute reichen, denkt sich Frau T. und stolpert fast über ein starres kleines Ding. Eine tote Maus? Nein, ein Maulwurf, wie sie vom Bernhard Grzimek an ihrer Seite aufgeklärt wird. Ob der wohl damals zu Tode kam, als der Franzl hier alles hat plattmachen lassen? Ich werde es wohl nie erfahren.

Da rennt das Vieh

Sechste Etappe: Lainzer Tor - Nikolai Tor (7,1 km)
Nochmal 7,1 km? Und auch noch mit Steigung? Nee nee, Du! Heute nicht mehr. Wir haben ja noch ein Vermieterdate und ein bisschen müde sind wir auch. Wir verlassen den Lainzer Tiergarten also am Lainzer Tor und fahren mit 3x umsteigen nach Hause, was aufgrund des perfekt organisierten ÖPNV in Wien aber reibungslos läuft. Was für ein schöner kleiner Ausflug an der frischen Luft. Und jetzt ist auch wieder Platz für ne Käsekrainer.

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